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VISUALISIERUNG - UNDATIERTES HANDOUT - Visualisierung des Swisscom Breitband-Netz in Arnex-sur-Orbe im Kanton Waadt. Mit ihrem Netz verbindet Swisscom die ganze Schweiz. Bis heute wurden bereits 3 Millionen Wohnungen und Geschaefte mit Ultrabreitband erschlossen. (PHOTOPRESS/Swisscom)

Visualisierung des Swisscom Breitband-Netz in Arnex-sur-Orbe im Kanton Waadt. Bild: PHOTOPRESS

Swisscom kündigt Glasfaseranschluss für 1,5 Millionen Haushalte an – das steckt dahinter



Was ist passiert?

Angesichts des explodierenden Datenverkehrs und der aufrüstenden Konkurrenz baut die Swisscom ihr Glasfasernetz in den kommenden Jahren massiv aus. Bis Ende 2025 sollen 1.5 Millionen weitere Haushalte und Geschäfte an die ultraschnelle «Datenautobahn» direkt angeschlossen werden.

Somit solle die Abdeckung mit Glasfasern bis in Wohnungen und Geschäfte (im Fachjargon FTTH genannt) gegenüber heute verdoppelt werden. Der Ausbau finde nicht nur in den Städten, sondern auch in ländlichen Gebieten statt.

Darüber informierte der grösste Schweizer Mobilfunk- und Internet-Provider am Rande einer Medienkonferenz.

Wo werden die schnellen Leitungen verlegt?

Wo genau gebaut werde, sei noch offen, sagte IT-, Netz- und Infrastrukturchef Christoph Aeschlimann am Donnerstag am Rande der Bilanzmedienkonferenz im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AWP. «Wir haben keine starren Ausbaupläne.»

Der Ausbau finde in der ganzen Schweiz statt, entweder alleine oder zusammen mit Partnern wie etwa Elektrizitätswerken, lokalen Kabelnetzbetreibern oder Gemeinden. Wie viel die Swisscom alleine baue, schaue man sich noch an.

Diese online verfügbare Karte zeigt den Ausbaustand in jeder Gemeinde der Schweiz:

Bild

screenshot: swisscom.ch

Wie erhöht Swisscom die Surfgeschwindigkeit?

Im Geschwindigkeitsrennen auf dem Festnetz-Internet drückt jetzt auch die Swisscom aufs Gas. Der «blaue Riese» erhöht die maximale Surfgeschwindigkeit auf dem Glasfasernetz:

Bis Ende 2025 sollen so 50 bis 60 Prozent aller Haushalte und Geschäfte eine Surfgeschwindigkeit von bis zu 10 Gigabit pro Sekunde (Gbit/s) erhalten.

Davon würden die Kunden sukzessive ab März profitieren, hiess es am Donnerstag vor den Medien in Zürich. Bisher hatte das höchste Tempo bei 1 Gbit/s gelegen.

Es gibt ein grosses Aber: In den Genuss der neuen Spitzengeschwindigkeit von 10 Gbit/s kämen allerdings nur jene Kunden mit einem Abo L, das heute schon das Maximaltempo biete, erklärte Privatkundenchef Dirk Wierzbitzki. Diese Kunden müssten nicht mehr bezahlen: «Der Preis bleibt gleich, die Geschwindigkeit verzehnfacht sich.»

Neue Internetbox mit WiFi-6 erforderlich

Von den 2 Millionen Breitbandanschlüssen in der Schweiz haben laut Swisscom nur 60'000 auf dem Glasfasernetz die Höchstgeschwindigkeit von 1 Gbit/s abonniert. Dabei decken die Glasfasern ein Drittel aller Haushalte in der Schweiz ab. «Das heisst, dass nicht alle, die im superschnellen Glasfasernetz sind, den höchsten Speed nutzen», sagte der Swisscom-Manager Dirk Wierzbitzki.

Für die Temposteigerung brauche es Änderungen bei der Hardware und Software in den Telefonzentralen. Wie hoch die Kosten dafür seien, wollte Swisscom-Chef Urs Schaeppi im Gespräch nicht beziffern.

Auch zu Hause brauchen die Kunden eine neue Internetbox. Diese bietet zusätzlich noch den neuesten Wifi-6-Standard, der erst vor zwei Monaten verabschiedet wurde. Damit verdoppelt sich auch die Geschwindigkeit beim drahtlos Surfen. Die Swisscom spricht von einer WLAN-Geschwindigkeit von bis zu 4,8 Gbit/s.

Warum tut die Swisscom das?

Damit reagiert die Swisscom auf die Konkurrenz, wo Salt als erste Anbieterin in der Schweiz bereits im März 2018 das Spitzentempo von 10 Gbit/s auf Glasfasern eingeführt hatte. Im vergangenen Herbst haben die Kabelnetzbetreiber UPC und Quickline den Speed auf 1 Gbit/s erhöht.

Hiermit kann das veraltete Kupfernetz der Swisscom nicht mehr mithalten, das derzeit noch den Löwenanteil aller Anschlüsse ausmacht. Dieses bietet den Privatkunden derzeit eine Höchstgeschwindigkeit von 200 Megabit pro Sekunde.

Was ist mit Kupferleitungen, die nicht ersetzt werden?

Auch den alten Kupferleitungen will die Swisscom mehr Speed einhauchen. Das bestehende Festnetz mit Glasfasern bis zum Strassenschacht vor den Häusern oder bis in die Gebäude (im Fachjargon FTTS und FTTB genannt) werde modernisiert durch den Austausch der technischen Geräte, erklärte Aeschlimann. Damit erhielten bis Ende 2025 zusätzlich 30 bis 40 Prozent der Haushalte und Geschäfte Bandbreiten von 300 bis 500 Mbit/s.

Die restlichen Haushalte in abgelegenen Gebieten, wo es sich nicht lohnen würde, Glasfaserleitungen zu legen, will die Swisscom mit einer Kombination von Festnetz und Mobilfunktechnologien anschliessen.

Was kostet das?

Der Ausbau des kabelgebundenen Datennetzes geht ins Geld: In den nächsten Jahren will die Swisscom rund 550 Millionen Franken pro Jahr in den Glasfaserausbau stecken. Das sind gut 100 Millionen Franken mehr als noch 2017.

Was ist mit dem 5G-Netzausbau?

Auch für den Ausbau des Mobilfunknetzes auf die neue Technologie 5G will das Unternehmen mehr ausgeben. In den nächsten paar Jahren sollen die Investitionen dafür 270 Millionen Franken jährlich betragen, wie Finanzchef Mario Rossi erklärte. Wenn der Ausbau erledigt sei, würden sie wieder auf rund 220 Millionen Franken jährlich sinken.

Dennoch will der «blaue Riese» die Gesamtinvestitionen bei rund 1.6 Milliarden stabil halten. Dies könne man erreichen, indem weniger für IT-Systeme ausgegeben werde. Die Umstellung auf die digitale Telefonie über die Internettechnologie (All-IP) sei beinahe vollständig abgeschlossen.

Im laufenden Jahr werde die analoge Telefonietechnik endgültig abgestellt. Dadurch brauche man weniger Strom, Unterhalt und auch Gebäude, sagte Konzernchef Urs Schaeppi im Gespräch. Zudem müssten weniger Techniker ausrücken.

Wie stark hat der Datenverkehr zugenommen?

Das Argumentationsmuster der Swisscom-Führung ist klar: Der Ausbau von Netzen – ob mobil mit 5G oder per Glasfaser – sei die Grundlage von Innovationen. Denn sonst drohten Engpässe, wenn immer mehr Datenverkehr herrscht.

Seit 2010 habe sich das Datenvolumen im Mobilfunk vertausendfacht und im Festnetz verzehnfacht. «Deshalb müssen wir die Netze ausbauen. Wenn man das nicht macht, kommt es zu Datenstau», sagte Schaeppi vor den Medien.

Erneut forderte der Swisscom-Chef die Unterstützung von Politik und Behörden angesichts des Widerstands gegen 5G und appellierte für eine Versachlichung der emotionalen Diskussion. Die Blockade von sehr vielen Baugesuchen zur Aufrüstung von Handyantennen betreffe nicht nur die neue Generation 5G, sondern auch die bisherige Technik 4G.

Wie läufts Swisscom wirtschaftlich?

Im vergangenen Jahr hat die Swisscom trotz weniger Umsatz mehr verdient. Der Umsatz sank wegen des Preis- und Wettbewerbdrucks um 2.2 Prozent auf 11.45 Milliarden Franken. Der Betriebsgewinn vor Abschreibungen und Amortisationen (EBITDA) stieg indes dank Sondereffekten um 3.4 Prozent auf 4.36 Milliarden Franken.

Unter dem Strich fuhr die Swisscom einen Reingewinn von 1.67 Milliarden Franken ein. Der satter Anstieg um fast 10 Prozent im Vergleich zum Vorjahr ist der im Mai angenommenen Unternehmenssteuerreform zu verdanken.

(dsc/sda/awp)

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