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Coronavirus: Warum Schweden einen Sonderweg geht

epa08378415 People gather in a cafe to enjoy the warm spring weather in Stockholm, Sweden, 22 April 2020, amid the ongoing coronavirus COVID-19 pandemic. Countries around the world are taking increase ...
In Schweden lief das öffentliche Leben weiter – trotz Corona-Pandemie.Bild: EPA

Schweden übte den Pandemie-Notfall vor Jahren – darum gehen sie jetzt ihren Sonderweg

20.05.2020, 07:3717.11.2020, 14:23

Der sogenannte schwedische Sonderweg ist international umstritten und sorgte auch in Deutschland für gemischte Meinungen. Während in fast allen europäischen Ländern während der Corona-Pandemie ein Lockdown verhängt wurde und das öffentliche Leben in grossen Teilen eingeschränkt war, lief das Leben in Schweden weiter.

Nicht alle Experten sind von dieser Strategie überzeugt. Schweden musste sich aus unterschiedlichen Ländern Kritik gefallen lassen. Mit gut 3700 Todesfällen hat das Land in Relation zu seinen Einwohnern eine höhere Todesrate zu beklagen als die skandinavischen Nachbarländer oder Deutschland. Warum also entschied sich Schweden als einziges Land für diesen Weg?

Schweden simulierte bereits 2010 eine Pandemie

Neue Dokumente aus Malmö könnten nun eine Antwort auf diese Fragen liefern. Denn es kommt heraus: Das Land hatte 2010 den Umgang mit einer solchen Epidemie bereits geprobt. Darüber hatte zunächst die schwedische Zeitung «Sydsvenskan» berichtet.

Anlass für die Simulation war die Schweinegrippe im Jahr 2009. Sicherheitsexperten hatten veranlasst, eine Risikoanalyse mit rund 740.00 Einwohnern der Region Malmö durchzuführen. Ausserdem überprüften sie die Effektivität gewisser Schutzmassnahmen. Dazu zählten etwa Schulschliessungen und Bewegungseinschränkungen. Über Jahre hinweg werteten Experten diese Simulation aus.

Die Ergebnisse dieser Auswertung könnten nun die Entscheidungshilfe für den Umgang mit dem Coronavirus geliefert haben. Denn an dem Bericht von damals war auch Epidemiologe Anders Tegnell massgeblich beteiligt. Der Experte von der Nationalen Gesundheitsbehörde ist wohl der wichtigste Berater der schwedischen Regierung während der Pandemie überhaupt.

Schulschliessungen hatten nur geringen Effekt

Die damalige Analyse habe demnach etwa gezeigt, dass Schulschliessungen nur einen geringen Effekt auf die Ausbreitung des Virus hätten – obwohl Kinder eine wichtige Rolle bei der Übertragung gespielt hatten.

Die Leiterin der Analyseabteilung im Volksgesundheitsamt, Lisa Brouwers, betont, dass gewisse Aussagen aus den Studien von 2010 auf die heutige Situation anwendbar seien. Sie war damals ebenfalls an der Analyse beteiligt.

Während andere Länder vor allem auf die reinen Infektions- und Todeszahlen durch Corona-Erkrankte schauen, nehme Schweden ihr zufolge die gesamte Gesundheit der Bevölkerung in den Fokus – zum Beispiel auch psychische Folgen, die Schulschliessungen hätten.

(lau)

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