DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Tausende Demonstranten forderten politische Reformen sowie eine unabhängige Justiz.<br data-editable="remove">
Tausende Demonstranten forderten politische Reformen sowie eine unabhängige Justiz.
Bild: TIKSA NEGERI/REUTERS

Schüsse auf Demonstranten in Äthiopien: Offenbar rund 100 Tote 

08.08.2016, 23:5609.08.2016, 00:20

Am Rande von Demonstrationen gegen die Regierung in Äthiopien sind nach Angaben von Amnesty International rund 100 Menschen ums Leben gekommen. Hunderte weitere Demonstranten seien bei den Protesten am Wochenende zudem verletzt worden, hiess es weiter.

Sicherheitskräfte hätten in der Oromia-Region nahe der Hauptstadt Addis Abeba sowie in der nördlichen Amhara-Region mit scharfer Munition auf die Demonstranten geschossen, berichtete die Menschenrechtsorganisation am Montag.

Tausende Demonstranten hatten den Angaben zufolge politische Reformen sowie Unabhängigkeit für die Justiz gefordert. Allein in der Stadt Bahir Dar im Norden des Landes seien an einem Tag mindestens 30 Menschen getötet worden.

«Die äthiopischen Sicherheitskräfte haben systematische exzessive Gewalt angewendet», sagte eine Amnesty-Mitarbeiterin. Sie sprach von Verbrechen, die Verantwortlichen müssten bestraft werden. Sie verlangte zudem die Freilassung von politischen Häftlingen.

Protest gegen Ausweitung der Hauptstadt

Die Menschen in Oromia protestieren bereits seit Ende 2015 gegen eine Ausweitung der Hauptstadt Addis Abeba. Kritiker befürchten, das Vorhaben würde zu einer Benachteiligung der ländlichen Bevölkerung in der Region führen. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch wurden bei den brutal niedergeschlagenen Protesten bis Juni mindestens 400 Menschen getötet.

Bei den Protesten vom Wochenende im Ort Bahir Dar im Nordwesten des Landes ging es in erster Linie um dessen Zugehörigkeit. Gegen eine solche zur Region Tigray rebelliert die Volksgruppe der Amharas.

Am Montag kam es dort zu erneuten Demonstrationen. Eine Gruppe Jugendlicher sei durch die Strassen gezogen und habe die Freilassung politischer Häftlinge gefordert, sagte ein Augenzeuge. «Die Polizei trieb die Menge auseinander. Es fielen Schüsse.» Die Strassen in Bahir Dar seien leer, Geschäfte geschlossen, und Menschen versteckten sich in ihren Häusern.

Proteste auf dem Meskel-Platz in der Hauptstadt Addis Abeba.<br data-editable="remove">
Proteste auf dem Meskel-Platz in der Hauptstadt Addis Abeba.
Bild: TIKSA NEGERI/REUTERS

Demonstrationen ohne Genehmigung

«Wir sind uns bewusst, dass viele der Demonstrationen ohne Genehmigung stattgefunden haben», hiess es von der US-Botschaft in der Hauptstadt Addis Abeba. Sie wies jedoch auf das Recht der Bürger auf friedliche Versammlungen und Meinungsfreiheit hin.

Äthiopien liegt am so genannten Horn von Afrika im Nordosten des Kontinents und gilt als einer der ärmsten Staaten der Welt. In dem Land leben etwa 100 Million Menschen. Demonstrationen werden regelmässig von der autoritären Regierung unterdrückt. (trs/sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Fertig «Bunga-Bunga»: Berlusconi gibt Traum von Präsidentenwahl in Italien auf

Nach einer ebenso ereignisreichen wie skandalumtosten Karriere hat Silvio Berlusconi den letzten und grössten Politik-Coup verpasst. Der ehemalige Regierungschef musste seinen Lebenstraum aufgeben, italienischer Staatspräsident zu werden. Knapp zwei Tage vor Beginn der Wahl am Montag in Rom machte der 85-Jährige seinen Rückzug offiziell. Enttäuscht von dieser Niederlage schwänzte Berlusconi am Samstagabend ein virtuelles Spitzentreffen der Mitte-Rechts-Parteien und liess seine Entscheidung stattdessen von einer Parteifreundin der Forza Italia verlesen.

Zur Story