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In this Friday, May 10, 2019 photo released by the U.S. Navy, an F/A-18E Super Hornet aircraft launches from the flight deck the Nimitz-class aircraft carrier USS Abraham Lincoln in the  Persian Gulf. The  aircraft carrier strike group is being deployed to the Persian Gulf to counter an alleged but still-unspecified threat from Iran. (Mass Communication Specialist Seaman Dan Snow, U.S. Navy via AP)

Eine F/A-18 startet vom Flugzeugträger «Abraham Lincoln» im Persischen Golf. Bild: AP/U.S. Navy

Analyse

Kommt es zum Krieg gegen den Iran? Das spricht dafür und das dagegen

Die Golfregion ist ein notorischer Unruheherd. Nun haben die Spannungen zwischen den USA und Iran massiv zugenommen. Ein Krieg liegt in der Luft, aber es gibt auch Gründe, die dagegen sprechen.



Das martialische Signet ist unvergessen. Mit «War in the Gulf», unterlegt durch dramatische Musik, leitete der Fernsehsender CNN 1991 seine Berichterstattung über die Operation «Desert Storm» ein. Damals vertrieb eine internationale Streitmacht unter Führung der USA die Iraker aus dem besetzten Kuwait.

Fast 30 Jahre später stehen die Zeichen in der Region erneut auf Sturm.

Es droht ein Krieg zwischen den USA und Iran. Vor einem Jahr kündigten die Amerikaner das Atomabkommen und führten neue Sanktionen gegen die Islamische Republik ein, die sie seither laufend verschärften. Das Ziel der Regierung Trump ist offenkundig: Sie will den Iran finanziell ausbluten und einen politischen Kurs- oder Regimewechsel in Teheran erzwingen.

Trump will einen Politikwechsel im Iran

Video: srf

Zusätzlich verlegten die Amerikaner eine Bomberstaffel und Kriegsschiffe in die Golfregion, angeführt vom Flugzeugträger «Abraham Lincoln». Am Dienstag wurden zudem Pläne des Verteidigungsministeriums bekannt, bis zu 120'000 Soldaten zu entsenden für den Fall, dass Iran amerikanische Truppen angreifen oder die Entwicklung von Atomwaffen vorantreiben sollte.

Damit nicht genug: Am Montag soll es vor der Küste des Golfemirats Fudschira zu Sabotageakten auf vier Handelsschiffen aus verschiedenen Ländern gekommen sein, darunter zwei saudische Tanker. Die Urheber des mysteriösen Vorfalls sind nicht bekannt, der Verdacht richtete sich jedoch gegen Iran. Dessen Regierung forderte eine «lückenlose Untersuchung» des Zwischenfalls.

Erinnerung an Tonkin

Unabhängige Experten sind skeptisch: Iran brauche die Gewässer vor Fudschira selber, um Öl umzuladen und die Sanktionen zu umgehen. Es sei ein schlechter Ort für Sabotage. Beobachter fühlen sich an den Tonkin-Zwischenfall erinnert. 1964 behauptete die US-Regierung, nordvietnamesische Schnellboote hätten zwei Kriegsschiffe im Golf von Tonkin angegriffen.

Der Vorfall hatte nie stattgefunden, doch der Kongress gab danach grünes Licht für ein direktes Eingreifen der USA in den Vietnamkrieg. Nun fürchten nicht wenige eine Wiederholung dieses Szenarios und einen erneuten Krieg am Golf. Wie gross ist das Risiko wirklich?

Das spricht dafür

From left, National Security Adviser John Bolton, accompanied by Secretary of State Mike Pompeo, and President Donald Trump, speaks before Trump signs a National Security Presidential Memorandum to launch the

John Bolton (l.) und Mike Pompeo treiben Trump in Richtung Krieg. Bild: AP/AP

Als Ober-Kriegstreiber gilt John Bolton, der Sicherheitsberater von Donald Trump. Er war schon in den unseligen Irak-Krieg 2003 involviert und hält diesen bis heute für einen Erfolg, weil das Land als Bedrohung für die USA ausgeschaltet wurde. Die chronische Instabilität seit dem Sturz von Diktator Saddam Hussein, die den Aufstieg des «IS» ermöglichte, blendet er aus.

Bolton sporne den Präsidenten an, Iran in die Ecke zu drängen, schreibt die «New York Times» unter Berufung auf Mitarbeiter von Militär und Geheimdiensten in den USA und Europa. Ein namentlich nicht genannter Amerikaner bezeichnete die angebliche Bedrohung durch den Iran als aufgebauscht. Die Trump-Regierung wolle Teheran in einen bewaffneten Konflikt hineinziehen.

Treibende Kraft neben John Bolton ist Aussenminister Mike Pompeo. Die beiden wollten den ahnungslosen Trump zu Schritten verleiten, die in einen Krieg münden könnten, bevor der Präsident dies realisiere, sagten europäische Regierungsbeamte der «New York Times». Dieses Szenario scheint plausibel, denn Trump ist bekanntlich leicht zu beeinflussen.

Eine trübe Rolle spielt auch Saudi-Arabien. Seit Teheran in Irak, Syrien und Libanon immer mehr Einfluss ausübt und die Huthi-Rebellen in Jemen unterstützt – das Ausmass ist umstritten –, fühlen sich die Saudis zunehmend «umzingelt» und durch das Atomprogramm bedroht. Sie drängten bereits die Regierung Obama erfolglos zu einem Krieg gegen Iran. Bei Trump könnte es gelingen.

Das spricht dagegen

President Donald Trump arrives to speak at a rally at Aaron Bessant Amphitheater, Wednesday, May 8, 2019, in Panama City Beach, Fla. (AP Photo/Evan Vucci)

Donald Trump kämpft schon jetzt um seine Wiederwahl, hier letzte Woche in Florida. Bild: AP/AP

Donald Trump ist eigentlich ein klassischer amerikanischer Isolationist. Er will die militärischen Abenteuer beenden und die US-Soldaten nach Hause holen. Er weiss dabei das kriegsmüde Volk auf seiner Seite. Ausserdem ist er bereits im Wiederwahl-Modus. Einen Krieg, der die Benzinpreise nach oben und die Aktienkurse nach unten treiben dürfte, kann er nicht gebrauchen.

Seine Mitarbeiter sagten der «New York Times», Trumps Abneigung gegen langwierige Konflikte in Übersee sei die beste Hoffnung, um eine militärische Eskalation zu verhindern. Er sei sich bewusst, dass Boltons Haltung gegenüber dem Regime in Teheran zu einem Krieg führen könnte. Tatsächlich hat der Sicherheitsberater wiederholt militärische Schläge gegen Iran gefordert.

Es gibt auch objektive Gründe, die gegen einen Krieg sprechen. Iran ist ein anderes Kaliber als der Irak, bevölkerungs- und flächenmässig fast viermal grösser. Das Regime von Saddam Hussein war durch jahrelange Sanktionen auch militärisch geschwächt. Es hatte seine Massenvernichtungswaffen zerstört, entgegen den Behauptungen der Bush-Regierung.

Iran hingegen verfügt laut der «Washington Post» über das grösste und vielfältigste Raketenarsenal im Nahen Osten. Die iranische Marine besitzt Minen und U-Boote, mit denen sie die für die globale Erdölversorgung enorm wichtige Strasse von Hormus sperren kann. Hinzu kommen diverse von Iran unterstützte Milizen, die ebenfalls amerikanische Ziele angreifen könnten.

FILE - In this Feb. 3, 2019 file photo, an Iranian clergyman looks at domestically built surface to surface missiles displayed by the Revolutionary Guard in a military show marking the 40th anniversary of the Islamic Revolution, at Imam Khomeini Grand Mosque in Tehran, Iran. On Monday, April 8, 2019, the Trump administration designated Iran’s Revolutionary Guard a “foreign terrorist organization” in an unprecedented move against a national armed force. Iran’s Revolutionary Guard Corps went from being a domestic security force with origins in the 1979 Islamic Revolution to a transnational fighting force. (AP Photo/Vahid Salemi, File)

Die iranischen Revolutionsgarden zeigen ihr Raketenarsenal. Bild: AP/AP

Anders als 2003 müssten die Amerikaner wohl ohne europäische Unterstützung auskommen. Auch die ihnen damals treu ergebenen Briten gehen auf Distanz. Der britische General Chris Ghika sagte am Dienstag, es gebe keine erhöhte Bedrohung durch von Iran unterstütze Kräfte in Irak und Syrien. Aussenminister Jeremy Hunt warnte am Montag vor einem «Krieg aus Versehen».

Dies ist vielleicht die grösste Gefahr. Die beiden Länder könnten in einen Krieg hineinstolpern. Im Pulverfass Golfregion genügt dafür ein Funke. Wer die Verantwortung tragen würde, ist klar. Der Nahost-Experte Vali Nasr von der Johns Hopkins Universität in Baltimore sprach gegenüber der «New York Times» Klartext: «Diese Krise wurde ausschliesslich von der Trump-Regierung erzeugt.»

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Operation «Desert Storm»

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