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Verschleppte Schweizer Botschaftsmitarbeiterin: Sri Lanka äussert Zweifel



Sri Lanka hat Vorwürfe einer Mitarbeiterin der Schweizer Botschaft in Colombo über deren mutmassliche Entführung zurückgewiesen. Eine offizielle Untersuchung der Regierung des südasiatischen Landes zieht Aussagen der Frau in Zweifel.

Ein Sicherheitsbeamter vor der Schweizer Botschaft in Colombo. (Archivbild)

Ein Sicherheitsbeamter vor der Schweizer Botschaft in Colombo. (Archivbild) Bild: KEYSTONE

Die Behörden informierten am Sonntag laut eigenen Angaben den Schweizer Botschafter Hanspeter Mock über den Stand der Untersuchung. Dem srilankischen Aussenministerium zufolge soll es Unstimmigkeiten in den Angaben der Botschaftsmitarbeiterin geben.

«Dem Botschafter wurden Beweise vorgelegt, die deutlich zeigen, dass die Abfolge der Ereignisse und die Chronologie des angeblichen Vorfalls (....) in keiner Weise den tatsächlichen Bewegungen des angeblichen Opfers an diesem Tag entsprach», hiess es in einer Erklärung des Ministeriums.

Die Polizei befragte demnach Zeugen und sammelte Beweise wie Taxi-Belege, Aufnahmen von Überwachungskameras, Telefonaufzeichnungen und GPS-Daten. Die Ermittler wollten die Mitarbeiterin interviewen und baten sie, sich einer medizinischen Untersuchung zu unterziehen.

Schweiz fordert lückenlose Aufklärung

Da das mutmassliche Opfer behauptet habe, bei der angeblichen Entführung verletzt worden zu sein, verlangten die Ermittler, dass sich die Frau einer Untersuchung durch einen von den Gerichten im Land anerkannten Vertrauensarzt unterzieht, wie es in der Mitteilung des Ministeriums weiter hiess.

Das Schweizer Aussendepartement EDA hatte zuvor eine rasche und lückenlose Aufklärung des Vorfalls und Sicherheitsgarantien für das Botschaftspersonal verlangt. Die Botschaft arbeitet laut einer früheren Mitteilung mit den srilankischen Behörden zusammen.

Die lokale Botschaftsmitarbeiterin war laut Angaben der Schweizer Vertretung am Montag von unbekannten Männern in einer Strasse von Colombo in ein Auto gezerrt und bedroht worden. Sie sollte den Schweizer Angaben zufolge «botschaftsbezogene» Informationen preisgeben.

Die Mitarbeiterin war auch Tage nach dem angeblichen Vorfall noch nicht vernehmungsfähig. Der Gesundheitszustand der Frau habe sich verschlechtert, heisst es in einer Mitteilung der Botschaft vom Freitag. Die Frau sei deshalb zurzeit nicht in der Verfassung, eine Aussage zu machen. Genauere Angaben zum Gesundheitszustand der Frau machte die Botschaft nicht.

Staatschef unter Korruptionsverdacht

Laut Medienberichten soll die Entführte zur Herausgabe von Mobilfunkdaten von Bürgern Sri Lankas gezwungen worden sein, die kürzlich in der Schweiz Asylanträge gestellt hatten. Nach rund zwei Stunden wurde sie demnach wieder freigelassen.

Der Überfall auf die Angestellte ereignete sich laut Medienberichten einen Tag nach einem angeblichen Asylantrag eines hochrangigen Mitarbeiters der Polizei Sri Lankas bei den Schweizer Behörden. Der hohe Untersuchungsbeamte soll bereits am Sonntag in die Schweiz geflüchtet sein. Von Seiten der Schweizer Behörden gab es dazu keine Angaben.

Der Mann hatte demnach Korruptionsfälle und Menschenrechtsverletzungen in seinem Land untersucht, namentlich während des ersten Rajapaksa-Regimes von 2005 bis 2015. Der Clan hat die Vorwürfe stets bestritten.

In der vergangenen Woche konsolidierten der neue Präsident Gotabaya Rajapaksa und sein älterer Bruder Mahinda als neuer Regierungschef ihre Macht. Die Justizbehörden stellten die Korruptionsermittlungen gegen den 70-jährigen Staatschef unter Hinweis auf seine neu gewonnene Immunität ein. (sda/afp)

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