DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Axel Voss, Member of the European Parliament and rapporteur of the copyright bill, stands at the European Parliament in Strasbourg, France, Tuesday March 26, 2019. The European Parliament is furiously debating the pros and cons of a landmark copyright bill one last time before the legislature will vote on it later. (AP Photo/Jean-Francois Badias)

CDU-Mann Axel Voss freut sich über die Annahme EU-Urheberrechtsreform. Bild: AP/AP

Abgeordnete drückten bei Abstimmung über Artikel 13 angeblich den falschen Knopf

Bei der finalen Abstimmung zur EU-Urheberrechtsreform in Strassburg haben mehrere Abgeordnete offenbar anders abgestimmt, als sie vorhatten. Die Schweden-Partei findet dafür eine kuriose Erklärung.



Ein Artikel von

T-Online

Am Dienstag hat das EU-Parlament der umstrittenen Urheberrechtsreform ohne Änderungen zugestimmt. Im Nachhinein stellt sich heraus: Das Ergebnis hätte auch anders ausfallen können. Denn eine Mehrheit der Abgeordneten wollte kurzfristige Änderungsanträge, die im Plenum abgeschmettert worden waren, nach eigenen Angaben eigentlich zulassen.

Das zumindest legt die Dokumentation des Europaparlaments zur Abstimmung nahe. Demnach liessen zehn Parlamentarier ihre Stimme nachträglich korrigieren und von einer Ablehnung in eine Zustimmung ändern. Hätten sie auch im Plenum entsprechend abgestimmt, wären kurzfristige Änderungen an der Vorlage zumindest in Betracht gezogen worden. Die entsprechenden Anträge wurden nämlich nur mit einer  knappen Mehrheit von fünf Stimmen abgeblockt. 

Falschen Knopf gedrückt

Mehrere Abgeordnete der populistischen Schweden-Partei begründeten ihren Sinneswandel damit, dass sie versehentlich den falschen Knopf gedrückt hätten. «Wir hatten heute zur Urheberrechtsrichtlinie drei Stimmen per Knopfdruck abzugeben. Bei einer Abstimmung haben wir den falschen Knopf gedrückt und zwar als es um die Reihenfolge ging, in der wir abstimmen würden», liess sich die Partei im Nachgang zitieren. Ohne dieses Missgeschick hätte man über eine Streichung von Artikel 13 abstimmen können, so wie es beabsichtigt gewesen sei. 

In der Dokumentation zur Abstimmung ist nun ein anderes Ergebnis festgehalten, als im Plenum festgestellt wurde – und zwar, dass sich 322 Abgeordnete für Änderungen stark gemacht und 317 dagegen gestimmt hätten. Trotzdem bleibt es bei dem Abstimmungsergebnis vom Dienstag. Die Reform gilt als komplett angenommen. 

Reform wäre verzögert worden

Das ist besonders bitter für Abgeordnete wie Tiemo Wölken (SPD), der eine Streichung des umstrittenen Artikel 13 beantragt hatte. Dieser betrifft die Uploadfilter-Regeln für Plattformbetreiber. Auch bezüglich des Leistungsschutzrechts (Artikel 11) gab es Änderungsanträge, die nie zur Abstimmung kamen. 

Hätte das Parlament Änderungen an der Vorlage vorgenommen, hätte das weitreichende Konsequenzen gehabt und die Reform deutlich verzögert. Wahrscheinlich hätte die Direktive nach der Europawahl neu verhandelt werden müssen. Die Befürworter der Reform wollten das unbedingt verhindern. 

Zu den Abgeordneten, die ihre Stimme nachträglich ändern liessen, zählen auch die deutschen EU-Politiker Thomas Mann (CDU) und Josef Leinen (SPD). Mann veröffentlichte auf Facebook einen entsprechenden Nachweis. 

Unklar blieb zunächst, wie es zu dem Missverständnis oder plötzlichen Sinneswandel unter so vielen Abgeordneten kommen konnte. Die deutsche EU-Politikerin Julia Reda (Piratenpartei) äusserte auf Twitter Zweifel, dass sich die betroffenen Abgeordneten «vertan» hätten. Sie «vermute eher, dass einige nicht die Verantwortung für das Ergebnis ihres Handelns tragen wollen.» Die Politiker könnten in Zukunft mit Verweis auf das Abstimmungsprotokoll behaupten, dass sie ja versucht hätten, Teile der Reform abzuwenden. 

Allerdings gibt es auch Hinweise darauf, dass einige Abgeordnete tatsächlich nicht wussten, worüber sie gerade abstimmten. So soll der EU-Präsident Antonio Tajani gemerkt haben, dass einige Parlamentarier verwirrt waren und durch Äusserungen wie «Ich hoffe, es ist klar, worüber wir gerade abstimmen» darauf eingegangen sein. (t-online.de)

Mehr zu Artikel 13:

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Zehntausende demonstrieren gegen EU-Uploadfilter

Die besten Memes der UK-Wahlen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Nervosität ist gross: Handelskammern schreiben Bundesrat Brief fürs Rahmenabkommen

Vier Tage vor der Brüssel-Reise des Bundespräsidenten macht die Wirtschaft Druck: 17 von 18 kantonalen Handelskammern schrieben dem Bundesrat einen Brief. Sie fordern, die Klärungen rasch abzuschliessen.

«Wir rufen den Bundesrat dazu auf, die Klärungen mit der Europäischen Union rund um das institutionelle Rahmenabkommen rasch abzuschliessen und das Abkommen dem Parlament vorzulegen», schreiben die 17 Handelskammern in ihrem gemeinsamen Brief an den Gesamtbundesrat, der vom Montag datiert.

Parallel dazu fordern die 17 Handelskammern, der Bundesrat müsse «so schnell wie möglich Wege aufzeigen, wie die bestehenden Marktzugangsabkommen gesichert werden», falls das Rahmenabkommen scheitere.

Das …

Artikel lesen
Link zum Artikel