Warum die MAGA-Meute nicht gegen Trumps Venezuela-Abenteuer rebelliert
Drei Präsidentschaftswahlkämpfe hat Donald Trump bisher geführt – und in allen versprach er, als Präsident militärische Interventionen zu vermeiden. Mit diesem «America First»-Programm sprach er grosse Teile seiner MAGA-Kernwählerschaft an, die isolationistisch tickt und genug von den endlosen und kostspieligen Kriegen hat, die in der Bush-Ära so leichtfertig begonnen wurden – etwa in Afghanistan und im Irak.
Sobald Trump indes im Weissen Haus sass, sah die Sache anders aus. Schon in seiner ersten Amtszeit liess er den iranischen General Ghassem Soleimani töten; eine Aktion, die einer kriegerischen Handlung gegen den Iran gleichkam und die Gefahr einer unkontrollierbaren Eskalation in sich trug. Insgesamt hielt Trump sich damals aber tatsächlich eher zurück.
626 Luftschläge in einem Jahr
Nicht so in seiner zweiten Amtszeit: Innerhalb eines Jahres führten die US-Streitkräfte mindestens 626 Luftschläge aus – von Somalia über Jemen, Irak, Syrien und Iran bis Nigeria und Venezuela. Sein Vorgänger Joe Biden kam dagegen in vier Jahren lediglich auf 555 Luftangriffe. Mit der Entführung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro hat Trump zudem die Tür zu einem Regimewechsel und möglicherweise dem Einsatz von Bodentruppen in dem südamerikanischen Staat aufgestossen. Nicht genug damit: Auch gegen Kolumbien, Kuba und sogar Grönland hat er Interventionen angedroht.
Dabei hatte Trump vor einem Jahr in seiner Inaugurationsrede erklärt:
Kritik vom rechten Rand
Gemessen an diesen Worten erwiesen sich die Taten des Präsidenten bisher als erstaunlich bellizistisch. Und damit steht die Frage im Raum, wie dies bei der MAGA-Wählerschaft ankommt, die auf Begriffe wie «Regime Change» in der Regel allergisch reagiert.
Dass etwa Marjorie Taylor Greene, einst glühende Trump-Verehrerin, mittlerweile aber dezidierte Gegnerin des Präsidenten, die Intervention «Absolute Resolve» in Venezuela nicht gutheissen würde, war absehbar. Die ehemalige Abgeordnete des US-Staats Georgia, die ihren Sitz am 5. Januar aufgegeben hat, kommentierte die Militäraktion auf der Plattform X wie folgt:
Und:
Auch die rechtsextreme Aktivistin Candace Owens, die mit ihren antisemitischen Verschwörungstheorien sogar den meisten MAGA-Leuten zu radikal sein dürfte, kritisiert die US-Intervention und vergleicht Venezuela in einem Post auf der Plattform X mit Syrien, Afghanistan und Irak.
Venezuela has been “liberated” like Syria, Afghanistan, and Iraq were “liberated”.
— Candace Owens (@RealCandaceO) January 3, 2026
The CIA has staged another hostile takeover of a country at the behest of a globalist psychopaths.
That’s it. That’s what is happening, always, everywhere. Zionists cheer every regime change.… https://t.co/F60ouK7qAr
Warnung vor den langfristigen Folgen
Steve Bannon, ehemaliger Chefstratege im Weissen Haus, lobte hingegen Trumps Militäraktion am vergangenen Samstag in seinem Podcast War Room als «einen atemberaubenden und fulminanten Schlag» und einen «mutigen und brillanten Überfall». Er warnte jedoch vor den langfristigen Folgen und bemerkte dazu: «Die grösseren Probleme, die die Menschen hier beschäftigen, sind, wie Präsident Trump sagte: ‹Hey, wir werden Bodentruppen entsenden›, und gestern Abend: ‹Wir werden das Land wieder aufbauen.›» Bannon nahm dann Bezug auf Bilder, die Maduro bei seiner Verlegung ins Gericht in New York zeigen und sagte sarkastisch:
Der ehemalige Fox-News-Moderator Tucker Carlson – einer der prominentesten Vertreter der «America First»-Bewegung – hatte bereits zuvor vor einem «Regime Change» in Venezuela gewarnt. Nun äusserte er sich zurückhaltend skeptisch zur Intervention. Wenn Trump sage, die USA würden Venezuela «regieren», bedeute dies wahrscheinlich eine indirekte Kontrolle aus der Ferne, unter Einsatz politischer Hebel und der impliziten Androhung weiterer militärischer Massnahmen, und nicht die tägliche Regierungsführung.
Ein solcher Ansatz, sagte Carlson auf seinem Youtube-Channel, ähnele dem Verhalten eines Imperiums:
Dies bedeute, dass die Macht bei der Exekutive und nicht bei der Legislative liegen werde. «Der Kongress wird unweigerlich verkümmern», prognostizierte Carlson. Zu Trumps Drohungen an die Adresse Kubas sagte er:
Beifall für «Absolute Resolve»
Doch die meisten Republikaner, darunter auch Hardliner, die Trumps aussenpolitische Positionen zuweilen kritisiert hatten, unterstützten den Präsidenten. Die Republikanerin Nikki Haley, die Trump bei den Vorwahlen 2024 unterlegen war, nannte Maduro in einem Post auf X einen «brutalen sozialistischen Diktator, der sein Volk unterdrückte, um sich selbst und seine Kumpane zu bereichern». Er habe «die kubanische Diktatur mit gestohlenem Öl am Leben erhalten». «Das venezolanische Volk», verkündete sie, «verdient Freiheit».
Der konservative Radio- und Fernsehmoderator Mark Levin bezeichnete diejenigen, die die Rechtmässigkeit der Militäraktion in Frage stellten – etwa Senator Bernie Sanders oder den New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani –, als «das pure Böse». «Sie verteidigen totalitäre Regime gegen die Sicherheit und Interessen unserer Nation», fügte er hinzu. Die Operation «Absolute Resolve» lobte er in den höchsten Tönen:
Venezuelans are free today!
— Mark R. Levin (@marklevinshow) January 3, 2026
Congratulations and thank you to our tremendous President and Commander-In-Chief, Donald J Trump, our outstanding Secretaries of War and State, DNI, CIA, and all other parts of our military and national security people — and the United States…
Herzlichen Glückwunsch und vielen Dank an unseren grossartigen Präsidenten und Oberbefehlshaber Donald J. Trump, unsere hervorragenden Kriegs- und Aussenminister, den DNI, die CIA und alle anderen Teile unseres Militärs und unserer nationalen Sicherheitskräfte – und das Militär der Vereinigten Staaten! Das beste der Welt! Wir Amerikaner könnten nicht stolzer auf euch alle sein! Was für eine beeindruckende und aussergewöhnliche Militäroperation!»
Die – zumindest bisher – begrenzte Militäraktion fand teilweise begeisterten Beifall aus dem MAGA-Lager, wie dieser Tweet eines Pro-MAGA-Accounts zeigt:
George W. Bush needed 170,000 troops that led to over 4,400 US military casualties and an 8 year war in order to capture Saddam Hussain
— Vince Langman (@LangmanVince) January 3, 2026
President Trump captured Nicolas Maduro while we were sleeping overnight with zero casualties. pic.twitter.com/3Sn3kSmGX7
«MAGA geht es nur ums Gewinnen»
Eine mögliche Erklärung dafür, warum die meisten MAGA-Anhänger kein Problem mit Trumps Militäraktion in Venezuela haben, hat der «New York Times»-Kolumnist und ehemalige Republikaner David French in einem NYT-Podcast vorgebracht. MAGA sei ein relativ neues Phänomen, das sich viel mehr auf den persönlichen Erfolg von Trump konzentriere als auf eine bestimmte Ideologie. Die MAGA-Leute hätten auch die bisherigen Interventionen Trumps hingenommen, und die Militäroperation in Venezuela sei ja brillant durchgeführt worden und wirke wie ein grosser Sieg für Trump. Hätte es ein Fiasko gegeben, wie es Jimmy Carter 1980 mit der Operation Eagle Claw im Iran erlebt hatte, hätte dies für Unruhe im MAGA-Lager gesorgt.
French geht zudem davon aus, dass die «America first»-Bewegung nicht isolationistisch sei. Vielmehr gehe es um Einflusssphären. «America first» bedeute lediglich: Amerika verwaltet seine Einflusssphäre. Was US-Präsidenten in Mittel- und Südamerika tun, sei für die amerikanische Öffentlichkeit in der Regel nicht wirklich von Bedeutung – es sei denn, es führe zu einer Krise in den USA selbst. Washington habe daher freie Hand, dort Dinge zu tun, wie sie Trump jetzt getan habe. Die Region leide unter der fortwährenden Einmischung der USA, doch die amerikanische Bevölkerung interessiere sich grösstenteils nicht dafür.
Eine ähnliche Einschätzung kommt laut der Online-Zeitung The Hill von einer der US-Regierung nahestehenden Person, die die isolationistische Fraktion von MAGA als «laute Minderheit» bezeichnete. «The Hill» zitiert sie wie folgt:
