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Damit sie auf keinen Fall verwendet werden: Bulldozer vernichtet Impfstoffe von AstraZeneca.
Damit sie auf keinen Fall verwendet werden: Bulldozer vernichtet Impfstoffe von AstraZeneca.Bild: keystone

Nigeria muss 1 Million Impfdosen zerstören – das steckt dahinter

Über eine Million Dosen des AstraZeneca-Vakzins landeten gestern auf einer Müllhalde der nigerianischen Hauptstadt Abuja. Verantwortlich dafür sind zwei Gründe: Impfskepsis und verspätete Impfspenden.
23.12.2021, 10:1023.12.2021, 14:49

In Nigeria wurden gestern eine Million AstraZeneca-Dosen vernichtet. Das, obwohl im bevölkerungsreichsten Land Afrikas weniger als 3 Prozent der 220 Millionen Einwohner geimpft sind. Der Grund für die Zerstörung: Die Impfdosen haben das Ablaufdatum überschritten.

Ungenutzte Impfdosen am Boden der Mülldeponie in Abuja, Nigeria.
Ungenutzte Impfdosen am Boden der Mülldeponie in Abuja, Nigeria.Bild: keystone

Die Dosen waren als Spende über die COVAX-Initiative nach Nigeria gelangt. Die COVAX-Initiative, die einen weltweit gleichmässigen und gerechten Zugang zu COVID-19-Impfstoffen gewährleisten soll, läuft aber bisher nicht wunschgemäss. Es werden zu wenige Impfdosen für bedürftige Länder gespendet.

Aus diesem Grund sahen sich die nigerianischen Behörden gezwungen, eine Lieferung von AstraZeneca-Impfdosen anzunehmen, obwohl diese kurz vor ihrem Ablaufdatum standen. Reiche Länder hätten die Impfstoffe gehortet und erst kurz vor Ablauf der Haltbarkeit zur Spende angeboten, kritisiert Faisal Shuaib, der Leiter der für Immunisierungsprogramme zuständigen nationalen Behörde.

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Die Vakzine von Pfizer als auch AstraZeneca haben eine Haltbarkeit von 6 Monaten, während sie bei jenen von Moderna bei 7 und bei denen von Johnson & Johnson bei 24 Monaten liegt.

Noch wenige Wochen haltbar

«Nach der Zeit für den Transport, die Reinigung, die Verteilung und die Auslieferung an die Nutzer, blieb uns nur sehr wenig Zeit – teilweise nur Wochen – um sie zu verwenden», beklagt sich Nigerias Gesundheitsminister Osagie Ehanire. Als Konsequenz würden sie von nun an alle Impfspenden mit kurzer Haltbarkeit höflich ablehnen.

Der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist das Problem der kurzen Haltbarkeit bekannt, weshalb sie in einem Statement von Ende November die Spender-Nationen dazu aufruft, Rücksicht darauf zu nehmen:

«Die Länder brauchen eine vorhersehbare und zuverlässige Versorgung. Das Aufnehmen und die kurzfristige Planung von Dosen mit kurzer Haltbarkeit, vergrössert die logistische Belastung der ohnehin schon überlasteten Gesundheitssysteme exponentiell».

Gemäss angepasster Regelungen, die ab dem 1. Januar 2022 gelten, sollen daher nur noch Dosen mit einer Haltbarkeit von mindestens 10 Wochen gespendet werden.

WHO kritisiert Auffrischimpfungen wegen fehlender Spenden
Reiche Länder sind mit ihren Auffrischimpfungen für alle nach Überzeugung der Weltgesundheitsorganisation wahrscheinlich für eine Verlängerung der Corona-Pandemie verantwortlich. Wären die dafür verwendeten Impfdosen an Gesundheitspersonal und gefährdete Menschen in ärmeren Ländern gegangen, hätten schon im September 40 Prozent der Menschen in allen Ländern geimpft werden können. Die WHO geht davon aus, dass bei einer globalen Impfrate von 40 Prozent in jedem Land die akute Phase der Pandemie beendet wäre. Stattdessen verpassten mehr als die Hälfte der WHO-Mitglieder das 40-Prozent-Ziel auch bis Ende des Jahres, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus am Mittwoch in Genf.

«Flächendeckende Auffrischungsprogramme werden die Pandemie wahrscheinlich verlängern, anstatt sie zu beenden», sagte Tedros. Das liege daran, dass Impfdosen in Länder geliefert würden, die bereits eine hohe Durchimpfungsrate haben. Diese Impfdosen fehlten in ärmeren Ländern. Das gebe dem Virus die Gelegenheit, sich in unterversorgten Gegenden auszubreiten und dort neue Varianten zu bilden. (sda/dpa)

Neben der kurzen Haltbarkeit der Impfdosen stellt die grosse Impfskepsis im Land ein weiteres Problem dar. Das Vertrauen in die Sicherheit der Impfung ist tief. Grund dafür sind Falschinformationen und Verschwörungstheorien, die in den sozialen Medien kursieren.

«Es zirkulieren so viel Fehlinformationen, die Panik auslösen. Wir wissen gar nicht, wie wir dagegen ankämpfen sollen», wird Dr. Reuben Ndiaya, der Vorsitzende eines Ärzteverbandes in der Hauptstadt Abuja, von «Focus» zitiert.

Die kursierenden Falschinformationen führten dazu, dass die Behörden die Vernichtungsaktion penibel dokumentierten und transparent machten. Faisal Shuaib:

«Wir haben erfolgreich 1'066'214 Dosen abgelaufener AstraZeneca-Impfstoffe zurückgezogen. Wir haben unser Versprechen, den Nigerianern gegenüber transparent zu sein, gehalten. Die heutige Vernichtung ist eine Gelegenheit für die Nigerianer, Vertrauen in unser Impfprogramm zu haben.»
Bulldozer zerstören über eine Million ungenutzter Impfdosen.
Bulldozer zerstören über eine Million ungenutzter Impfdosen.Bild: keystone

Gemäss Gesundheitsexperten muss Nigeria das Impftempo von 100'000 Dosen pro Tag verdreifachen, um ihr erklärtes Impfziel zu erreichen: Bis Ende nächstes Jahr soll mehr als die Hälfte der Bevölkerung geimpft sein. (saw)

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68 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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TheRealDonald
23.12.2021 11:16registriert Juli 2017
Noch mehr als die Vernichtung dieser Impfdosen beelendet mich der Anblick von solchen Mülldeponien. Was da völlig selbstverständlich in der Natur "entsorgt" wird! Genau wie die Fast-Fashion-Deponien in Südamerika. Ich verstehe es einfach nicht...
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Summerweid
23.12.2021 11:09registriert September 2016
Lebenserwartung von durchschnittlich 55 Jahren und eine der höchsten Kindersterblichkeitsraten, glaube Nigeria hat andere Probleme als Covid
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Wile E.
23.12.2021 11:44registriert April 2021
Impfdosen kurz vor Ablaufdatum spenden kostet viel weniger als sie fachgerecht zu entsorgen. Und man kann sich dabei noch als Wohltäter darstellen. Es ist zum Kotzen!
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