International
Asien

Nipah-Virus: Vietnam ruft höchste Warnstufe aus

Phu Quoc
https://www.shutterstock.com/de/download/confirm/504420394?src=8ylGbpVMKY8XzIms7wZJfg-1-26&size=huge_jpg
Vietnam
Vietnam ist ein beliebtes Reiseziel.Bild: Shutterstock

Vietnam ruft höchste Warnstufe wegen Virus aus

Ein tödliches Virus verbreitet sich in Südasien. Nach einem neuen Ausbruch des Nipah-Virus in Indien ruft Vietnam die höchste Alarmstufe aus. Auch an Flughäfen in anderen asiatischen Ländern wird wieder kontrolliert. Was Reisende jetzt wissen müssen.
27.01.2026, 17:2727.01.2026, 17:27
Anna Von Stefenelli / watson.de

Die Reiselust zieht auch 2026 wieder in den Fernen Osten. Vietnam zählt dabei zu den beliebtesten Zielen. Doch aktuell schlägt das Gesundheitsministerium in Hanoi Alarm. Grund ist ein gefährlicher Virenausbruch, der weltweit Beobachter besorgt.

Wie vietnamesische Medien berichten, handelt es sich um das hochgefährliche Nipah-Virus, das in der Vergangenheit schon mehrfach in Süd- und Südostasien aufgetreten ist. Die Lage ist ernst genug, dass Vietnam seine Massnahmen zur Seuchenabwehr verschärft. Diese betreffen auch Touristinnen und Touristen.

Vietnam in Alarmbereitschaft

Die vietnamesischen Gesundheitsbehörden haben am 27. Januar zwar offiziell bestätigt, dass es bislang keine Nipah-Fälle im Land gibt. Dennoch haben sie die Alarmstufe erhöht. Gleichzeitig haben sie Grenz- und Flughafenkontrollen intensiviert.

Dabei liegt der Grund in einem anderen Land: In einem Spital im indischen Bundesstaat Westbengalen wurden zwischen dem 27. Dezember 2025 und dem 26. Januar 2026 fünf Verdachtsfälle gemeldet, darunter zwei bestätigte Infektionen. Alle Betroffenen sind medizinisches Personal, wie vnexpress.net berichtet.

2021, Indien: Mediziner entnehmen einer Ziege Blutproben, um sie auf das Nipah-Virus zu testen. Nipah virus
2021, Indien: Mediziner entnehmen einer Ziege Blutproben, um sie auf das Nipah-Virus zu testen.Bild: ap

Denn auf die leichte Schulter zu nehmen ist das Virus nicht. Das Nipah-Virus gehört laut dem vietnamesischen Gesundheitsministerium zur höchsten Gefahrenstufe, der Gruppe A der Infektionskrankheiten. Die Sterblichkeitsrate liegt bei 40 bis 75 Prozent, Heilmittel oder Impfstoffe existieren bislang nicht.

Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gilt das Nipah-Virus ebenfalls als ein selten auftretender, aber extrem gefährlicher Krankheitserreger. Grosse Ausbrüche gab es bislang nicht. Die bekannten Fälle traten meist in kleinen Clustern auf.

Tiere und Obst als hauptsächliche Gefahrenquellen

Der Erreger wird hauptsächlich von Tieren auf Menschen übertragen, vor allem durch Fruchtfledermäuse und Vögel, aber auch durch den Kontakt mit kontaminierten Lebensmitteln oder Gegenständen. Besonders tückisch: Auch Mensch-zu-Mensch-Übertragungen sind möglich, etwa über Körperflüssigkeiten von Infizierten.

A fighting rooster named Taj Kofte stands after being posed for a photo at the bird market. Friday, June 13, 2025, Kabul, Afghanistan. (AP Photo/Ebrahim Noroozi)
Afghanistan Cockfighting Photo Gallery
Vögel können das Virus übertragen.Bild: keystone

Die Inkubationszeit des Virus liegt bei vier bis 14 Tagen. Danach kommt es häufig zu grippeähnlichen Symptomen wie Kopfschmerzen, Muskelschmerzen, Erbrechen und Halsschmerzen. Später folgen Schwindel, Bewusstseinsstörungen und im schlimmsten Fall akute Enzephalitis, also eine lebensgefährliche Hirnentzündung.

In Indien stellten Ärzte den aktuellen Ausbruch zunächst in einem privaten Spital nahe Kolkata fest. Die ersten Patient:innen zeigten laut vietnam.vn schweres Fieber und massive Atemprobleme. Sie mussten intensivmedizinisch behandelt werden. Die Behörden starteten sofort mit Kontaktverfolgung und flächendeckenden Tests.

Vietnamesische Behörden verhängen strikte Vorsichtsmassnahmen

Vietnam reagiert auf die aktuellen Ausbrüche mit einer umfassenden Prävention. Laut «vnexpress.net» wurden alle lokalen Behörden angewiesen, Grenzübergänge, Kliniken und Gemeinschaften stärker zu überwachen. Ziel ist es, potenzielle Infektionsketten im Keim zu ersticken.

Besonders scharf kontrolliert werden Rückkehrende aus betroffenen Gebieten. Wer innerhalb von 14 Tagen nach seiner Rückkehr Symptome zeigt, soll sich sofort in medizinische Behandlung begeben und Kontakt zu anderen vermeiden.

epa11717356 The President of Vietnam, Luong Cuong, arrives aboard a Vietnam Airlines plane at the Callao Air Base for an official visit to the country and to participate in the Asia-Pacific Economic C ...
Wer nach Vietnam fliegt, sollte bestimmte Massnahmen beachten.Bild: keystone

Doch auch in anderen asiatischen Ländern ist die Alarmbereitschaft hoch. In Thailand werden laut «vietnam.vn» an den Flughäfen Suvarnabhumi und Don Mueang bereits wieder Gesundheitskarten verteilt. Nepal verstärkte die Kontrollen an den Landesgrenzen und am internationalen Flughafen in Koshi. Taiwan denkt über eine Aufnahme des Nipah-Virus in seine Liste meldepflichtiger Infektionskrankheiten nach.

Das gilt bei Vietnam-Ferien

Auch der Umgang mit Lebensmitteln steht im Fokus: Die Behörden in Vietnam forderten die Bevölkerung auf, keine Früchte zu essen, die von Tieren angeknabbert wurden. Denn befallene Fledermäuse oder Vögel hinterlassen möglicherweise das Virus auf der Frucht.

Auf den Verzehr von frischem Palm- oder Kokosnusssaft sollte ebenfalls verzichtet werden. Obst sollte nur gekocht gegessen werden. Wasser sollte abgekocht werden. Häufiges Händewaschen gehört ebenfalls zu den Empfehlungen.

Auch im Alltag gilt: Kein enger Kontakt zu Tieren, die potenzielle Träger sein könnten – insbesondere Fruchtfledermäuse. Beim Umgang mit rohem Fleisch oder lebenden Tieren wird zu Schutzausrüstung und gründlicher Hygiene geraten. Wer Pflegepersonal betreut oder zu Erkrankten Kontakt hat, soll unbedingt Maske, Handschuhe und Desinfektionsmittel verwenden.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
22 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
El_Chorche
27.01.2026 17:45registriert März 2021
Das hat auf meiner Bingokarte für 2026 gerade noch gefehlt.
496
Melden
Zum Kommentar
avatar
Acai
27.01.2026 18:48registriert März 2017
Nein, bitte nicht. Corona war genug für die nächsten 100 Jahre.
215
Melden
Zum Kommentar
avatar
Lennny
27.01.2026 18:46registriert Juni 2021
Hoffentlich beobachtet die Schweiz die Lage schon mal fleissig.
3624
Melden
Zum Kommentar
22
Seltenes Nipah-Virus: Teile Asiens wegen Fällen in Indien besorgt
Nur zwei Fälle – doch das Nipah-Virus ist tödlich: Je nach Quelle soll es eine Sterblichkeitsrate von bis zu 92 Prozent aufweisen. Wie reagiert Indien, und warum sorgt das auch in anderen Teilen Asiens für Alarm?
Indien hat zwei neue Infektionen mit dem gefährlichen Nipah-Virus gemeldet. Seit Dezember habe es «nur» zwei nachgewiesene Fälle im östlichen Bundesstaat Westbengalen gegeben, teilte das Gesundheitsministerium unter Berufung auf das staatliche Zentrum für Krankheitskontrolle mit. Kursierende Berichte über weitere Infektionsfälle seien falsch. Als Reaktion auf die beiden Infektionsfälle seien die Überwachung, die Labortests und Vor-Ort-Untersuchungen verstärkt worden.
Zur Story