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Was wir über den Täter von Hanau wissen



In Hanau, 20 Kilometer östlich von Frankfurt, fielen in der Nacht auf Donnerstag Schüsse. Dabei kamen nach bisherigem Kenntnisstand 11 Personen ums Leben. Erst nach Stunden der Suche fanden die Sicherheitskräfte den mutmasslichen Täter Tobias R. zusammen mit seiner Mutter tot in seiner Wohnung in der Stadt. Nun ermittelt die Polizei zu den Hintergründen der Tat.

Dabei lassen sich bereits jetzt aus einem Bekennerschreiben und einem kurz zuvor auf YouTube veröffentlichtes Video Rückschlüsse auf den Täter ziehen. Was wir bisher über den 42-jährigen Deutschen wissen:

Einzeltäter

Nach jetzigen Erkenntnissen wurden alle Taten in der Nacht auf Donnerstag von einem Täter verübt. Nach mehreren Stunden Fahndung fand die Polizei Tobias R. zusammen mit seiner Mutter tot in seiner Wohnung. «Aktuell gibt es keine Hinweise auf weitere Täter», schreibt die Polizei auf Twitter.

Das YouTube-Video

Vier Tage vor den Gewalttaten in Hanau veröffentlichte der mutmassliche Täter ein Video auf YouTube. Darin spricht er in englisch zu den Amerikanern. «Euer Land ist unter der Kontrolle von unsichtbaren und geheimen Gruppierungen», so der Schütze zu Beginn des Videos.

Die weiteren Ausführungen lassen darauf schliessen, dass R. ein Anhänger diverser Verschwörungstheorien war. Zum Schluss fordert er die Amerikaner zur Gewalt gegen diese geheimen Gruppierungen auf. Ein Hinweis eine Tat in Deutschland selbst gibt es im Video jedoch keine.

Das Video ist weiterhin online, die private Homepage wurde mittlerweile vom Netz genommen.

Rassistisches Gedankengut

Neben den Verschwörungstheorien äussert er sich in seinen Videos negativ über Migranten aus arabischen Ländern und der Türkei. Ausserdem bekennt er sich darin offen zu rassistischem Gedankengut.

Diese Videos und die Auswahl der Tatorte – beides Schischabars – lassen den Schluss zu, dass der Terrorist aus rassistischen Motiven gemordet hat. Nach Informationen der Bild stehe im Bekennerschreiben, dass man bestimmte Völker vernichten müsse, weil deren Ausweisung aus Deutschland nicht mehr möglich ist.

CDU-Politiker und hessischer Innenminister Peter Beuth bestätigt gegenüber der dpa ein fremdenfeindliches Motiv.

Das Bekennerschreiben

In einem Twitter-Thread analysiert Peter R. Neumann, Direktor des «International Centre for the Study of Radicalisation» am Londoner King’s College, das 24-seitige Manifest von R. Darin schreibt er, aus dem Schreiben werde klar, dass der Verfasser Ausländer und andersfarbige Menschen hasse. Zwar werde der Islam nicht namentlich als Feind genannt, die Auswahl der «feindlichen» Länder deute aber ebenfalls auf Islamophobie hin.

«Er hasst Ausländer und Nicht-Weisse. Auch wenn er den Islam nicht direkt erwähnt, ruft er zur Vernichtung von verschiedenen Ländern in Nordafrika, im Mittleren Osten und Zentralasien auf (die alle mehrheitlich muslimisch sind.)» Weiter beziehe er sich explizit auf die nationalsozialistische Rassentheorie. Er rechtfertige seinen Aufruf zum Völkermord damit, dass «die Wissenschaft beweise, dass manche Rassen überlegen seien».

Neumann bezeichnet Tobias R. aus Hanau als Incel. Die Incel sind eine Internet-Subkultur, die nach Eigenaussage unfreiwillig im Zölibat leben, weil sie keine Partner finden.

Im Bekennerschreiben wird ausserdem ersichtlich, dass der Schütze unter Paranoia litt. Er sei überzeugt davon, dass Donald Trump und Liverpool-Coach Jürgen Klopp mittels Gedankenlesen seine Ideen geklaut haben. Neumanns Fazit: Der mutmassliche Täter aus Hanau sei ein rechtsradikaler Incel mit schwerwiegenden psychischen Problemen.

Weitere Informationen folgen...

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Terror in Hanau: 10 Tote durch Schüsse in deutscher Stadt

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    Alle Leser-Kommentare
  • buf-e kur 21.02.2020 07:26
    Highlight Highlight Come on, watson. Incels sind nicht nur einfach eine Subkultur, die unfreiwillig im Zölibat leben. Die Incel-Subkultur ist stark misogyn. Es gab auch schon andere Anschläge durch Incels, welche dann in bestimmten Blogs gefeiert werden.
  • Stefan Morgenthaler-Müller 20.02.2020 14:52
    Highlight Highlight Die Summe der "Einzeltäter" in Deutschland, die aus fremdenfeindlichen Motiven Menschen umbringen, ist so hoch, dass man da nicht mehr von Einzeltätern sprechen kann.

    209 Todesopfer seit 1990.

    "Todesopfer rechtsextremer Gewalt in der Bundesrepublik Deutschland"; gebt das in Wikipedia ein.
  • weissauchnicht 20.02.2020 13:14
    Highlight Highlight Wurden bei islamistischen Täter eigentlich jeweils auch so detaillierte psychologische Profile erstellt um deren Gewalt zu relativieren, oder ist dies ein Privileg rassistischer Gewalt?

    Ich finde die Vergleiche zwar blöd, aber bezeichnet rassistischen Terror doch bitte auch als genau das, was es ist. Rassismus braucht genauso wenig Relativierung oder Verharmlosung wie Islamismus...
  • John Henry Eden 20.02.2020 12:30
    Highlight Highlight Also muss man eigentlich "froh" sein, dass er sich noch selber umgebracht hat.

    Täter mit schwerwiegenden psychischen Problemen sind in der Regel schuldunfähig. Er wäre also in die Psychiatrie gekommen. Kein allzu potentes Mittel, um ein staatliches Exempel gegen Rechtsextremismus zu setzen. Jetzt stehen dem Staat hingegen viele Mittel und Wege offen.

  • Special K 20.02.2020 11:47
    Highlight Highlight Hört auf, über den Täter zu schreiben. Damit glorifiziert ihr ihn und seine Tat und macht ihn zum Star der rechtsextremen Szene. Sprecht über die Opfer.
    • Hoci 20.02.2020 11:57
      Highlight Highlight Wenn och das Opfer wäre wollte ich definitiv KEINE Aufmerksamkeit der Medien. Will ich eh nicht, aber angeschossen geschwächt und armseelig auf gar keinen Fall.
  • Amateurschreiber 20.02.2020 11:07
    Highlight Highlight «die Wissenschaft beweise, dass manche Rassen überlegen seien»

    Falsch, die Wissenschaft (vor allem Genetik) hat bewiesen, dass es nur eine Rasse gibt. Die frühere(n) Rassentheorie(n) gelten schon lange als widerlegt.
    • Heinzbond 20.02.2020 15:33
      Highlight Highlight Ja aber Fakten interessieren doch Rassisten und Verschwörungstheoretiker nicht, die halten das alles für gelenkt...
    • Amateurschreiber 21.02.2020 10:20
      Highlight Highlight Ich bin der Meinung, dass es sehr wenig "echte" Rassisten gibt. Sehr viele sind aber "irrtümlich" rassistisch (sorry, finde keine passendere Bezeichnung). Das heisst, gerade wegen der früher verbreiteten Rassen - Einteilungen glauben viele, dass die "Weissen" tatsächlich weiter entwickelt sind als "Südländer" und vor allem als Asiaten und Afrikaner. Das geschieht meist nicht aus Böswilligkeit, sondern irrtümlich ("Es ist leider so").
      Darum betone ich es immer wieder: Wissenschaftlich betrachtet gibt es nur eine Menschenrasse und alle Menschen sind evolutionär auf dem gleichen Stand!
    • Heinzbond 21.02.2020 16:03
      Highlight Highlight Nun also irrtümlich Rassist... Ich verstehe was du meinst bin aber anderer Meinung. Rassist ist weil man an eine Rassen Lehre, die überholt ist glaubt. Glaube kommt nicht irrtümlich... Genauso wenig wie fehlende Empathie, Intelligenz oder einfach ein Arschloch sein nicht irrtümlich passiert. We brandsätze wirft, wer, andere verprügelt wegen der haut/Religion oder Orientierung, wer Menschen tötet der macht das nicht irrtümlich. Wer afd wählt, der ist entweder Rassist oder sieht tatsächlich im Rest der Parteien keine Alternative, was traurig ist.
  • Lowend 20.02.2020 11:05
    Highlight Highlight Wäre mal was neues, wenn die Medien nicht über den rechtsextremistischen Täter, sondern über dessen Opfer berichten würden?

    Dieser Terrorist braucht kein Verständnis mehr. Die Angehörigen der Opfer brauchen nun unsere Zuwendung!

    An derart verachtenswerte Ideologien und Täter sollte man daher keinen Gedanken mehr verschwenden.

    Helfen kann man eh nur, indem man unsere Gesellschaft aus den Fängen der Rechtspopulisten befreit!
    • Weisser Mann 20.02.2020 11:33
      Highlight Highlight Einverstanden, das Problem ist aber, dass der Bevölkerung, klar gemacht werden muss, dass der rechte Poppulismus auch eine Gefahr ist und dass aussagen wie "ach diese Rechtsextremen tun doch niemanden was, die räumen sogar den Müll weg" einfach falsch ist.

      Die Ideologie und den Wahnsinn des Täters einfach unter den Teppich zu kehren, wäre auch falsch.

      Man könnte aber auch argumentieren, dass die Angehörigen am liebsten in Ruhe gelassen werden wollen, als von Journies belagert.
    • Neemoo 20.02.2020 11:34
      Highlight Highlight Ja ganz deiner Meinung.
      Aufklärung ist aber trotzdem wichtig.
    • El Vals del Obrero 20.02.2020 11:36
      Highlight Highlight Glaube nicht, dass eine voyeuristisch-boulvardeske Berichterstattung über die Opfer oder deren Angehörigen den Angehörigen hilft oder von ihnen als positive Zuwendung verstanden würde, ganz im Gegenteil.
  • Trump ist der Beste! 20.02.2020 10:42
    Highlight Highlight Was interessiert mich ein durchgeknallter Irrer?

    Wer sind die Opfer? Wer trauert um sie? Denkt denn hier wirklich niemand an die Opfer?
    • Tilman Fliegel 20.02.2020 11:11
      Highlight Highlight Nun, gemäss deinem Benutzernamen würde ich "thoughts and prayers" vorschlagen.
    • wasps 20.02.2020 11:28
      Highlight Highlight @Trump, der durchgeknallte Irre hat seine Ideologie von Faschisten wie Höcke und diese wird ihm von Tweets aus Übersee tagtäglich bestätigt. Darum müssen uns neben den Opfern diese durchgeknallten Irren sehr wohl interessieren! Von diesem Dreck gibt es nämlich viel zu viel in unseren warmen Stuben.
    • Amateurschreiber 20.02.2020 13:14
      Highlight Highlight @wasps
      Der Täter ist nur 5 Jahre jünger als Höcke. Das heisst, beide werden ihre Ideologien wohl eher parallel und unabhängig voneinander entwickelt haben. Der Täter entwickelte seine Paranoia ja auch "von Kindesbeinen an".
  • Hoci 20.02.2020 10:40
    Highlight Highlight Ich denke Europa sollte langsam etwas gegen Vereinsamung und Ausgrenzung tun. Keine Ahnung wie man auffällige inztegriert, aber sicher ist viel mehr toleranz und soziales Benehmen, hinschauen und beteiligen nötig.
    • John Henry Eden 20.02.2020 16:14
      Highlight Highlight Merci, Hoci.

      Ein vernünftige, warmherzige und auch überfällige Botschaft. Einsamkeit ist die Volkskrankheit unserer Zeit. Jeder einsame Mensch ist traurig. Kommt er mit der Trauer nicht klar, folgen Wut und Zorn.

      Mir kommt dabei immer der Täter vom Rheintal in den Sinn. Er wurde wegen seines extremen Schielens übel verspottet und fand deswegen auch keine Freundin. Aus seiner Trauer wurde Wut und Zorn.
  • Der Buchstabe I 20.02.2020 10:37
    Highlight Highlight Betiteln wir den "Schützen" doch bitte als das, was er ist: TERRORIST.

    Die Medien sollen endlich aufhören, ein Blatt vor den Mund zu nehmen unf die deutsche Regierung muss endlich hinsehen. Es gibt nunmal ein Problem mit Rechtsterrorismus in Deutschland. Was muss denn bitte noch passieren, bis es endlich auch offziell als solches wahrgenommen wird?
    Benutzer Bild
    • Amateurschreiber 20.02.2020 12:54
      Highlight Highlight Ein bisschen muss ich da die Medien, die Politik und die "Öffentlichkeit" in Schutz nehmen: Terrorismus und Gewalt wird von allen als schlimm empfunden. ABER: Linker- und islamistischer Terrorismus erfolgt gegen die Einheimischen. Der rechte Terror aber gegen "Fremde". Darum hat man als "Einheimischer" weniger Angst vor den Rechten, weil es einen selber nicht trifft. Ergo ist es auch weniger ein Aufreger.

      Siehe auch:
      (Wer keine Zeit hat, einfach auf 2:50 vorspulen)
      Play Icon

    • Boston5 20.02.2020 13:33
      Highlight Highlight @Der Buchstabe I: Bin deiner Meinung!
      Es ist auch keine Gewalttat sonder schlicht und einfach ein Terroranschlag.
    • Kubod 20.02.2020 13:37
      Highlight Highlight Womit er recht hat.
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