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Afghanistan

«Tugend»-Gesetz in Afghanistan: Taliban verschärfen Kontrolle der Frauen

epaselect epa11560355 Burqa-clad Afghan women walk on a road in Kandahar, Afghanistan, 22 August 2024. The Taliban in Afghanistan have enforced new laws mandating that women must cover their bodies an ...
Trotz anderweitiger Versprechungen haben die Taliban seit ihrer Machtübernahme 2021 die Rechte von Frauen in Afghanistan stark beschnitten.Bild: keystone

Taliban führen neues «Tugend»-Gesetz ein – Frauen sollen öffentlich «unsichtbar» werden

Die Taliban haben ein neues «Laster-und-Tugend»-Gesetz eingeführt. Unter den neuen Regeln dürfen Frauen auf der Strasse nicht mehr laut sein und keine Haut zeigen, auch das Zeigen des Gesichtes ist verboten. Für Männer gibt es neue Bartregeln.
23.08.2024, 11:5023.08.2024, 13:48
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Was vorher nur informelle religiöse Vorgaben waren, wird jetzt Gesetz im Islamischen Emirat von Afghanistan. Wie das afghanische Justizministerium am 21. August bekanntgab, hat der oberste Taliban-Führer Hibatullah Akhundzada das Gesetz zur Sicherung der «Tugend» genehmigt.

Damit werden die Rechte von Frauen, trotz alternativer Versprechungen gegenüber der UN, nun extrem beschränkt. Auch Männer müssen sich an neue Gesetze halten. Das Einhalten der Gesetze wird durch die Sittenpolizei durchgesetzt.

Muslimische Frauen sind nun gesetzlich dazu verpflichtet, ihr Gesicht und ihren Körper in Anwesenheit von Männern, die keine «Mahram» sind, und nicht-muslimischen Frauen zu bedecken. «Mahram» bezeichnet meist Männer der eigenen Familie, also Brüder, Väter, Söhne, Grossväter, Onkel, der Vater oder der Ehemann.

Auch wenn eine Frau das Haus verlässt, hat sie sich an strenge Regeln zu halten, so sagt das Gesetz:

«Wenn eine reife Frau ihr Haus aus einer Notlage heraus verlassen muss, ist sie verpflichtet, ihr Gesicht und ihren Körper zu verhüllen und dafür zu sorgen, dass ihre Stimme nicht gehört wird.»

Auch das Benützen eines Transportmittels ist nur in Begleitung einer «Mahrams» erlaubt. Für Fahrzeuglenker gelten auch strikte Regeln. So darf man keine Musik hören, keine Drogen nehmen und keine unbedeckten Frauen transportieren.

Bartregel wurde bereits informell umgesetzt

Für Männer gelten neu Gesetze, die die Länge der Bärte und Hosen regelt. So darf der Bart nicht zu kurz gestutzt werden.

Das Gleiche gilt für kurze Hosen. Diese müssen mindestens bis über die Knie gehen.

Bei den Sicherheitskräften wurde die Bartregel schon länger angewendet. So erklärte ein Direktor in einer Pressekonferenz, dass in den vergangenen 12 Monaten bereits 281 Männer aus den Sicherheitskräften entlassen wurden, weil sie keinen ausreichenden Bartwuchs gehabt hätten.

Zusätzliche Regeln des «Laster-und-Tugend»-Gesetz, beinhalten die Verbote von Homosexualität, Glücksspiel, Ehebruch und Ungehorsam gegenüber Eltern. Auch das Kämpfen mit Tieren sowie das Erstellen und Betrachten von Bildern mit lebenden Wesen ist per Gesetz verboten.

Das Gesetz sieht für Verstösse ein gestaffeltes Strafsystem vor, das von mündlichen Verwarnungen und Drohungen über Geldstrafen bis hin zu Arrestzeiten von einer Stunde bis zu drei Tagen reicht, sowie weiteren von der Sittenpolizei auferlegten Strafen. (ear)

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186 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Phi
23.08.2024 12:34registriert April 2020
Willkommen im Mittelalter. Wenn das Volk sich aber nicht dagegen wehrt bleibt es wie es ist. Für uns ist deshalb wichtig, dass wir solchen Tendenzen bei uns keine Toleranz entgegenbringen.
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Nichtmehr Wähler
23.08.2024 12:41registriert Mai 2023
Zurück ins Mittelalter unter dem Religionsdeckmäntelchen 🤷‍♂️
Vorgeschriebene Bartlänge, unglaublich 😳🤨
Wer jemals geglaubt hat es würde sich was ändern wird jetzt hoffentlich begreifen was Sache ist…
Mal abwarten aber ich glaube der ReligionsTerror wird in solchen Ländern nie aufhören.
Bei uns in Westeuropa wird ja auch schon das Kalifat gefordert! Was solche Leute noch bei uns zu suchen haben erschliesst sich mir nicht 🤷‍♂️🤷‍♂️
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FrancoL
23.08.2024 13:30registriert November 2015
Wie krank ist den das? wie krank sind die allermeisten dieser Regeln? wie krank sind Menschen, die sich so etwas ausdenken und auch umsetzen wollen?
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