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Cattle graze in a land recently burned and deforested by cattle farmers near Novo Progresso, Para state, Brazil, Sunday, Aug. 23, 2020. (AP Photo/Andre Penner)

Vieh weidet auf einer Fläche, die jüngst mithilfe von Bränden gerodet wurde (in der Nähe von Novo Progresso in Brasilien, 23. August 2020). Bild: keystone

Der Amazonas steht in Flammen: So viele Brände gab es im August noch nie

Die Zahl der Brände im brasilianischen Amazonas-Gebiet steigt weiter an. Allein im Gliedstaat Amazonas wurden im August 7766 Feuer festgestellt.



Das Nationale Institut für Weltraumforschung Inpe hat zwischen dem 1. August und 30. August 7766 Feuer allein im Amazonas-Gebiet (= fast 20 Prozent der Landesfläche) gezählt. Das ist der höchste Wert für den Monat August seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1998.

In der ersten Hälfte des Jahres 2020 ist die Anzahl der Brände im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund 52 Prozent gestiegen.

Fire consumes land recently deforested by cattle farmers near Novo Progresso, Para state, Brazil, Sunday, Aug. 23, 2020. Environmentalists say that the Amazon has lost about 17% of its original area and, fear at the current it could reach a tipping point in the next 15 to 30 years after which it could cease to generate enough rainfall to sustain itself. (AP Photo/Andre Penner)

Ein Grossteil der Brände wurde von Menschen gelegt, für die Landwirtschaft und Viehzucht, den Bergbau und Holz. Bild: keystone

Der August ist für gewöhnlich einer der trockensten Monate in der Region. Dennoch fängt der Amazonas-Regenwald nicht von alleine Feuer. Die meisten Brände werden Experten zufolge gelegt, um Flächen für Landwirtschaft und Viehzucht bereitzustellen.

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Rauchwolken zeugen von den Brandherden im Amazonas-Gebiet, 1. August 2020. bild: nasa

Bolsonaros Löschpläne verschlimmern die Situation

Umweltschützer werfen dem brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro, der seit 1. Januar 2019 im Amt ist, vor, die Brände in Kauf zu nehmen. Bolsonaro ist ein Befürworter der wirtschaftlichen Ausbeutung des Amazonas-Gebiets und hat die Umwelt- und Kontrollbehörden gezielt geschwächt.

Auf Druck von Investoren sandte Bolsonaro Soldaten – mit der Mission namens «Verde Brasil 2» – in die betroffenen Gebiete aus, um der Brände Herr zu werden. Doch die Streitkräfte dürften das Problem noch verschärft haben.

Brazil's President Jair Bolsonaro, smiles while speaking at a ceremony launching the housing program

Legt dem Umweltschutz viele politische Steine in den Weg: Brasiliens amtierender Präsident Jair Bolsonaro. Bild: keystone

Anstatt illegale Rodungen aufzuspüren und zu bestrafen, liegt der Fokus der Streitkräfte gemäss der Associated Press (AP) auf Dutzenden Projekten zum Strassen- und Brückenbau. Die neue Infrastruktur soll den Zugang zu geschützten Zonen und den Export von Rohstoffen wie Holz verbessern.

Die Zahl der wegen Umweltvergehen verhängten Bussen ist «AP» zufolge innerhalb von vier Jahren um fast auf die Hälfte zurückgegangen — hauptsächlich während Bolsonaros Regierungszeit.

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Auswertungen der NASA zeigen, dass in den südlichen Amazonas-Bundesstaaten die Zahl der Brände in wichtigen Entwaldungs-Hotspots zugenommen hat. grafik: nasa

Auch ein 120-Tage-gültiges Verbot von Brandstiftung im Amazonas-Gebiet hat Bolsonaro im Juli 2020 verhängt. Die Grafik der «NASA» zeigt, dass dieser Bann kaum Wirkung entfaltet.

Umweltministerium übt Druck aus

Das Umweltministerium hatte am Freitag zunächst angekündigt, dass alle Operationen zur Bekämpfung der illegalen Abholzung und Brandrodungen aus Budgetgründen von Montag an ausgesetzt würden.

Nachdem Vize-Präsident Hamilton Mourão die Äusserungen von Umweltminister Ricardo Salles als voreilig bezeichnet hatte, gab das Ministerium in einer Erklärung am Abend bekannt, dass die Mittel für Ibama und ICMBio freigegeben worden seien und die Vorhaben damit normal weitergehen würden. (adi/sda/dpa)

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Brände im Amazonas-Gebiet

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Brände im Amazonas-Gebiet
quelle: ap
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