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Was wir über den Täter von Hanau wissen

20.02.2020, 10:2920.02.2020, 11:50

In Hanau, 20 Kilometer östlich von Frankfurt, fielen in der Nacht auf Donnerstag Schüsse. Dabei kamen nach bisherigem Kenntnisstand 11 Personen ums Leben. Erst nach Stunden der Suche fanden die Sicherheitskräfte den mutmasslichen Täter Tobias R. zusammen mit seiner Mutter tot in seiner Wohnung in der Stadt. Nun ermittelt die Polizei zu den Hintergründen der Tat.

Dabei lassen sich bereits jetzt aus einem Bekennerschreiben und einem kurz zuvor auf YouTube veröffentlichtes Video Rückschlüsse auf den Täter ziehen. Was wir bisher über den 42-jährigen Deutschen wissen:

Einzeltäter

Nach jetzigen Erkenntnissen wurden alle Taten in der Nacht auf Donnerstag von einem Täter verübt. Nach mehreren Stunden Fahndung fand die Polizei Tobias R. zusammen mit seiner Mutter tot in seiner Wohnung. «Aktuell gibt es keine Hinweise auf weitere Täter», schreibt die Polizei auf Twitter.

Das YouTube-Video

Vier Tage vor den Gewalttaten in Hanau veröffentlichte der mutmassliche Täter ein Video auf YouTube. Darin spricht er in englisch zu den Amerikanern. «Euer Land ist unter der Kontrolle von unsichtbaren und geheimen Gruppierungen», so der Schütze zu Beginn des Videos.

Die weiteren Ausführungen lassen darauf schliessen, dass R. ein Anhänger diverser Verschwörungstheorien war. Zum Schluss fordert er die Amerikaner zur Gewalt gegen diese geheimen Gruppierungen auf. Ein Hinweis eine Tat in Deutschland selbst gibt es im Video jedoch keine.

Das Video ist weiterhin online, die private Homepage wurde mittlerweile vom Netz genommen.

Rassistisches Gedankengut

Neben den Verschwörungstheorien äussert er sich in seinen Videos negativ über Migranten aus arabischen Ländern und der Türkei. Ausserdem bekennt er sich darin offen zu rassistischem Gedankengut.

Diese Videos und die Auswahl der Tatorte – beides Schischabars – lassen den Schluss zu, dass der Terrorist aus rassistischen Motiven gemordet hat. Nach Informationen der Bild stehe im Bekennerschreiben, dass man bestimmte Völker vernichten müsse, weil deren Ausweisung aus Deutschland nicht mehr möglich ist.

CDU-Politiker und hessischer Innenminister Peter Beuth bestätigt gegenüber der dpa ein fremdenfeindliches Motiv.

Das Bekennerschreiben

In einem Twitter-Thread analysiert Peter R. Neumann, Direktor des «International Centre for the Study of Radicalisation» am Londoner King’s College, das 24-seitige Manifest von R. Darin schreibt er, aus dem Schreiben werde klar, dass der Verfasser Ausländer und andersfarbige Menschen hasse. Zwar werde der Islam nicht namentlich als Feind genannt, die Auswahl der «feindlichen» Länder deute aber ebenfalls auf Islamophobie hin.

«Er hasst Ausländer und Nicht-Weisse. Auch wenn er den Islam nicht direkt erwähnt, ruft er zur Vernichtung von verschiedenen Ländern in Nordafrika, im Mittleren Osten und Zentralasien auf (die alle mehrheitlich muslimisch sind.)» Weiter beziehe er sich explizit auf die nationalsozialistische Rassentheorie. Er rechtfertige seinen Aufruf zum Völkermord damit, dass «die Wissenschaft beweise, dass manche Rassen überlegen seien».

Neumann bezeichnet Tobias R. aus Hanau als Incel. Die Incel sind eine Internet-Subkultur, die nach Eigenaussage unfreiwillig im Zölibat leben, weil sie keine Partner finden.

Im Bekennerschreiben wird ausserdem ersichtlich, dass der Schütze unter Paranoia litt. Er sei überzeugt davon, dass Donald Trump und Liverpool-Coach Jürgen Klopp mittels Gedankenlesen seine Ideen geklaut haben. Neumanns Fazit: Der mutmassliche Täter aus Hanau sei ein rechtsradikaler Incel mit schwerwiegenden psychischen Problemen.

Weitere Informationen folgen...

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Terror in Hanau: 10 Tote durch Schüsse in deutscher Stadt

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Terror in Hanau: 11 Tote durch Schüsse in deutscher Stadt
quelle: ap / michael probst
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