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epa08259321 United Nations High Commissioner for Refugees (UNHCR) members distribute food to migrants and refugees that gathered at the Turkish-Greek border, near Edirne, Turkey, 29 February 2020. The Turkish government announced its decision to no longer stop refugees from reaching Europe, after 33 Turkish soldiers were killed in Idlib, Syria on 27 February.  EPA/ERDEM SAHIN

Mitglieder des UN-Menschenrechtsrates (UNHCR) verteilen Essen an Flüchtlinge an der türkisch-griechischen Grenze. Bild: EPA

Überfüllte Lager, kaum Kliniken: Coronavirus bedroht Flüchtlinge



Flüchtlinge zählen ohnehin zu den Schwächsten der Schwachen. Sollte sich in den verschiedenen Krisenherden das Coronavirus in den Flüchtlingslagern ausbreiten, wären Unzählige der Lungenkrankheit hilflos ausgesetzt.

Schon zu normalen Zeiten ist die Not unter Flüchtlingen und Migranten gross. Wie etwa im Nordwesten Syriens: Dort sind seit Anfang Dezember fast eine Million Menschen vor den Truppen der Regierung geflohen, vor allem Frauen und Kinder.

Lebensmittel, Unterkünfte, Heizmaterial, Medikamente - es fehlt an allem. Und jetzt droht auch noch das Coronavirus. Sollte es sich ausbreiten, droht Unheil unbekannten Masses. «Dann muss man, so brutal sich das anhört, fast schon mit einem Massensterben rechnen», warnt Dirk Hegmanns, Regionaldirektor der Welthungerhilfe.

Migrants gather as riot police guard a gate in Moria refugee camp on the northeastern Aegean island of Lesbos, Greece, Monday, March 16, 2020. The Fire Service said a migrant, who was not further identified, was found dead inside Moria camp after the fire broke out Monday. (AP Photo/Panagiotis Balaskas)

Social Distancing ist in den chronisch überfüllten Flüchtlingslagern undenkbar. Bild: AP

So ist in dem Bürgerkriegsland Syrien glücklicherweise noch kein Fall bekannt. Doch es scheint nur eine Frage der Zeit, bis die ersten Menschen infiziert sind - auch in den Gebieten unter Kontrolle von Rebellen wie um die Stadt Idlib.

Viele Vertriebene leben in völlig überfüllten Lagern, «dicht gedrängt unter unmenschlichen Bedingungen», wie die Hilfsorganisation Save the Children beklagt. Es ist praktisch unmöglich, Kontakt zu meiden. Die Hilfsorganisation Weisshelme verteilt nun Broschüren über Vorbeugemassnahmen. Viel mehr bleibt ihr nicht übrig.

Schon jetzt ist das Gesundheitssystem in der Region völlig überlastet. Durch Luftangriffe der syrischen Armee und des Verbündeten Russland sind viele Krankenhäuser zerstört. Verbreitet sich das Virus, drohen auch die verbliebenen Einrichtungen zusammenzubrechen. Im ganzen Nordwesten Syriens gebe es gerade einmal 50 Beatmungsgeräte, warnt Hegmanns.

Migranten hausen in Zelten

Im türkischen Pazarkule, an der Grenze zu Griechenland, haben Migranten Campingzelte im Wald aufgebaut. Wie viele Menschen sich noch dort aufhalten, ist unklar. Aus Kreisen des griechischen Militärs hiess es: deutlich weniger als noch vor einer Woche, geschätzt zwischen 3000 und 4000. Der türkische Rote Halbmond informiert über Schutzmassnahmen. Es gebe Toiletten zum Hände waschen und Ärzte vor Ort, berichtet die Hilfsorganisation.

Aus Sicht der Vorsitzenden des Istanbuler Büros des Menschenrechtsverein IHD, Gülseren Yoleri, reichen die Toiletten aber nicht aus. «Die Bedingungen, um die Menschen ausreichend zu informieren, sind gar nicht gegeben.» Die Migranten hausten völlig verstreut, die Hygiene sei mangelhaft, es gebe kein fliessendes Wasser, nur Wasserschläuche. «Frauen befüllen Tüten mit Wasser, um darin ihre Wäsche zu waschen», sagt Yoleri.

Dass Risiko, das sich Menschen anstecken, sei sehr hoch. Aus Behördenkreisen heisse es, man wolle nicht, dass ein dauerhaftes Lager an der Grenze entstehe. Was mit den Menschen geschehe, sei völlig unklar. Vielleicht würden sie auch wieder von der Grenze weggebracht und auf die Provinzen aufgeteilt.

Athen verbietet Besuche

Griechenland hat aus Angst vor einem Ausbruch der Corona-Pandemie in den völlig überfüllten Registrierlagern für Migranten eine Reihe von Vorsichtsmassnahmen erlassen. In allen Lagern auf den griechischen Inseln und dem Festland sind derzeit Besuche verboten. Doch humanitäre Organisationen warnen vor einem Ausbruch der neuartigen Lungenkrankheit in den heillos überfüllten Camps.

«Es ist nur eine Frage der Zeit», sagt Dimitris Patestos, Chef der Niederlassung der Organisation Ärzte der Welt auf der Insel Lesbos, der Nachrichtenagentur DPA.

epa08290532 Syrian refugee children poses for the camera in front of makeshift tents at Al Faydah refugee camps, near Zahleh in the Bekaa Valley, Lebanon, 12 March 2020. Syrian refugees are experiencing a difficult life in the camps, free of hygiene and health protection in Lebanon in light of the coronavirus crisis. According to reports, Lebanon registered its third death from the COVID-19 disease caused by the SARS-CoV-2 coronavirus on 12 March, while the number of confirmed cases had jumped to 68. So far, no cases of coronavirus have been reported in the Syrian camps. This week marks the anniversary of the Syrian crisis start 9 years ago.  EPA/NABIL MOUNZER

Syrische Flüchtlingskinder im Libanon. Bild: EPA

Auf Lesbos harren im und um das Lager von Moria derzeit mehr als 19'000 Menschen aus. Eigentlich liegt die Aufnahmekapazität bei knapp 3000. Auch das dortige Krankenhaus hat zu kämpfen. Es wurde für nicht mehr als 30'000 Einwohner gebaut. Jetzt müssen die Ärzte zusätzlich 20'000 Flüchtlinge versorgen.

Das nordafrikanische Bürgerkriegsland Libyen ist das wichtigste Transitgebiet für afrikanische Flüchtlinge, die nach Europa wollen. Viele von ihnen sind hier gestrandet. Oft hausen sie unter elendigen Bedingungen in Lagern.

Die Uno-Mission in Libyen rief alle Konfliktparteien dazu auf, wegen der Corona-Pandemie die Gefechte einzustellen und auch keine weiteren ausländischen Kämpfer ins Land zu schicken. Die öffentliche Versorgung ist durch den Bürgerkrieg stark beeinträchtigt.

Der Präsidentschaftsrat der international anerkannten Regierung von Tripolis rief am Wochenende den Notstand aus. Seit Montag sind alle Grenzen geschlossen. Offiziell gibt es noch keinen Fall von Covid-19. Allerdings werden auch so gut wie keine Tests gemacht.

Kenias Flüchtlingslager

Kenia seinerseits hat nach Uno-Angaben etwa 485'000 Flüchtlinge aufgenommen - mehr als fast jedes andere Land Afrikas. «Natürlich haben wir Bedenken, die wir an jedem stark bevölkerten Ort mit möglichen Hygiene-Problemen hätten», sagt Dana Hughes, die Sprecherin des Uno-Flüchtlingshilfswerk.

JAHRESRUECKBLICK 2016 - NOVEMBER - This undated photo provided by MoMA shows IFO 3, an extension to the world's largest refugee camp complex in Dadaab, Kenya. The photograph is part of the exhibit

Das grösste Flüchtlingslager der Welt in Dadaab, Kenia. Bild: AP MoMA

In den Camps würden zunehmend Seifen verteilt und Helfer im Bereich Gesundheit stärker unterstützt. In einigen ostafrikanischen Ländern wie Uganda könne man auf Erfahrungen aus der Prävention gegen Ebola zurückgreifen.

Einige Experten sind sogar der Meinung, dass manche Flüchtlingslager in Kenia besser gegen einen möglichen Covid-19-Ausbruch gewappnet sind als der Rest es Landes.

Zum Beispiel Dadaaab, sagt die Leiterin der Organisation Care in Kenia, Philippa Crosland-Taylor. In dem einst grössten Flüchtlingslager der Welt, das vor fast 30 Jahren geöffnet wurde, leben etwa 217'000 Menschen. «Die Infrastruktur für die Verteilung von Hilfsmitteln und Diensten ist dort schon vorhanden», sagt Crosland-Taylor. Zudem gebe es bessere medizinische Einrichtungen als in vielen anderen Teilen des Landes. (dfr/sda/dpa)

Flüchtlinge kämpfen gegen Grenzen

Sommaruga auf der griechischen Flüchtlingsinsel Lesbos

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    Alle Leser-Kommentare
  • neutrino 19.03.2020 10:35
    Highlight Highlight Will die Sache nicht verharmlosen, aber momentan herrscht die Meinung vor, dass das Problem nicht riesig sein wird: der Grossteil der Flüchtlinge ist U30, U40. Dort sind die schweren Krankheitsverläufe (Stand heute) sehr selten. Zudem: die meisten Personen mit Vorerkrankungen sterben (tragischerweise) bevor sie im Flüchtlingscamp ankommen oder können die Flucht nicht auf sich nehmen.

    Mit dem Ganzen hängt auch zusammen, dass in gew. Ländern (zB. Swaziland) die durchschnittliche Lebenserwartung unter 40 ist.D.h. so zynisch es tönt: andere Gefahren sind für diese Menschen viel akuter als Corona
  • Turicum04 19.03.2020 09:26
    Highlight Highlight Wir müssen unbedingt unsere Flüchtlinge schützen. Sie sind besonders wehrlos. Zudem sind sie geflüchtet um bei uns Sicherheit zu geniessen. Das haben sie nun aber nicht mehr!
  • Nurmalso 19.03.2020 05:43
    Highlight Highlight Hmm ich hoffe jetz nicht dass sich die armen Flüchtlinge sich bei einem dieser Zürcher anstecken.
  • Todesstern 19.03.2020 05:33
    Highlight Highlight Ich bin ein bisschen besorgt wenn sich das Virus in den armen Regionen der Welt ausbreitet.
  • rudolf_k 19.03.2020 01:38
    Highlight Highlight In den Flüchtlingslagern, wie auch in den ärmeren Ländern, wird sich die Ausbreitung des Virus sowieso nicht aufhalten lassen. Da hier aber die meisten Personen eher jünger sind, wird man davon wahrscheinlich nicht viel merken.
    • Rüebliraupe 19.03.2020 07:31
      Highlight Highlight Ist das deine Entschuldigung, dass man sowieso nichts machen kann?
      Wirklich?

      Ich möchte dir sagen, wie das gerade klingt für mich: Ist ja eh egal, sind sowieso nur Flüchtlinge und so viel Alte hats dort nicht und wenn schon, die Lebensbedingungen sind sowieso katastrophal und viele haben keine Chance...

      Bitte sag mir, dass du es nicht so gemeint hast und bitte vergleiche die Schweiz nie wieder mit einem Flüchtlingslager im Osten.
    • Mr.President 19.03.2020 10:11
      Highlight Highlight Ich denke das ist die Antwort des Planets auf die Überbevölkerung/ Umweltverschmutzung usw.

      Darwin: nur die stärksten überleben. Rest wird dezimiert.
    • rudolf_k 19.03.2020 13:32
      Highlight Highlight @Faxgerät: Worauf beziehst du deine Aussage? Reine Mutmassung. Bei uns ist die Dunkelziffer riesig, d.h. die allermeisten Infizierten merken nichts oder vermuten nur dass sie das Virus haben. Schlechte hygienische Verhältnisse führen allenfalls dazu, dass sich das Virus schneller ausbreiten kann, die Risikogruppen bleiben jedoch dieselben.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Sherlock_Holmes 18.03.2020 23:04
    Highlight Highlight Sollte diese Katastrophe eintreffen, so muss ich ehrlich gestehen, dass sie mein Vorstellungsvermögen im Grunde genommen komplett überfordert.

    Wobei grauenvolles Elend und Massensterben abseits der medialen Hotspots seit Jahren längst Realität ist.

    Ich vermag einzig Organisationen wie «Médecins sans Frontières» zu unterstützen und mich so gut wie möglich dafür einzusetzen, dass hier die diesbezüglich politischen Anstrengungen nicht noch mehr vermindert oder hintergangen werden.

    Gleichzeitig empfinde ich höchste Achtung und Dankbarkeit für jene, welche dort und auch hier im Einsatz sind.
    • Varanasi 18.03.2020 23:36
      Highlight Highlight Es lohnt sich den heutigen Podcast „Fest und Flauschig“ zu hören.
      Der Virologe Drosten war im Interview da. Was er über Afrika sagt, ist verheerend.

      Die Armen werden unglaublich unter diesem Virus leiden.

      Man mag gar nicht wissen, was da noch kommt.
    • Turicum04 19.03.2020 09:30
      Highlight Highlight Corona wird sich in Afrika explosionsartig verbreiten. Die Leute dort sind wehrlos! Wir müssen diese armen Leute sofort zu uns holen. Hier haben sie die beste Medizin. Wir SchweizerInnen sollten uns jetzt etwas zurück halten und diesen armen Leute den Vortritt lassen. Sie haben es verdient!
    • Super8 19.03.2020 14:54
      Highlight Highlight @Turicum04: Sag mal, wie alt bist du? Sowas habe ich mit 16 Jahren rausgelassen als ich noch meinte, das Leben sei ein Ponyhof.
  • Nino F. 18.03.2020 22:51
    Highlight Highlight Was für eine Schande. Lasst uns diese Leute aufnehmen!
    • nadasagenwirjetzteinfachmal 18.03.2020 23:23
      Highlight Highlight nicht einfach nur ein Blitz von mir, das wäre zu billig.
      Ich finde es keine Schande wenn wir jetzt zuerst auf uns schauen um diese Krise zu meistern und nicht auch noch Flüchtlinge aufnehmen und damit lediglich das Problem für beide Seiten verschärfen. Ihr dürft mich gerne blitzen....ohne Kommentar ist das jedoch sehr feige.
    • Adam Smith 18.03.2020 23:49
      Highlight Highlight @nadasagenwirjetzt...
      Ein Herz von mir. Alle aufzunehmen löst weder ihre, noch unsere Probleme. Im Gegenteil, es schafft für uns ein Neues. Wir können Hilfe vor Ort leisten, solange es unsere eigenen Kapazitäten zur Lösung des Corona-Virus-Problems nicht beeinträchtigt. Mehr können und sollte wir momentan nicht tun.
    • derWolf 19.03.2020 00:01
      Highlight Highlight Na klar, Nino. Nur her damit. Das wir dies logistisch nie Stemmen könnten ist ja egal. Schon mal aus dem Fenster geschaut? Wie kommt man auf solche Ideen... und Nein, auch die an der Grenze können nicht kommen. Wer würde das jetzt aufsichnehmen? Selbst Mutti hat sich, und das schon vor dem Virus, von diesem Konzept verabschiedet. Bitte mit dem Kopf denken, nicht nur mit dem Herz
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  • der prophet 18.03.2020 22:29
    Highlight Highlight das ist alles teil des plans
    • nadasagenwirjetzteinfachmal 18.03.2020 23:23
      Highlight Highlight aha du hast einen Plan, erzähl uns mehr davon.................
    • Locutus70 19.03.2020 01:18
      Highlight Highlight @der prophet - Da sag noch einer, es gäbe nur rechte Verschwörungstheoretiker ^^
    • Nurmalso 19.03.2020 05:44
      Highlight Highlight Nicht wissa wo rechts und links is, aber nen Plan schmiedn dat können se...
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