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Absprache der AfD-Spitze: Weidel soll Kanzlerkandidatin sein

Absprache der AfD-Spitze: Weidel soll Kanzlerkandidatin sein

27.09.2024, 16:5327.09.2024, 17:49
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AfD-Chefin Alice Weidel soll Kanzlerkandidatin ihrer Partei werden. Eine entsprechende Absprache von Weidel mit ihrem Co-Vorsitzenden Tino Chrupalla wurde am Freitag von der Partei bestätigt. Zuvor hatte das Redaktionsnetzwerk Deutschland berichtet.

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Tino Chrupalla und Alice Weidel bei einer Pressekonferenz der AfD.Bild: keystone

In einer Mitteilung der Partei hiess es, die beiden Co-Vorsitzenden hätten sich am Mittwoch zur Frage der Kanzlerkandidatur 2025 ausgetauscht. Sie seien übereingekommen, dass Chrupalla dem Bundesvorstand der AfD Anfang Dezember Weidel als Kanzlerkandidatin vorschlagen werde. Vor der offiziellen Nominierung müssten noch die Parteigremien zustimmen.

Landeschef begrüsst «gute Entscheidung»

Der bayerische Landesvorsitzende Stephan Protschka sagte der dpa: «Das ist eine gute Entscheidung. Mit unserer Kanzlerkandidatin Alice Weidel werden wir (dem Kanzlerkandidaten der Union) Friedrich Merz und der CDU/CSU auf die Pelle rücken.» Nach Angaben aus Parteikreisen wurden mehrere Landessprecher der AfD am Freitag telefonisch von Chrupalla informiert. Er erwarte «ein spannendes Duell» zwischen Weidel und Merz sagte der Co-Vorsitzende des baden-württembergischen AfD-Landesverbandes, Markus Frohnmaier.

Es ist das erste Mal, dass die AfD eine Kanzlerkandidatin nominiert. Vor der Bundestagswahl 2021 hatten die AfD-Mitglieder Weidel und Chrupalla zum «Spitzenduo» gewählt, ohne einen von beiden als Kanzlerkandidaten oder Kanzlerkandidatin zu benennen. Die Partei erreichte einen Stimmenanteil von 10,4 Prozent. Derzeit kommt sie in Umfragen auf 17 bis 18 Prozent. Die nächste Bundestagswahl steht regulär im Herbst 2025 an.

Politisch waren bislang keine Meinungsverschiedenheiten zwischen Weidel und Chrupalla wahrnehmbar. Beide haben keine Berührungsängste mit der Rechtsaussen-Strömung der AfD, der sie aber nicht direkt zugerechnet werden. Über Weidel heisst es in der Partei, sie sei besonders redegewandt.

Chrupalla hatte schon Andeutungen gemacht

Dass es erstmals eine Kanzlerkandidatur geben würde, hatte Chrupalla schon im Sommer betont. Damals liess er in einem ARD-Interview auch bereits erkennen, dass er Weidel den Vortritt lassen würde. «Alice Weidel wäre eine sehr gute Kanzlerkandidatin, was ich auch unterstützen würde», sagte Chrupalla damals. Er greife damit aber keinen Entscheidungen vor. «Am Ende entscheidet das ein Parteitag oder die Basis in unserer Partei», betonte Chrupalla damals.

Der Bundestagsabgeordnete Stephan Brandner wies darauf hin, dass es sich vorerst nur um eine Absprache von Weidel und Chrupalla handele. Diese müsse nun durch die Gremien der Partei bestätigt werden. In der Erklärung der Bundespartei hiess es: «Am 07. Dezember werden weiterführend die Landessprecher und Anfang 2025 der Konvent der Partei in den Entscheidungsprozess einbezogen. Ziel ist es, dem Bundesparteitag diesen Vorschlag im April 2025 geschlossen zur Abstimmung vorzulegen.»

Gemeinsam an der Spitze

Chrupalla und Weidel waren Ende Juni von einem Bundesparteitag für zwei weitere Jahre als Führungsspitze wiedergewählt worden. Für Chrupalla sprachen sich nach Zählung der AfD knapp 83 Prozent aus, Weidel holte knapp 80 Prozent Ja-Stimmen. Bei der AfD werden Enthaltungen nicht mitgezählt.

Dass die Partei eine Kanzlerkandidatin oder einen Kanzlerkandidaten aufstellen würde, war für Chrupalla längst klar. «Denn ich denke, das erwarten auch die Wähler», sagte er in der ARD. Die AfD müsse bei der Wahl einen «Frontalangriff» auf die Bundesregierung führen. Und schon da sagte er: «Sie können davon ausgehen, dass es da keinen Machtkampf gibt und auch keinen Streit gibt.» (hkl/sda/dpa)

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63 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Minotauro
27.09.2024 18:35registriert August 2022
Was ich mich immer frage, wieso Weidel in der AFD einen so grossen Rückhalt geniesst. In der Schweiz leben passt nicht zur nationalistischen Haltung der AFD und eine gleichgeschlechtliche Beziehung ist nicht sehr konservativ.
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faebu11
27.09.2024 18:24registriert Oktober 2021
Ich bin ja fast versucht zu sagen: lass sie mal ran.
Aber wenn ich es mir recht überlege: diesen Leuten ist alles zuzutrauen. Darum würde ich auf das Experiment doch lieber verzichten.
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Symphonica
27.09.2024 18:19registriert August 2020
Wenn sie gewählt wird, bleibt sie dann nur in Deutschland und nimmt ihre Familie gleich mit? Ich würde es mir wünschen 🙏🙏
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