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Der Facebook-Skandal erzählt in 30 Cartoons

Seit über einer Woche fliegt Mark Zuckerberg der «grösste Daten-Skandal in der Geschichte Facebooks» um die Ohren. Die Enthüllungs-Artikel führten dazu, dass sich der Facebook-Chef in den Staub wirft. Die Ereignisse im Überblick.

26.03.18, 20:01 27.03.18, 11:06


Facebook sammelt seit Jahren jedes noch so kleine Datenhäppchen über uns. Auch der seit über einer Woche thematisierte Skandal um Cambridge Analytica war in seinen Grundzügen seit mindestens zwei Jahren bekannt – genauer gesagt ansatzweise bekannt. Denn als der britische «Guardian» Ende 2015 erstmals über das heimliche Absaugen von Persönlichkeitsprofilen von Millionen von Facebook-Nutzern für Ted Cruz' Wahlkampf berichtete, interessierte dies die Wenigsten. Erst die Insider-Informationen des Whistleblowers Christopher Wylie brachten den Stein ins Rollen, fast täglich erschüttern neue Vorwürfe Mark Zuckerbergs Social-Media-Imperium.

Das ist bis jetzt bekannt:

Facebook versuchte die Publikation des Skandal-Reports zunächst zu verhindern. Ohne Erfolg.

Noch vor der Publikation intervenierte Facebook bei der «New York Times» und dem «Guardian», um Christopher Wylies Enthüllungen zu verhindern. Der Druckversuch scheiterte und der Konzern kommt seit über einer Woche nicht mehr aus den Negativschlagzeilen. 

Der Facebook-Skandal von Anfang an erzählt

2012 geht Facebook an die Börse und wandelt sich vom Social Network in ein Daten-Monster, das seine Nutzer mit  bezahlter, personalisierter Werbung zuspammt

Das Geschäftsmodell von Facebook ist es, die Aufmerksamkeit seiner Nutzer möglichst zielgenau an Werbekunden zu verkaufen

Hierzu sammelt Facebook jedes Datenhäppchen über uns. Auf Facebook selbst, aber auch im Web über den Like-Button

Bei den gesammelten Daten handelt es sich erstens um Informationen, die man als Nutzer freiwillig herausgibt (Name, Telefonnummer, Interessen, veröffentlichte Fotos etc.)

Zweitens um Daten, welche die Apps von den Geräten der Nutzer sammeln: Etwa der aktuelle Standort, wann man mit wem telefoniert hat oder wie viele Schritte man pro Tag zurücklegt.

Drittens geht es um Daten über die Nutzer, die Konzerne von Partnerfirmen kaufen: Zum Beispiel Informationen über das Surfverhalten auf anderen Webseiten. Mit dem Like-Button hat Facebook einen Tracker, der fast weltweit in fast allen grossen Webseiten integriert ist.

Mit den Nutzerdaten lassen sich vermutlich auch Wahlen beeinflussen

Facebooks Werbekunden sind nicht nur Firmen, NGOs, Vereine oder Private, sondern auch Parteien, Politiker oder umstrittene Akteure wie Cambridge Analytica, die für jeden, der das Portemonnaie öffnet, eine anonyme, personalisierte, politische Kampagne auf Facebook führt.

Politiker und Parteien schalten daher (anonym) zielgerichtete Botschaften auf Facebook, die nur ihre Sympathisanten und deren Freunde sehen sollen

Problematisch wird personalisierte Werbung (Microtargeting), wenn politische Wahlproganda ohne sichtbaren Absender (Dark Ads) an bestimmte Menschen ausgespielt wird, während andere Zielgruppen eine andere Botschaft zu sehen bekommen. Da für die Allgemeinheit und die Medien nicht sichtbar ist, wer welche Botschaft zu sehen bekommt, kann gezielt gestreute Desinformation viel schwieriger aufgedeckt bzw. thematisiert werden.

2014 hatte Cambridge-Wissenschaftler Aleksandr Kogan eine folgenschwere Idee: Er entwickelte mit dem heutigen Whistleblower Christopher Wylie eine Persönlichkeitstest-App, die rund 270'000 Facebook-Nutzer installierten

Für die Entwicklung eines eigenen Persönlichkeitsmodells wollte Kogan Facebooks Nutzerdaten anzapfen. Ein zunächst logischer Gedanke, da Facebook die Schnittstelle zum Absaugen der Daten damals bereitwillig zur Verfügung stellte. Rund 270'000 Facebook-Nutzer spielten Versuchskaninchen und füllten freiwillig einen Persönlichkeitstest aus.

Kurz darauf gelangte die Big-Data und Wahlkampf-Firma Cambridge Analytica an die abgesaugten Daten von über 50 Millionen Facebook-Nutzern

Wegen Facebooks laxen Datenschutzrichtlinien konnten die Entwickler der Persönlichkeitstest-App (sowie jeder andere App-Entwickler) auch die Daten der Freunde bzw. Kontakte der Testteilnehmer auslesen – so kamen über 50 Millionen Datenprofile zusammen.

Diese stellte Aleksandr Kogan ohne Einwilligung der Betroffenen der Big-Data-Firma Cambridge Analytica zur Verfügung. Cambridge Analytica ist nicht nur ein Datenhändler, sondern eine mit Kogan verbandelte Wahlkampf-Firma, die damit prahlt, weltweit 200 Wahlkampagnen beeinflusst zu haben.

Denn: Wer einer App oder Website das Recht erteilt, auf das eigene Facebook-Profil zuzugreifen, muss damit rechnen, dass die Daten an Datenhändler fliessen

Das Problem dabei: Wenn deine Facebook-Kontakte dubiosen Apps Zugriff auf ihr Profil geben, können die Anwendungen auch deine Daten absaugen, sofern du dies nicht aktiv in den Facebook-Einstellungen verhinderst. Genau dies ist im Fall Cambridge Analytica passiert – und vermutlich bei vielen anderen Apps und Webseiten. Denn Facebook liess das Datenabsaugen über viele Jahre ungehindert und ab 2014 mit gewissen Einschränkungen zu.

Zuckerberg war er zunächst egal, dass jeder ganz legal und im grossen Stil Facebook-Profildaten anzapfen konnte. Erst 2014 wurde die Praxis eingeschränkt.

Nur Bahnhof verstanden? Corsin erklärt den Skandal um Facebook und Cambridge Analytica nochmals leicht verständlich

Video: watson/Emily Engkent, Corsin Manser

Heute sagt Aleksandr Kogan, er hätte nicht gewusst, dass die gesammelten Daten für Wahlkampagnen genutzt würden

Cambridge-Analytica-Chef Alexander Nix prahlte damit, weltweit über 200 Wahlkampagnen beeinflusst zu haben. Jetzt wurde er suspendiert.

Cambridge-Analytica-Manager sagten vor versteckter Kamera, sie hätten beispielsweise bei Wahlen in Nigeria, Kenya, Malaysia, Tschechien, Indien, Argentinien und den USA «mitgewirkt».

Politiker warnen, (anonyme) Wahlkampagnen auf Facebook seien eine Gefahr für die Demokratie. Es brauche Spielregeln für Wahlwerbung auf Facebook, wie sie auch für das Fernsehen gelten.

Über die Wirksamkeit von politischem Microtargeting wird viel gestritten. Manche behaupten, dass mit der gezielten Manipulation durch personalisierte Botschaften auf sozialen Netzwerken Wahlkämpfe oder Abstimmungen gewonnen werden. Andere zweifeln die Wirksamkeit generell an. 

Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen und hängt stark vom Kontext ab: «Die Wirkung von politischem Microtargeting dürfte in fragilen oder autoritären politischen Systemen anders ausfallen als in stabilen Demokratien», schreibt das Onlineportal Netzpolitik. In Teilen Afrikas, wo viele Menschen ausschliesslich via Facebook online sind (da Facebook den Internet-Zugang für den eigenen Dienst gratis zur Verfügung stellt), dürfte die Wirksamkeit viel höher sein als in gefestigten Demokratien mit einer vielseitigen Medienlandschaft.

Whistleblower Christopher Wylie behauptet inzwischen, auch der Brexit sei gekauft gewesen

Der Facebook-Skandal zieht weitere Kreise: Britische Ermittler prüfen den Verdacht, dass das Referendum mit obskuren Geldmitteln und Hilfe der Datensammler von Cambridge Analytica gewonnen wurde.

Zuckerberg schweigt zunächst und Facebook sperrt Wylies Facebook-Profil

NSA-Whistleblower Edward Snowden kontert und bezeichnet Facebook als Überwachungs-Konzern unter dem Deckmantel eines sozialen Netzwerks

Was heute oft vergessen geht: Bereits 2012 nutzten Obamas Wahlhelfer Facebook im grossen Stil, um potenziell demokratische Wähler gezielt zu mobilisieren. Woher sie wohl diese Daten hatten?

Richtig! Damals konnte jedermann ganz legal Facebook-Profile anzapfen und für was auch immer nutzen. Obamas Facebook-Wahlkampf galt damals sogar als cool ...

Zurück in die Gegenwart: Zuckerberg entschuldigt sich nach mehreren Tagen Schweigen für den Datenskandal, will aber am Geschäftsmodell festhalten

Der Facebook-Chef will die betroffenen Nutzer endlich informieren – über drei Jahre nachdem die Daten abgeflossen sind

Zuckerberg verspricht mit dem Rücken zur Wand mehr Datenschutz: Apps von Drittfirmen sollen nur noch auf Name, E-Mail und Profilfoto zugreifen dürfen

Derweil geht ein Tweet von WhatsApp-Mitgründer Brian Action viral: «Es ist an der Zeit. #DeleteFacebook», schreibt er.

Brian Action hat mit dem Verkauf von WhatsApp an Facebook ein Vermögen gemacht. Nun profiliert er sich als Datenschützer.

Tesla-Chef Elon Musk nutzt die Gunst der Stunde für einen PR-Stunt und löscht (oder deaktiviert) die Facebook-Profile von Tesla und SpaceX

Elon Musk und Mark Zuckerberg haben das Heu schon lange nicht mehr auf der gleichen Bühne: Vor ein paar Jahren zerstörte Musks Firma SpaceX bei einem Unfall einen Facebook-Satelliten und vor einem Jahr kamen sich die Streithähne beim Thema künstliche Intelligenz (KI) ins Gehege. Musk warnt immer wieder vor den Gefahren selbstlernender Algorithmen und sagte Zuckerbergs Verständnis von KI sei «limitiert». 

Lunte gerochen hat auch die EU: Sie will Tech-Konzerne wie Facebook, Amazon, Google oder Apple viel stärker besteuern

Facebook schaltet ganzseitige Inserate und entschuldigt sich für den Datenskandal

Neue Vorwürfe stören Zuckerbergs Entschuldigungsoffensive: Facebook soll auch emsig Telefondaten sammeln

Facebook soll auf Android-Smartphones Verbindungsdaten von Telefonaten und SMS gesammelt haben. Zum Beispiel zu welcher Uhrzeit man welche Nummer für wie lange angerufen hat. 

Facebook dementiert und schreibt, das Speichern der Telefon-Verbindungsdaten sei ein Feature. Man speichere die Daten nur, wenn der Nutzer zugestimmt habe.

bild: imgur

Die Verbindungsdaten eines Anrufs oder einer SMS geben keinen Aufschluss über den Inhalt einer Unterhaltung. Aber sie verraten trotzdem viel: Zum Beispiel zu welcher Uhrzeit man welche Nummer für wie lange angerufen hat. 

Datenschützer kritisieren Facebook erneut und sagen, in vielen Fällen sei den Nutzern nicht ersichtlich gewesen, welcher Datensammlung sie eigentlich zustimmten.

Der vorerst letzte Schlag für Zuckerberg: Seit heute untersucht die US-Handelsbehörde FTC den Datenskandal. Es droht eine Milliardenstrafe. Die Aktie verlor rund fünf Prozent an Wert.

Warum heute (fast) niemand mehr Mark Zuckerberg trauen mag, unterstreicht diese Chat-Konversation aus früheren Tagen

bild: imgur

2010 publizierte das Wirtschafts-Portal Business Insider ein Chat-Protokoll aus den frühen Facebook-Jahren mit Mark Zuckerberg. Darin soll er angeblich Menschen als «Dumbfucks» beschrieben haben, da sie Facebook blind vertrauen und ihre persönliche Daten abliefern.

Und zum Schluss noch dies: Mark Zuckerbergs letztes Status-Update:

gif: imgur

Zum Glück ist Facebook nur digital! Denn so wäre unser Leben, wenn es Facebook im echten Leben gäbe:

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Brikne, 20.7.2017
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    Alle Leser-Kommentare
  • Gawayn 27.03.2018 07:26
    Highlight FB ist war und wird immer eine Datenschleuder sein.

    Es fängt damit an, das FB im Namen des Users Einladungen an die Kontakte verschickt

    Geht weiter mit "Psychotests" die Daten weitergeben

    Und endet mit ihren Werbungen die FB letztendlich finanzieren....
    11 0 Melden
  • Rossthiof 27.03.2018 03:35
    Highlight „Facebook dementiert und schreibt, das Speichern der Telefon-Verbindungsdaten sei ein Feature.”

    Hah wie geil...
    25 1 Melden
  • Typu 26.03.2018 23:55
    Highlight Könnte böse enden. Immer wenn sich die politik/regierung einschaltet wirds brenzlig bis tödlich. Bin ja gespannt ob sich facebook hier mit einem blauen (haha) auge rausziehen kann.
    Falls das die spitze des eisbergs ist geht fb unter.
    5 2 Melden
  • konstruktor 26.03.2018 23:20
    Highlight OT: Wie kann man ein Watson mit Facebook verlinkten Account entfacebooken? Watson? Bitte um Anleitung für solche wie ich die damals zu bequem waren und sich hier über FB angemeldet haben!
    8 1 Melden
  • Hugo Wottaupott 26.03.2018 20:20
    Highlight Dem Zuckerberg seine grösste Tat war wohl die von Aliens hingebeamte Daten-CD einzulegen! Dito Google.
    6 13 Melden

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