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Der US-Konzern hat aktive Mitglieder verloren in Europa, doch das Geschäft läuft nicht schlecht. Und Mark Zuckerberg hat einen Plan.
30.10.2018, 23:48

Im letzten Quartal sank die Zahl monatlich aktiver Facebook-Mitglieder in Europa von 376 auf 375 Millionen, wie das US-Unternehmen am Dienstag mitteilte. Konzernchef Mark Zuckerberg kündigte «bedeutende Investitionen» für 2019 an.

Schon im Vierteljahr davor hatte Facebook eine Million Nutzer in Europa eingebüsst. Das Unternehmen hatte auch schon davor gewarnt, dass die Regelungen der seit Ende Mai greifenden Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) das Geschäft in Europa erschweren werden.

Facebook wächst in weniger lukrativen Regionen

Weltweit gesehen geht das Wachstum des Online-Netzwerks weiter. Die Zahl monatlich aktiver Facebook-Nutzer legte binnen drei Monaten von 2,23 auf 2,27 Milliarden zu.

Und auch die Werbeeinnahmen wuchsen noch deutlich: Der Quartalsumsatz stieg im Jahresvergleich um rund ein Drittel auf 13,7 Milliarden Dollar. Das ist allerdings das kleinste Plus seit rund sechs Jahren. Der Gewinn kletterte um neun Prozent auf knapp 1.34 Milliarden Dollar.

Doch ein genauerer Blick in die Facebook-Zahlen zeigt, dass das Wachstum vor allem aus Regionen kommt, die für das Online-Netzwerk bisher weniger lukrativ sind.

So viel verdient Facebook pro Nutzer

In den USA und Kanada kommt Facebook nun auf 242 Millionen monatlich aktive Nutzer – eine Million mehr als vor drei Monaten. Es ist der mit Abstand lukrativste Markt für das Online-Netzwerk: Hier machte Facebook im vergangenen Quartal einen Umsatz von 27.61 Dollar pro Nutzer. In Europa sind es 8.82 Dollar pro Nutzer und weltweit 6.09 Dollar.

«Es war ein ziemlich gutes Quartal, obwohl alle mit einem Desaster gerechnet hatten.»

Das sagte Analyst Ivan Feinseth von Finanzdienstleister Tigress Financial Partners. Für den Markt sei die Bilanz eine «Erleichterung», sagte sein Kollege James Cordwell von Atlantic Equities.

Die Facebook-Aktie legte nachbörslich zwei Prozent zu.

Zuckerberg sagt, er wolle 2019 in Sicherheit investieren

Facebook-Chef Mark Zuckerberg kündigte in einer Telefonkonferenz mit Analysten an, dass 2019 «ein weiteres Jahr bedeutender Investitionen» sein werde.

Zugleich dürften die Ausgaben in diesem Jahr um über 50 Prozent steigen und 2019 um weitere 40 bis 50 Prozent. Das sei unter anderem für die Sicherheit und den Kampf gegen Hass und Hetze nötig, sagte Zuckerberg.

Unter anderem stellt Facebook mehr Mitarbeiter für seine Löschzentren ein, die verbotene Inhalte entfernen. Die Zahl der Beschäftigten stieg binnen eines Jahres um 45 Prozent auf gut 33'600. Er verliere aber das Gleichgewicht von Kosten und Einnahmen nicht aus den Augen, versicherte Zuckerberg vor Analysten.

Blick in Facebooks «War Room», in dem in der Firmenzentrale die Vorgänge während Wahlen überwacht werden.
Blick in Facebooks «War Room», in dem in der Firmenzentrale die Vorgänge während Wahlen überwacht werden.
Bild: EPA

YouTube liegt bei Videos vor Facebook

Zuckerberg, der sonst Wettbewerber selten erwähnt, räumte ein, dass Facebook bei Video hinter Googles Plattform YouTube zurückliege. Das Online-Netzwerk habe aber bisher die Zeit, die Nutzer mit dem Ansehen von Videos verbringen können, bewusst reduziert. Facebook stecke in einem Dilemma: «Die Leute wollen sich Videos anschauen», sagte Zuckerberg. Zugleich erwarteten sie von Facebook aber auch soziale Kontakte mit Freunden und Familie. Deswegen habe Facebook die Ausbreitung sogenannter «viraler» Unterhaltungsvideos gebremst.

Dem Werbegeschäft steht ein Umbruch bevor

Dem Werbegeschäft von Facebook steht ein Umbruch bevor, der die jahrelang auf Hochtouren laufende Geldmaschine des Online-Netzwerks abbremsen wird. Die Mitglieder teilten ihre Beiträge verstärkt im kleineren Freundeskreis statt im Newsfeed, der bisher das Herzstück der Facebook-Nutzung war, wie Gründer und Chef Mark Zuckerberg am Dienstag erläuterte.

Facebook muss deswegen sein Geschäft umbauen. Der Newsfeed bietet viel Platz für Anzeigen – und das Online-Netzwerk macht damit Milliardengewinne. Bei Werbung in den neuen Formaten steht Facebook aber erst am Anfang und muss sich unter anderem bei den Anzeigenpreisen noch durchtasten. «Das ist eine Reise, die Jahre und nicht Quartale dauern wird», sagte Finanzchef Dave Wehner.

Zu den neuen Formaten gehören zum Beispiel die sogenannten «Stories», bei denen Nutzer ihre Fotos und Videos typischerweise für einen Tag für ausgewählte Freunde veröffentlichen. «In nicht allzu ferner Zukunft werden die Leute mehr in Stories als in Feeds teilen», prognostizierte Zuckerberg.

Bild: EPA/EPA

Fake News im Fokus

Facebook steht derzeit wegen diverser Skandale unter Druck. im Frühjahr war ans Licht gekommen, dass die Daten von rund 87 Millionen Nutzern bei der britischen Firma Cambridge Analytica gelandet und von ihr unerlaubt für den Wahlkampf des heutigen US-Präsidenten Donald Trump benutzt worden waren.

Der Ruf des Konzerns litt auch infolge des Missbrauchs seiner Plattform durch mutmassliche russische Akteure im US-Wahlkampf 2016. Ende September teilte Facebook dann auch noch mit, dass das Onlinenetzwerk zur Zielscheibe einer grossangelegten Hackerattacke geworden sei. Die Täter erlangten dabei Zugriff auf die Daten von 29 Millionen Nutzern.

Fürs laufende Quartal dürfte es besonders wichtig sein, wie gut Facebook Fake News oder falsche Konten – auch im Zusammenhang mit den US-Kongresswahlen – aufspürt. Zuckerberg versprach, Facebook werde beim Thema Sicherheit Ende 2019 da sein, wo es sein müsse.

Zuletzt sorgte ein Hacker-Angriff, von dem rund 30 Millionen Nutzer betroffen waren, für neue Negativ-Schlagzeilen. Diese Turbulenzen scheinen das Geschäft des Online-Netzwerks jedoch bisher kaum beeinflusst zu haben.

(dsc/sda/dpa/afp/reu)

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