bedeckt
DE | FR
217
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Digital
Wissen

VW-Chef erklärt, warum Wasserstoffautos keine Chance gegen E-Autos haben

In this photo taken Monday, Nov. 17, 2014, a fuel cell charge station worker demonstrates how to charge hydrogen to a Toyota Motor Corp.'s new fuel cell vehicle Mirai at a charge station near Toyota's ...
Mit Wasserstoff betankte Autos: Der Durchbruch lässt noch lange auf sich warten.Bild: AP/AP

VW-Chef erklärt in 2 Minuten, warum Wasserstoff-Autos keine Chance gegen E-Autos haben

29.07.2021, 20:2431.07.2021, 06:17

Wer tritt das Erbe der klimaschädlichen Benzin- und Dieselautos an? Elektroautos mit Akkus oder Autos mit Brennstoffzellen, die mit Wasserstoff betrieben werden? Diese Frage bewegte gestern auch die Studiogäste der deutschen Talkshow «Markus Lanz». Und wie so oft wurde der an sich saubere, aber mit anderen Nachteilen behaftete Wasserstoff-Antrieb als Wundermittel angepriesen.

Dann bekam VW-Chef Herbert Diess, selbst als Elektroturbo bekannt, das Wort und erklärte in 120 Sekunden, warum Wasserstoff für Personenwagen auf absehbare Zeit die falsche Wahl ist.

Wasserstoff und synthetische Kraftstoffe machen für Diess im Schiff- und Flugverkehr Sinn, nicht aber in Personenwagen.

Seine Begründung:

«Weil es einfach zu teuer ist. Und es bleibt zu teuer. Es funktioniert nur, wenn wir die Energie CO2-frei herstellen, also keine fossilen Kraftstoffe verwenden. Das heisst, wir brauchen Sonne oder Wind. Das Problem bei Brennstoffzellen ist, dass man den grünen Strom in Wasserstoff umwandeln muss, ins Auto transportiert und dann dort verbrennt. Dabei gehen 70 Prozent verloren. Das heisst, sie brauchen gegenüber dem Elektroauto drei Mal so viel Kapazität für grüne Energie, also drei Mal so viele Windräder oder Sonnenkollektoren. Das heisst, das Brennstoffzellen-Fahrzeug fährt drei Mal so teuer, nicht 30 Prozent teurer, sondern drei Mal so teuer. Das kann man nicht subventionieren, das wird auch kein Kunde bezahlen, weil der Vorteil dann auch sehr gering ist. Man braucht ja zusätzlich auch ein Tankstellennetz und das Wasserstofffahrzeug bietet auch nicht mehr Platz als ein E-Auto.»
VW-Chef Herbert Diess

Was Diess sagt, in zwei Grafiken zusammengefasst

Mit der gleichen Menge Energie fährt ein E-Auto viel weiter als ein Brennstoffzellen- (Wasserstoff) oder Verbrenner-Auto mit synthetischem Kraftstoff.
Mit der gleichen Menge Energie fährt ein E-Auto viel weiter als ein Brennstoffzellen- (Wasserstoff) oder Verbrenner-Auto mit synthetischem Kraftstoff.
Bild

Das Problem: Sauber wäre der Wasserstoff-Antrieb gewiss (sofern seine Energie auch sauber gewonnen würde). Aber effizient ist er nicht. Zunächst wird mit viel Energie der Wasserstoff erzeugt, aus dem im Auto wieder Strom entsteht. Bei jedem dieser Schritte gibt es hohe Effizienzverluste. Wasserstoff in Personenwagen scheitert laut Diess daher an der Effizienz, den Kosten und der Infrastruktur (fehlende Wasserstoff-Tankstellen).

Kommt hinzu: Akkus in E-Autos werden laufend günstiger, leistungsfähiger und vor allem ökologischer, da für die Herstellung weniger Rohstoffe gebraucht werden, der Akku nach der Zeit im Auto noch viele Jahre als stationärer Stromspeicher in Gebäuden für zum Beispiel Photovoltaikanlagen genutzt werden kann und die Recyclingquote laufend steigt. «Wir wissen schon heute, dass wir 99 Prozent der Lithium-Batterien recyceln können», sagte Diess. Anfangs brauche es grosse Investitionen und viele Rohstoffe, um die Akkukapazitäten aufzubauen, danach blieben die Rohstoffe aber in einem nachhaltigen Kreislauf, so Diess.

Die Wissenschaft gibt Diess Recht

Gleich mehrere wissenschaftliche Studien kamen zuletzt zum Schluss, dass Brennstoffzellen oder synthetische Kraftstoffe in nächster Zeit aus Kosten- und Effizienzgründen keine Alternative sind, um den Klimawandel einzudämmen. Ein Team aus Forschern aus der Schweiz, Deutschland und Österreich unter Leitung des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) kam im Mai 2021 zum Schluss, dass Kraftstoffe aus Wasserstoff auf diejenigen Anwendungen beschränkt werden sollten, die kaum elektrifizierbar sind. «Das grösste Potential bergen in der Schweiz sicherlich Langstreckenflüge», sagte Mitautor Christian Bauer vom Paul Scherrer Institut (PSI) damals im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Denn dort gebe es fast keine Alternative für CO2-freie Treibstoffe.

Für Autos oder Gebäudeheizungen seien Wasserstoff und darauf basierende Brennstoffe hingegen zu ineffizient, zu teuer und die Verfügbarkeit zu unsicher. Hier sei es vielversprechender, auf Wärmepumpen und Elektroautos zu setzen, die mit erneuerbarem Strom angetrieben würden, so der Umweltwissenschaftler und auf Ökobilanzen spezialisierte Forscher.

Bei einer ausschliesslich sauberen Herstellung von Wasserstoff sind die Kosten aktuell und auch in nächster Zeit zu hoch. Technologischer Fortschritt könnte Wasserstoff dereinst auch für Personenwagen zur Option werden lassen, davon sind wir aber weit entfernt. Anders gesagt: Eine effiziente Wasserstoff-Lösung kommt für den Klimaschutz viel zu spät.

Das E-Auto hat sich durchgesetzt

Abgesehen von Toyota haben sich alle grossen Autobauer auf das E-Auto festgelegt. VW gehört unter den klassischen Autobauern zu den E-Auto-Vorreitern und dominiert zusammen mit Tesla und GM den weltweiten E-Auto-Markt. In Europa ist VW im E-Auto-Segment Marktführer.

In den letzten Wochen und Monaten haben Daimler, Renault, Ford, Volvo, Opel und viele andere verkündet, dass sie voll auf das E-Auto setzen werden. Einige Hersteller wie BMW und Hyundai halten sich die Türe für alternative Antriebe noch offen, setzen aber ebenfalls verstärkt auf Elektroautos.

(oli)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Sind bald alle Energieprobleme gelöst?

1 / 9
Sind bald alle Energieprobleme gelöst?
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

In vier Stunden um die halbe Welt: Das steckt dahinter

Video: other_external

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

217 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
rockyM
29.07.2021 20:44registriert Februar 2016
Danke für diese Klarstellung. Ist längst überfällig. Bezweifle aber, das die Üblichen „die Zukunft im PKW ist Wasserstoff“ Kommentare damit enden.
21724
Melden
Zum Kommentar
avatar
amore
29.07.2021 21:12registriert Februar 2014
Wer bringt das den SVP-Leuten bei, die lautstark auf Wasserstoff setzen?
18826
Melden
Zum Kommentar
avatar
Geni-Ju:dzi:n
29.07.2021 20:48registriert März 2021
Klare Aussagen, unterstütze ich voll👍.
Seit Dez. mit eAuto unterwegs, einfach nur genial, nie wieder zurück zum ineffizenten Verbrenner.
15730
Melden
Zum Kommentar
217
Feier dieser englischen Fans in Katar nimmt eine unerwartete Wendung

Sie waren auf der Suche nach Bier – und landeten schliesslich in einem Palast, wo sie mit einem vierjährigen Löwenbaby spielen durften. Die Geschichte dieser England-Fans, die eine Partynacht in Katar verbracht haben, klingt zu verrückt, um sie zu glauben. Aber sie haben sie mit einem Videobeweis untermauert:

Zur Story