International
Analyse

Warum Donald Trump nun die ICE-Polizisten aus Minneapolis wieder abzieht

Analyse

Deshalb zieht Trump nun die ICE-Polizisten aus Minneapolis wieder ab

Der amerikanische Präsident hat, mit einiger Verspätung, auf die Kritik am paramilitärischen Einsatz der Einwanderungsbehörde reagiert. Was das mit dem Wahljahr 2026 zu tun hat.
13.02.2026, 09:3713.02.2026, 09:37
renzo ruf, washington / ch media

Manchmal verhält sich auch Donald Trump wie ein ganz normaler Politiker: Wenn der Widerstand gegen eine seiner Ideen zu gross wird, dann gibt der amerikanische Präsident klein bei.

FILE - White House border czar Tom Homan holds a news conference at the Bishop Whipple Federal building on Wednesday, February. 4, 2026 in Minneapolis. (AP Photo/Ryan Murphy, File)
Tom Homan
Tom Homan, ein Vertrauter von Präsident Donald Trump, hat am Donnerstag das Ende der «Operation Metro Surge» verkündet.Bild: keystone

So geschehen am Donnerstag. Tom Homan, ein enger Verbündeter Trumps, verkündete an einer Pressekonferenz das Ende des Grosseinsatzes der Polizeibehörden ICE und CBP im Grossraum Minneapolis. Bereits kommende Woche würden die Hunderten von (maskierten) Migrationspolizisten abgezogen, sagte Homan; die beispiellose «Operation Metro Surge», an der vorübergehend bis zu 3000 Agenten beteiligt waren, ist dann Geschichte.

Homan nannte den Einsatz einen Erfolg, weil die Bevölkerung von Minneapolis nach angeblich 4000 Verhaftungen und Festnahmen von kriminellen Ausländern nun ein sicheres Leben führen könne. Die wenigsten Menschen aber, die in der Metropole wohnen, werden ihm zustimmen. Vielmehr fühlten sich die Bewohner der benachbarten Städte Minneapolis und St. Paul in den vergangenen zwei, drei Monate, als würden sie belagert — von vermummten, bewaffneten Bundespolizisten, die den Eindruck erweckten, als befänden sie sich im Krieg gegen die eigene Bevölkerung.

In den häufig chaotischen und bisweilen illegalen Demonstrationen gegen diesen brutalen Einsatz verloren zwei Menschen — die beiden amerikanischen Staatsbürger Renee Good und Alex Pretti — ihr Leben. Sie wurden von Bundespolizisten erschossen.

A man walks by posters of Renee Nicole Good and Alex Pretti, who were both fatally shot by federal agents, in Minneapolis, Saturday, Jan. 31, 2026. (AP Photo/Ryan Murphy)
Renee Good und Alex Pretti wurden von ICE-Agenten erschossen.Bild: FR172324 AP

Republikaner distanzieren sich von Trump

Der Tod von Good und Pretti war vermeidbar. Im Rückblick aber wird klar, dass diese Bluttaten das ganze Land aufrüttelten. «Sie glauben, sie könnten uns mürbe kriegen», sagte stellvertretend für viele US-Bewohner der Stadtpräsident von Minneapolis. «Aber die Entschlossenheit, durchzuhalten, kann eine Besetzung überdauern.»

Natürlich finden die meisten Amerikaner, dass ausländische Kriminelle so schnell wie möglich ausgeschafft werden sollen. Meinungsumfragen zeigen dies immer wieder. Im Grundsatz unterstützt eine Mehrheit der Bevölkerung damit die Arbeit von Amtsstellen wie ICE oder CBP — sofern sich diese nicht gegen unbescholtene Sans papiers richtet. Aber wenn dabei auch eine Nachbarin abgeknallt wird, weil sie angeblich mit ihrem Auto eine Strasse blockierte, dann hört das Verständnis vieler Amerikaner auf.

Immigration and Customs Enforcement officers arrest a protester at the ICE facility in Broadview, Ill., Friday, Sept. 19, 2025. (Zubaer Khan /Chicago Sun-Times via AP)
Trump Immigration Chicago
Vermummte und bewaffnete Bundespolizisten nehmen Ende Januar eine protestierende Person in Minneapolis fest.Bild: keystone

So denken nicht nur Demokraten. Sondern auch viele Republikaner in Washington. Im Gegensatz zu den linken Trump-Opponenten kritisieren die Parteifreunde den Präsidenten in der Öffentlichkeit eher selten — ist Trump doch nicht bekannt dafür, wohlwollend auf öffentlich geäusserte Einwände zu reagieren.

Das will aber nicht heissen, dass die Republikaner bereit sind, mit ihm durch dick und dünn zu gehen. So zweifeln mittlerweile viele Parteifreunde Trumps die Amtsführung von Sicherheitsministerin Kristi Noem an — die ihren Job letztlich allein dem Präsidenten verdankt.

2026 ist ein Wahljahr in den USA. Und solange das Land eine Demokratie ist, werden linke und rechte Politiker sich von der Stimmung im Volk leiten lassen, um gewählt zu werden. Daran ändert auch die Person Donald Trump nichts. (aargauerzeitung.ch)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
43 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Der Micha
13.02.2026 11:00registriert Februar 2021
"Homan nannte den Einsatz einen Erfolg, weil die Bevölkerung von Minneapolis nach angeblich 4000 Verhaftungen und Festnahmen von kriminellen Ausländern nun ein sicheres Leben führen könne."

Nein... Das sichere Leben können sie erst wieder führen WEIL die SA äh ICE abgezogen sind. Und wie viele von den angeblich 4000 Verhafteten waren wohl US-Amerikaner...

Und was ist mit den Todesfällen. Es ist schlicht Hohn, dies als Erfolg zu verkaufen.
513
Melden
Zum Kommentar
avatar
Bonbonsai
13.02.2026 10:32registriert November 2023
"Und solange das Land eine Demokratie ist, werden linke und rechte Politiker sich von der Stimmung im Volk leiten lassen, um gewählt zu werden. Daran ändert auch die Person Donald Trump nichts."

Und ob! Die Orange arbeitet fleissig daran, die Wahlen zu GOP's und seinen Gunsten zu manipulieren. Viele GOP regierte Staaten ziehen die Wahlbezirke neu. Bannon will ICE-Beamte zum "Schutz" der Wahllokale entsenden. UND die Orange will die Wahlen "nationalisieren", zumindest in den Staaten, die demokratisch wählen.

Also, dass die Orange an der Demokratie nichts ändert, kann ich so nicht erkennen!
392
Melden
Zum Kommentar
avatar
Eckhardt
13.02.2026 10:59registriert Juni 2024
Man kann es verhaltensökonomisch erklären: Immer wenn Trump der ‚Preis‘ für sein Verhalten zu hoch wird, lässt er die Massnahme fallen. Wenn keine Reaktion kommt, fährt er die ‚Erträge‘ seines Verhaltens ein.
Das zeigt, wie unausgegoren und nicht auf Tatsachen oder Recht beruhend seine Schritte sind. Er wirft viele Massnahmen in die Runde, beschäftigt die Menge oder lenkt sie ab, prüft vor allem wie weit er gehen kann mit Grenzüberschreitungen und ab wann/wie die anderen reagieren.
Ich sage es seit anfangs des Zoll-Theaters: Man darf ihm nicht entgegen kommen und muss gegen Donald kooperieren.
361
Melden
Zum Kommentar
43
Exodus der Generäle: Rückzug der USA aus der Nato hat längst begonnen
Abseits des Politgetöses um Grönland läuft der Rückzug der Amerikaner aus der Nato bereits. Er beginnt in der für die Allianz überlebenswichtigen Kommandostruktur. Ob die Europäer die Lücke füllen können, ist fraglich.
Wie lange kann Nato-Generalsekretär Mark Rutte die Fassade noch aufrechterhalten? Der Grönland-Streit bereits vergessen. Alles sei in bester Ordnung. Die USA seien der Nato-Verteidigungsallianz weiter «vollumfänglich verpflichtet», beschwor der Niederländer beim Nato-Treffen am Donnerstag in Brüssel einmal mehr.
Zur Story