DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Eine F/A-18 startet vom Flugzeugträger «Abraham Lincoln» im Persischen Golf.
Eine F/A-18 startet vom Flugzeugträger «Abraham Lincoln» im Persischen Golf.Bild: AP/U.S. Navy
Analyse

Kommt es zum Krieg gegen den Iran? Das spricht dafür und das dagegen

Die Golfregion ist ein notorischer Unruheherd. Nun haben die Spannungen zwischen den USA und Iran massiv zugenommen. Ein Krieg liegt in der Luft, aber es gibt auch Gründe, die dagegen sprechen.
16.05.2019, 09:21

Das martialische Signet ist unvergessen. Mit «War in the Gulf», unterlegt durch dramatische Musik, leitete der Fernsehsender CNN 1991 seine Berichterstattung über die Operation «Desert Storm» ein. Damals vertrieb eine internationale Streitmacht unter Führung der USA die Iraker aus dem besetzten Kuwait.

Fast 30 Jahre später stehen die Zeichen in der Region erneut auf Sturm.

Es droht ein Krieg zwischen den USA und Iran. Vor einem Jahr kündigten die Amerikaner das Atomabkommen und führten neue Sanktionen gegen die Islamische Republik ein, die sie seither laufend verschärften. Das Ziel der Regierung Trump ist offenkundig: Sie will den Iran finanziell ausbluten und einen politischen Kurs- oder Regimewechsel in Teheran erzwingen.

Trump will einen Politikwechsel im Iran

Video: srf

Zusätzlich verlegten die Amerikaner eine Bomberstaffel und Kriegsschiffe in die Golfregion, angeführt vom Flugzeugträger «Abraham Lincoln». Am Dienstag wurden zudem Pläne des Verteidigungsministeriums bekannt, bis zu 120'000 Soldaten zu entsenden für den Fall, dass Iran amerikanische Truppen angreifen oder die Entwicklung von Atomwaffen vorantreiben sollte.

Damit nicht genug: Am Montag soll es vor der Küste des Golfemirats Fudschira zu Sabotageakten auf vier Handelsschiffen aus verschiedenen Ländern gekommen sein, darunter zwei saudische Tanker. Die Urheber des mysteriösen Vorfalls sind nicht bekannt, der Verdacht richtete sich jedoch gegen Iran. Dessen Regierung forderte eine «lückenlose Untersuchung» des Zwischenfalls.

Erinnerung an Tonkin

Unabhängige Experten sind skeptisch: Iran brauche die Gewässer vor Fudschira selber, um Öl umzuladen und die Sanktionen zu umgehen. Es sei ein schlechter Ort für Sabotage. Beobachter fühlen sich an den Tonkin-Zwischenfall erinnert. 1964 behauptete die US-Regierung, nordvietnamesische Schnellboote hätten zwei Kriegsschiffe im Golf von Tonkin angegriffen.

Der Vorfall hatte nie stattgefunden, doch der Kongress gab danach grünes Licht für ein direktes Eingreifen der USA in den Vietnamkrieg. Nun fürchten nicht wenige eine Wiederholung dieses Szenarios und einen erneuten Krieg am Golf. Wie gross ist das Risiko wirklich?

Das spricht dafür

John Bolton (l.) und Mike Pompeo treiben Trump in Richtung Krieg.
John Bolton (l.) und Mike Pompeo treiben Trump in Richtung Krieg.Bild: AP/AP

Als Ober-Kriegstreiber gilt John Bolton, der Sicherheitsberater von Donald Trump. Er war schon in den unseligen Irak-Krieg 2003 involviert und hält diesen bis heute für einen Erfolg, weil das Land als Bedrohung für die USA ausgeschaltet wurde. Die chronische Instabilität seit dem Sturz von Diktator Saddam Hussein, die den Aufstieg des «IS» ermöglichte, blendet er aus.

Bolton sporne den Präsidenten an, Iran in die Ecke zu drängen, schreibt die «New York Times» unter Berufung auf Mitarbeiter von Militär und Geheimdiensten in den USA und Europa. Ein namentlich nicht genannter Amerikaner bezeichnete die angebliche Bedrohung durch den Iran als aufgebauscht. Die Trump-Regierung wolle Teheran in einen bewaffneten Konflikt hineinziehen.

Treibende Kraft neben John Bolton ist Aussenminister Mike Pompeo. Die beiden wollten den ahnungslosen Trump zu Schritten verleiten, die in einen Krieg münden könnten, bevor der Präsident dies realisiere, sagten europäische Regierungsbeamte der «New York Times». Dieses Szenario scheint plausibel, denn Trump ist bekanntlich leicht zu beeinflussen.

Eine trübe Rolle spielt auch Saudi-Arabien. Seit Teheran in Irak, Syrien und Libanon immer mehr Einfluss ausübt und die Huthi-Rebellen in Jemen unterstützt – das Ausmass ist umstritten –, fühlen sich die Saudis zunehmend «umzingelt» und durch das Atomprogramm bedroht. Sie drängten bereits die Regierung Obama erfolglos zu einem Krieg gegen Iran. Bei Trump könnte es gelingen.

Das spricht dagegen

Donald Trump kämpft schon jetzt um seine Wiederwahl, hier letzte Woche in Florida.
Donald Trump kämpft schon jetzt um seine Wiederwahl, hier letzte Woche in Florida.Bild: AP/AP

Donald Trump ist eigentlich ein klassischer amerikanischer Isolationist. Er will die militärischen Abenteuer beenden und die US-Soldaten nach Hause holen. Er weiss dabei das kriegsmüde Volk auf seiner Seite. Ausserdem ist er bereits im Wiederwahl-Modus. Einen Krieg, der die Benzinpreise nach oben und die Aktienkurse nach unten treiben dürfte, kann er nicht gebrauchen.

Seine Mitarbeiter sagten der «New York Times», Trumps Abneigung gegen langwierige Konflikte in Übersee sei die beste Hoffnung, um eine militärische Eskalation zu verhindern. Er sei sich bewusst, dass Boltons Haltung gegenüber dem Regime in Teheran zu einem Krieg führen könnte. Tatsächlich hat der Sicherheitsberater wiederholt militärische Schläge gegen Iran gefordert.

Es gibt auch objektive Gründe, die gegen einen Krieg sprechen. Iran ist ein anderes Kaliber als der Irak, bevölkerungs- und flächenmässig fast viermal grösser. Das Regime von Saddam Hussein war durch jahrelange Sanktionen auch militärisch geschwächt. Es hatte seine Massenvernichtungswaffen zerstört, entgegen den Behauptungen der Bush-Regierung.

Iran hingegen verfügt laut der «Washington Post» über das grösste und vielfältigste Raketenarsenal im Nahen Osten. Die iranische Marine besitzt Minen und U-Boote, mit denen sie die für die globale Erdölversorgung enorm wichtige Strasse von Hormus sperren kann. Hinzu kommen diverse von Iran unterstützte Milizen, die ebenfalls amerikanische Ziele angreifen könnten.

Die iranischen Revolutionsgarden zeigen ihr Raketenarsenal.
Die iranischen Revolutionsgarden zeigen ihr Raketenarsenal.Bild: AP/AP

Anders als 2003 müssten die Amerikaner wohl ohne europäische Unterstützung auskommen. Auch die ihnen damals treu ergebenen Briten gehen auf Distanz. Der britische General Chris Ghika sagte am Dienstag, es gebe keine erhöhte Bedrohung durch von Iran unterstütze Kräfte in Irak und Syrien. Aussenminister Jeremy Hunt warnte am Montag vor einem «Krieg aus Versehen».

Dies ist vielleicht die grösste Gefahr. Die beiden Länder könnten in einen Krieg hineinstolpern. Im Pulverfass Golfregion genügt dafür ein Funke. Wer die Verantwortung tragen würde, ist klar. Der Nahost-Experte Vali Nasr von der Johns Hopkins Universität in Baltimore sprach gegenüber der «New York Times» Klartext: «Diese Krise wurde ausschliesslich von der Trump-Regierung erzeugt.»

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Operation «Desert Storm»

1 / 33
Operation «Desert Storm»
quelle: ap ny / fernando serna
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Abonniere unseren Newsletter

55 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Patho
16.05.2019 10:48registriert März 2017
Sehe ich das richtig, die USA wollen tatsächlich eines der wenigen Länder, welches sich von einer Diktatur in Richtung Demokratie entwickelt bekriegen? Haben die keine anderen Probleme?😲
18521
Melden
Zum Kommentar
avatar
FrancoL
16.05.2019 10:51registriert November 2015
Ich teile alle Aussagen im Artikel und hege die Bedenken die im Artikel am Schluss genannt sind:
"Das in den Krieg stolpern"
Leider muss man auch mit klarem Blick sagen, dass dieses Stolpert aus verschiedensten Blickwinkeln betrachtet NICHT weg zu bedingen ist und dass ein John Bolton, da ganz geschickt die Stolpersteine legen könnte. Es bräuchte also einen standfesten Präsidenten und Trump ist es nun mal nicht.
Ich hoffe zumindest das die Europäer sich da raushalten und nicht zuletzt doch noch auf die Seite der Amis springen. Eine klare Haltung der Europäer gegen Krieg wäre schon etwas wert.
12012
Melden
Zum Kommentar
avatar
leu84
16.05.2019 10:17registriert Januar 2014
Wenn es soweit kommt, dann wird es im ganzen arabisch-persischen Raum Bürgerkriege geben und Israel bekommt noch mehr Probleme (speziell, wenn es selber aktiv mitmischt). Seien es im kleinen Rahmen zwischen Schiiten und Sunniten. Aber am Ende kommen die GIs straffrei weg...
11714
Melden
Zum Kommentar
55
«10'000 Liter Magenvolumen»: Riesenhai Megalodon konnte 8 Meter lange Beutetiere essen
Neuste Ergebnisse legen nahe, dass der Riesenhai Beutetiere so gross wie heutige Orkas vollständig hätte verschlingen und danach zwei Monate ohne weitere Nahrung durch die Meere ziehen können.

Er ist der grösste Hai, der je gelebt hat, und berüchtigt für seine riesigen Zähne. Doch es gibt kaum fossile Belege für den gesamten Körperbau des Megalodon. Ein internationales Forscherteam hat nun ein 3D-Computermodell erstellt. Dieses zeigt auch, wie gross die Beutetiere waren, die der Riesenhai verschlingen konnte.

Zur Story