Trump profitiert nur kurzfristig vom Anschlag – wenn überhaupt
Donald Trump ist ein Mensch, der sich jeder Schubladisierung entzieht. Das zeigte sich am Samstag am Korrespondentendinner in Washington einmal mehr. Zum dritten Mal in weniger als zwei Jahren wurde er Ziel eines Attentatsversuchs. Denn alles deutet darauf hin, dass der Schütze es auf den Präsidenten und Mitglieder seiner Regierung abgesehen hatte.
Zum ersten Mal, seit er im Weissen Haus residiert, nahm Trump an der Gala im Hotel Hilton teil. Was angesichts seines schwierigen Verhältnisses zu den Medien bemerkenswert war. Das abrupte Ende mit den Schüssen vor dem Ballsaal hätte die Spannungen vertiefen können. Doch der Präsident zeigte sich in seiner ersten Reaktion ungewohnt versöhnlich.
Bei einem Auftritt im Medienzimmer des Weissen Hauses in Ballmontur appellierte er an die Öffentlichkeit, nach dem Vorfall «zusammenzustehen und unsere Differenzen friedlich beizulegen». Gleichzeitig nutzte Trump die Gelegenheit, um Werbung für seinen eigenen Ballroom zu machen. Mit ihm wäre «dieses Ereignis niemals passiert», meinte Trump.
Wie gut wird Trump geschützt?
Darüber liesse sich streiten, doch zumindest stellt sich einmal mehr die Frage, wie gut der Präsident geschützt wird. Schon bei den ersten Anschlagsversuchen im Wahlkampf vor zwei Jahren gab es diesbezüglich grosse Fragezeichen. So konnte etwa der Attentäter vom Juli 2024 in Butler (Pennsylvania) unbemerkt vom Dach eines Hauses auf Trump feuern.
Zwei Monate später gelang es dem Secret Service nur ganz knapp, einen Attentäter beim Golfplatz von Trumps Residenz Mar-a-Lago zu stoppen. Auch bei der Schiesserei vom Samstag lief einiges schief. Der Täter konnte unbehelligt mit einer Schrotflinte im Hilton einchecken, und einen Metalldetektor musste man erst vor dem Ballsaal passieren.
Geringer Mitleidseffekt
Die Anschlagsversuche vor zwei Jahren brachten dem damaligen Kandidaten einige Sympathiepunkte ein, nicht zuletzt wegen der ikonischen Aufnahmen nach den Schüssen in Butler. Für seinen Wahlsieg im November jedoch waren andere Gründe verantwortlich. Nun ist Donald Trump so unbeliebt wie nie. Wird ihm die Schiesserei vom Samstag helfen?
Dieses Mal dürfte «ein Mitleidseffekt vermutlich noch geringer ausfallen» als bei den beiden ersten Vorfällen, meint USA-Korrespondent und Kolumnist Edward Luce in der «Financial Times». Er begründet dies damit, dass Donald Trump am Samstag nie ernsthaft gefährdet war. Dies im Unterschied zum Anschlag in Butler, den er nur mit Glück überlebte.
Vergleich mit Reagan
Luce vergleicht den Vorfall vom Samstag mit dem Attentat auf Präsident Ronald Reagan, der im März 1981 nach wenigen Wochen im Amt vor dem gleichen Hotel in Washington angeschossen und lebensgefährlich verletzt worden war. Sein Popularitätsschub sei dennoch kurzlebig gewesen: «Es wäre eine Überraschung, wenn Trump überhaupt einen erhält.»
Diese Einschätzung ist nachvollziehbar, denn die Beliebtheitswerte des US-Präsidenten waren zuletzt im freien Fall. Weniger als 40 Prozent der Amerikaner beurteilen seine Arbeit positiv. In einer letzte Woche veröffentlichten AP-Umfrage sank dieser Wert auf 33 Prozent. Miserable Noten erhält er vor allem für seine vermeintliche Stärke, die Wirtschaftspolitik.
Der Krieg und der Benzinpreis
In der besagten Umfrage meinten 73 Prozent, der US-Wirtschaft gehe es schlecht. Und in einer Erhebung von Trumps «Haussender» Fox News wurde den Demokraten erstmals seit 2010 mehr Wirtschaftskompetenz bescheinigt als den Republikanern. Der Hauptgrund für die miese Stimmung ist der Iran-Krieg und dessen Folgen für das Portemonnaie.
Konkret bedeutet dies: Wenn die Amerikaner das nächste Mal an der Tankstelle mit den hohen Benzinpreisen konfrontiert werden, denken sie nicht an die Schüsse vom Samstag. Sondern an einen Krieg, der von Anfang an unpopulär war. Und bei dem kein Ende in Sicht ist. Vielmehr verharrten beide Seiten zuletzt in einer Art Schwebezustand.
Erst die Strasse von Hormus?
In der Nacht auf Montag deutet sich zumindest etwas Bewegung an. So soll der Iran angeboten haben, in einem ersten Schritt über die Öffnung der Strasse von Hormus zu verhandeln, berichtete das gut informierte Newsportal Axios. Erst in einer späteren Phase sollen heikle Themen wie das Atomprogramm angepackt werden.
Trump selbst gab sich am Sonntag auf Fox News unnachgiebig. Er wolle die Seeblockade weiterführen, weil sie die iranischen Ölexporte «abwürge» und die Islamische Republik zum Einlenken zwingen werde. Es wird sich zeigen, ob der Präsident die harte Linie durchhalten oder angesichts des Ärgers in der US-Bevölkerung auf das Angebot eingehen wird.
Mordanschläge als Problem
Ein Teil des Problems ist laut Axios die Uneinigkeit in der iranischen Führung. Sie sei ironischerweise darauf zurückzuführen, dass die USA und Israel in der ersten Phase des Kriegs mehrere führende Regimevertreter umgebracht haben, angefangen mit dem Obersten Führer Ali Chamenei, schreibt Edward Luce in der «Financial Times».
Mit Blick auf den Anschlag vom Samstag ist dies tatsächlich speziell. Auch deshalb dürfte Donald Trump kaum davon profitieren. Und gegenüber den Medien fiel er bereits am Tag danach in den üblichen Trott. Als ihm in der CBS-Sendung «60 Minutes» Vorwürfe aus dem Manifest des Angreifers vorgelesen wurden, beschimpfte er die Moderatorin massiv.
