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Warum die MAGA-Meute nicht gegen Trumps Venezuela-Abenteuer rebelliert

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Warum die MAGA-Meute nicht gegen Trumps Venezuela-Abenteuer rebelliert

Donald Trumps Militäroperation in Venezuela spaltet die MAGA-Bewegung. Die isolationistische Fraktion kritisiert den Präsidenten, doch die meisten bejubeln ihn.
08.01.2026, 18:1408.01.2026, 18:14

Drei Präsidentschaftswahlkämpfe hat Donald Trump bisher geführt – und in allen versprach er, als Präsident militärische Interventionen zu vermeiden. Mit diesem «America First»-Programm sprach er grosse Teile seiner MAGA-Kernwählerschaft an, die isolationistisch tickt und genug von den endlosen und kostspieligen Kriegen hat, die in der Bush-Ära so leichtfertig begonnen wurden – etwa in Afghanistan und im Irak.

Sobald Trump indes im Weissen Haus sass, sah die Sache anders aus. Schon in seiner ersten Amtszeit liess er den iranischen General Ghassem Soleimani töten; eine Aktion, die einer kriegerischen Handlung gegen den Iran gleichkam und die Gefahr einer unkontrollierbaren Eskalation in sich trug. Insgesamt hielt Trump sich damals aber tatsächlich eher zurück.

626 Luftschläge in einem Jahr

Nicht so in seiner zweiten Amtszeit: Innerhalb eines Jahres führten die US-Streitkräfte mindestens 626 Luftschläge aus – von Somalia über Jemen, Irak, Syrien und Iran bis Nigeria und Venezuela. Sein Vorgänger Joe Biden kam dagegen in vier Jahren lediglich auf 555 Luftangriffe. Mit der Entführung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro hat Trump zudem die Tür zu einem Regimewechsel und möglicherweise dem Einsatz von Bodentruppen in dem südamerikanischen Staat aufgestossen. Nicht genug damit: Auch gegen Kolumbien, Kuba und sogar Grönland hat er Interventionen angedroht.

Dabei hatte Trump vor einem Jahr in seiner Inaugurationsrede erklärt:

«Wir werden unseren Erfolg nicht nur an den gewonnenen Schlachten messen, sondern auch an den Kriegen, die wir beenden – und vielleicht am wichtigsten ist, an den Kriegen, in die wir nie verwickelt werden.»
President Donald Trump speaks during the 60th Presidential Inauguration in the Rotunda of the U.S. Capitol in Washington, Monday, Jan. 20, 2025. (Chip Somodevilla/Pool Photo via AP)
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Trump bei seiner Inaugurationsrede im Januar 2025.Bild: keystone

Kritik vom rechten Rand

Gemessen an diesen Worten erwiesen sich die Taten des Präsidenten bisher als erstaunlich bellizistisch. Und damit steht die Frage im Raum, wie dies bei der MAGA-Wählerschaft ankommt, die auf Begriffe wie «Regime Change» in der Regel allergisch reagiert.

Dass etwa Marjorie Taylor Greene, einst glühende Trump-Verehrerin, mittlerweile aber dezidierte Gegnerin des Präsidenten, die Intervention «Absolute Resolve» in Venezuela nicht gutheissen würde, war absehbar. Die ehemalige Abgeordnete des US-Staats Georgia, die ihren Sitz am 5. Januar aufgegeben hat, kommentierte die Militäraktion auf der Plattform X wie folgt:

«Regimewechsel, die Finanzierung ausländischer Kriege und die Tatsache, dass amerikanische Steuergelder konsequent für ausländische Zwecke, für Ausländer im In- und Ausland und für ausländische Regierungen verwendet werden, während die Amerikaner ständig mit steigenden Lebenshaltungskosten, Wohnkosten und Gesundheitskosten konfrontiert sind und von Betrug und Missbrauch ihrer Steuergelder erfahren, ist das, was die meisten Amerikaner wütend macht. Vor allem die jüngeren Generationen.»

Und:

«Die Abneigung der Amerikaner gegenüber der endlosen militärischen Aggression und Unterstützung ausländischer Kriege durch unsere eigene Regierung ist gerechtfertigt, weil wir gezwungen sind, dafür zu bezahlen, und beide Parteien, Republikaner und Demokraten, sorgen stets dafür, dass die Militärmaschine in Washington finanziert wird und weiterläuft. Das ist es, was viele MAGA-Anhänger zu beenden glaubten, als sie ihre Stimme abgaben. Mann, haben wir uns geirrt.»
Rep. Marjorie Taylor Greene, R-Ga., speaks during a hearing of the House Committee on Homeland Security on Capitol Hill in Washington, Thursday, Dec. 11, 2025. (AP Photo/Mark Schiefelbein)
Marjorie Ta ...
Von der Trump-Verehrerin zur Trump-Gegnerin: Marjorie Taylor Greene.Bild: keystone

Auch die rechtsextreme Aktivistin Candace Owens, die mit ihren antisemitischen Verschwörungstheorien sogar den meisten MAGA-Leuten zu radikal sein dürfte, kritisiert die US-Intervention und vergleicht Venezuela in einem Post auf der Plattform X mit Syrien, Afghanistan und Irak.

Warnung vor den langfristigen Folgen

Steve Bannon, ehemaliger Chefstratege im Weissen Haus, lobte hingegen Trumps Militäraktion am vergangenen Samstag in seinem Podcast War Room als «einen atemberaubenden und fulminanten Schlag» und einen «mutigen und brillanten Überfall». Er warnte jedoch vor den langfristigen Folgen und bemerkte dazu: «Die grösseren Probleme, die die Menschen hier beschäftigen, sind, wie Präsident Trump sagte: ‹Hey, wir werden Bodentruppen entsenden›, und gestern Abend: ‹Wir werden das Land wieder aufbauen.›» Bannon nahm dann Bezug auf Bilder, die Maduro bei seiner Verlegung ins Gericht in New York zeigen und sagte sarkastisch:

«Mir fällt gerade auf, dass, als Maduro aus dem Gefängnis in Brooklyn durch schöne Teile von Brooklyn und, glaube ich, auch durch Teile der Bronx gebracht wurde, die Vereinigten Staaten schlechter aussehen als Caracas. Vielleicht sollte ein Teil dieser Aufmerksamkeit hier liegen.»
Steve Bannon speaks during Turning Point USA's AmericaFest 2025, Friday, Dec. 19, 2025, in Phoenix. (AP Photo/Ross D. Franklin)
Arizona Turning Point Conference
«Mutiger und brillanter Überfall»: Steve Bannon.Bild: keystone

Der ehemalige Fox-News-Moderator Tucker Carlson – einer der prominentesten Vertreter der «America First»-Bewegung – hatte bereits zuvor vor einem «Regime Change» in Venezuela gewarnt. Nun äusserte er sich zurückhaltend skeptisch zur Intervention. Wenn Trump sage, die USA würden Venezuela «regieren», bedeute dies wahrscheinlich eine indirekte Kontrolle aus der Ferne, unter Einsatz politischer Hebel und der impliziten Androhung weiterer militärischer Massnahmen, und nicht die tägliche Regierungsführung.

FILE - Tucker Carlson speaks at a memorial for Charlie Kirk, Sept. 21, 2025, in Glendale, Ariz. (AP Photo/Ross D. Franklin, File)
Republicans Israel
Auch Tucker Carlson ist nicht mehr gut auf Donald Trump zu sprechen. Bild: keystone

Ein solcher Ansatz, sagte Carlson auf seinem Youtube-Channel, ähnele dem Verhalten eines Imperiums:

«Es ist die effektive Ankündigung der US-Regierung, dass sich unser System verändert, dass wir nun ausdrücklich ein Imperium sind.»

Dies bedeute, dass die Macht bei der Exekutive und nicht bei der Legislative liegen werde. «Der Kongress wird unweigerlich verkümmern», prognostizierte Carlson. Zu Trumps Drohungen an die Adresse Kubas sagte er:

«Die ganze Zeit damit verbringen, sich um Kuba zu sorgen? Ich liebe die Kubaner hier. Ich liebe sie. Aber wie viel Geld wollen Sie aus dem College-Fonds Ihrer Kinder für einen Regimewechsel in Kuba ausgeben?»

Beifall für «Absolute Resolve»

Doch die meisten Republikaner, darunter auch Hardliner, die Trumps aussenpolitische Positionen zuweilen kritisiert hatten, unterstützten den Präsidenten. Die Republikanerin Nikki Haley, die Trump bei den Vorwahlen 2024 unterlegen war, nannte Maduro in einem Post auf X einen «brutalen sozialistischen Diktator, der sein Volk unterdrückte, um sich selbst und seine Kumpane zu bereichern». Er habe «die kubanische Diktatur mit gestohlenem Öl am Leben erhalten». «Das venezolanische Volk», verkündete sie, «verdient Freiheit».

Nikki Haley, former U.S. ambassador to the United Nations and current Vice-Chair Public and Government Affairs at Edelman, participates in a panel discussion at the Canadian Chamber of Commerce B7 Sum ...
Nikki Haley begrüsst den Militäreinsatz in Venezuela.Bild: keystone

Der konservative Radio- und Fernsehmoderator Mark Levin bezeichnete diejenigen, die die Rechtmässigkeit der Militäraktion in Frage stellten – etwa Senator Bernie Sanders oder den New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani –, als «das pure Böse». «Sie verteidigen totalitäre Regime gegen die Sicherheit und Interessen unserer Nation», fügte er hinzu. Die Operation «Absolute Resolve» lobte er in den höchsten Tönen:

Mark Levin listens as President Donald Trump speaks during a Hanukkah reception in the East Room of the White House, Tuesday, Dec. 16, 2025, in Washington. (AP Photo/Alex Brandon)
Donald Trump
«Grossartiger Präsident und Oberbefehlshaber»: Mark Levin (r.) lobt Donald Trump.Bild: keystone

Die – zumindest bisher – begrenzte Militäraktion fand teilweise begeisterten Beifall aus dem MAGA-Lager, wie dieser Tweet eines Pro-MAGA-Accounts zeigt:

«MAGA geht es nur ums Gewinnen»

Eine mögliche Erklärung dafür, warum die meisten MAGA-Anhänger kein Problem mit Trumps Militäraktion in Venezuela haben, hat der «New York Times»-Kolumnist und ehemalige Republikaner David French in einem NYT-Podcast vorgebracht. MAGA sei ein relativ neues Phänomen, das sich viel mehr auf den persönlichen Erfolg von Trump konzentriere als auf eine bestimmte Ideologie. Die MAGA-Leute hätten auch die bisherigen Interventionen Trumps hingenommen, und die Militäroperation in Venezuela sei ja brillant durchgeführt worden und wirke wie ein grosser Sieg für Trump. Hätte es ein Fiasko gegeben, wie es Jimmy Carter 1980 mit der Operation Eagle Claw im Iran erlebt hatte, hätte dies für Unruhe im MAGA-Lager gesorgt.

A charred RH53 helicopter forms a grim reminder as it lies on the desert sands of eastern Iran, April 28, 1980. It is one of five helicopters and a C-130 transport, abandoned by a U.S. force that brok ...
Operation «Eagle Claw» war ein Fiasko: Das ausgebrannte Wrack eines US-Helikopters in der iranischen Wüste. Bild: AP

French geht zudem davon aus, dass die «America first»-Bewegung nicht isolationistisch sei. Vielmehr gehe es um Einflusssphären. «America first» bedeute lediglich: Amerika verwaltet seine Einflusssphäre. Was US-Präsidenten in Mittel- und Südamerika tun, sei für die amerikanische Öffentlichkeit in der Regel nicht wirklich von Bedeutung – es sei denn, es führe zu einer Krise in den USA selbst. Washington habe daher freie Hand, dort Dinge zu tun, wie sie Trump jetzt getan habe. Die Region leide unter der fortwährenden Einmischung der USA, doch die amerikanische Bevölkerung interessiere sich grösstenteils nicht dafür.

Eine ähnliche Einschätzung kommt laut der Online-Zeitung The Hill von einer der US-Regierung nahestehenden Person, die die isolationistische Fraktion von MAGA als «laute Minderheit» bezeichnete. «The Hill» zitiert sie wie folgt:

«Letztendlich geht es MAGA nur ums Gewinnen. Es geht darum, die USA als starke Kraft für das Gute zu stärken. Wenn die Befreiung schiefgegangen wäre, würden wir jetzt eine andere Geschichte erzählen.»

US-Angriff auf Venezuela

Video: watson/Reuters
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Das ist Nicolas Maduro
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Das ist Nicolas Maduro

Seinen letzten Auftritt hatte Nicolás Maduro am Donnerstag. In der Nacht auf Samstag, den 3. Januar, wurde er von den USA entführt.

quelle: keystone / miguel gutierrez
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Trump verkündet Bombardierung Irans
Video: extern
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Die beliebtesten Kommentare
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Macca_the_Alpacca
08.01.2026 19:14registriert Oktober 2021
Warum die MAGA-Meute nicht gegen Trumps Venezuela-Abenteuer rebelliert ? Das sind einfach Opportunisten. Würde man Trump einfach entfernen können, dann wäre sie Fans des Nächsten der Nachfolgt. Dumm wie Brot und auch noch stolz drauf.
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Swen Goldpreis
08.01.2026 23:01registriert April 2019
Dass die Maga-Meute nicht rebelliert, ist doch naheliegend. Die Leute sind ja nicht auf einer pazifistischen Grundgesinnung gegen Krieg, sondern aus Eigennutz. Ihnen ist schlicht egal, ob irgendwo ein Völkermord passiert oder sonst war - Hauptsache sie müssen am Ende nichts bezahlen.

Und der Venezuelaangriff war bisher nicht wahnsinnig teuer und wenn die US-Firmen dadurch Geschäfte machen können, so die Logik, dann ist das doch fürs Land und damit für die Amerikaner gut. Dass das Völkerrecht gebrochen würde - who cares. Das ist ja eh nur für Schwule, oder so...
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RightIsWrong
08.01.2026 18:29registriert November 2023
Die im Rampenlicht sind eh alle da wegen dem Geld und der Macht, die machen so oder so brav bei Trump mit.

Und die "Wähler", naja, was soll man sagen, deren kognitiven Fähigkeiten und Vorgänge sind...ausserordentlich...
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