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Aus Wut wegen Affenpocken: In Brasilien werden Affen vergiftet und verfolgt

In Brasilien fürchten sich die Menschen vor Affenpocken. Zu spüren bekommen dies auch die Affen: Mindestens sieben von ihnen wurden getötet – obwohl kein direkter Zusammenhang zur Krankheit besteht, wie die WHO warnt.
12.08.2022, 22:08

Zehn Affen gerettet – nur drei überlebten

Affen seien nicht Schuld an dem Affenpocken-Ausbruch, warnt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) an einer Pressekonferenz am Dienstag. Die Aussage bezog sich dabei auf Berichte, wonach Affen in Brasilien wegen den Affenpocken vergiftet und getötet worden seien.

Mindestens zehn Affen wurden demnach in São José do Rio Preto im brasilianischen Bundesstaat São Paulo gerettet, nachdem sie in schlechtem Gesundheitszustand aufgefunden worden waren. Die Affen der Weissbüschelaffen- und Kapuzinerarten hätten Anzeichen von Vergiftung oder Aggression gezeigt, berichtete das brasilianische Nachrichtenportal «G1» am Montag. Sieben der Affen verstarben trotz Rettung, drei werden noch vom Rio Preto Zoo überwacht.

Die Umweltmilitärpolizei vermutet, dass die Vergiftungsfälle in Zusammenhang mit den Affenpocken stehen. Aus diesem Grund untersuche die Zivilpolizei laut Polizeichef João Lafayette Sanches nun, ob die Fälle einen kriminellen Hintergrund haben. Zudem würden die tierischen Organe untersucht, um die genaue Todesursache zu identifizieren. Sollte es sich tatsächlich um Misshandlung oder Tötung handeln, werde die Zivilpolizei nach der Täterschaft ermitteln. Als weitere Massnahme wird die Umweltmilitärpolizei nun häufiger in den Waldgebieten der Region patrouillieren, wodurch weitere Angriffe verhindert werden sollen.

Die Strafe auf die Misshandlung eines Tieres liegt in Brasilien zwischen drei Monaten und einem Jahr, wird aber erhöht, falls das betroffene Tier stirbt.

Fälle im ganzen Land

Die Fälle beschränken sich nicht nur auf den Bundesstaat São Paulo, wie der Hauptkoordinator des Nationalen Netzwerks zur Bekämpfung von Wildtierhandel, Dener Giovanni, sagt. So seien an mehreren Orten im Land Fälle von Steinigung, Verfolgung und Vergiftung von Affen registriert worden.

Ein Äffchen der Kapuzinerart. Die in Brasilien lebenden Affen sind ins Visier falsch informierter Brasilianer und Brasilianerinnen gerückt.
Ein Äffchen der Kapuzinerart. Die in Brasilien lebenden Affen sind ins Visier falsch informierter Brasilianer und Brasilianerinnen gerückt.Bild: shutterstock

Seit diese neue Krankheit aufgetaucht sei, habe man eine Zunahme der Fälle festgestellt, so Giovanni weiter. Die Affen würden aufgrund der schlechten Aufklärung der brasilianischen Bevölkerung verfolgt. Und dies völlig zu Unrecht, wie Margaret Harris, Sprecherin der WHO, betont:

«Die Übertragung findet durch engen Kontakt statt. Man sollte sich eher darum sorgen, wo die Krankheit in der menschlichen Bevölkerung übertragen wird und was die Menschen dafür tun können, um sich vor einer Ansteckung und Übertragung zu schützen. Sie sollten auf keinen Fall irgendwelche Tiere angreifen.»

Krankheiten mit Tiernamen nicht mehr erwünscht

Um Stigmatisierung und rassistische Untertöne zu vermeiden, fordern einige Wissenschaftler und Wissenschafterinnen einen neuen Namen für die Krankheit. Es gebe schon seit Langem Bestrebungen, Krankheiten nicht mehr nach Tieren oder Regionen zu benennen, um jegliche Möglichkeit von Diskriminierung oder Stigmatisierung vorzubeugen, sagte ein WHO-Sprecher bereits im Juni an einer Pressekonferenz. Zuvor hatte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus in Genf angekündigt, dass es in Kürze eine Entscheidung geben soll. Sprecherin Harris bestätigte erneut, dass noch über einen neuen Namen für das Virus diskutiert würde. Eine Ankündigung werde bald erfolgen.

Was sind Affenpocken?
Bei Affenpocken handelt es sich um eine weniger gefährliche Verwandte der seit etwa vierzig Jahren ausgerotteten Pocken. Die Krankheit beginnt mit hohem Fieber und entwickelt sich schnell zu einem Hautausschlag mit Krustenbildung.

Die Infektionserkrankung wird von Tieren auf den Menschen übertragen (Zoonose). Von Mensch zu Mensch erfolgt die Übertragung durch nahen Körperkontakt. Aktuell konzentriert sich der Ausbruch weitgehend auf Männer, die Sex mit Männern haben. Ansteckend sind Infizierte ab dem Auftreten erster Symptome bis zum Ende des Hautausschlags. Ist die Infektion überstanden, sind die Kranken gegen künftige Ansteckungen mit den Affenpocken immun.

Infizierte müssen sich möglichst von anderen Menschen und dem öffentlichen Verkehr fernhalten. Während 21 Tagen sollen sie auf Sex verzichten und hinterher acht Wochen lang ein Kondom benutzen. Kontakt zu Tieren, auch zu Haustieren, ist während der ansteckenden Phase zu unterlassen, da Affenpocken eine Zoonose sind. Hinzu kommen weitere Verhaltensregeln. (sda)

Den Namen erhielt das Virus 1958 in Dänemark, nachdem es in einer Gruppe von Laboraffen gefunden worden war. Allerdings gehe man davon aus, dass das Virus hauptsächlich in Nagetieren vorkomme, erklärt Harris weiter.

Gemäss dem Zentrum für Krankheitskontrolle und Prävention (CVS) sind in Brasilien bisher 2131 Affenpocken-Fälle registriert worden. Auf der Rangliste der absoluten Fallzahlen belegt Brasilien nach den USA, Spanien, Deutschland, Grossbritannien und Frankreich damit den sechsten Platz. In den USA wurde aufgrund der Ausbreitung der Affenpocken vergangene Woche der nationale Notstand ausgerufen. In der Schweiz sind bisher 368 Fälle gemeldet worden – mit 168 Fällen ist der Kanton Zürich am meisten davon betroffen. (saw)

Mit Material der Nachrichtenagenturen sda und dpa.

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In letzter Sekunde – Zoowärter rettet Affen vor Ertrinken

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28 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Byleth
12.08.2022 23:39registriert Juli 2022
Die Menschheit ist wirklich am verblöden. Bestimmt hat da jemand auf Social Media irgendeine schwurbel Scheisse verbreitet.
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Name_nicht_relevant
13.08.2022 00:14registriert Mai 2019
Die Menschen sind die schlimmsten Raubtiere der Welt und oft einfach nur minderintelligent, wer sowas tut.
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Forest
12.08.2022 23:41registriert April 2018
Traurig :(
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Pierre Servent ist in Paris ein bekanntes Gesicht: Der 68-jährige französische Militärstratege und Publizist kommentiert für französische Medien Fragen der europäischen Sicherheit und Verteidigung – momentan vor allem rund um den Krieg in der Ukraine. Als Reserveoffizier mit früheren Einsätzen in Afghanistan, Afrika und dem Balkan verfügt er über beste Kontakte zu Geheimdiensten im Nato-Raum. Früher auch Sprecher des französischen Verteidigungsministeriums hat Servent zahlreiche Bücher über den Zweiten Weltkrieg und französische Präsidenten verfasst.

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