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Die Zahl der Hospitalisierten ist so hoch wie nie: Gesundheitsmitarbeiterinnen bringen einen Covid-Patienten ins Royal London Hospital.
Die Zahl der Hospitalisierten ist so hoch wie nie: Gesundheitsmitarbeiterinnen bringen einen Covid-Patienten ins Royal London Hospital.Bild: keystone

Vor drei Wochen meldete Grossbritannien die Corona-Mutation – so sieht die Lage heute aus

Die Lage in Grossbritannien spitzt sich zu. Die Corona-Fälle sind über die Festtage stark angestiegen. In den Spitälern lagen noch nie mehr Corona-Patienten als heute. Am Montag verkündet Johnson deshalb den nationalen Lockdown.
04.01.2021, 18:1205.01.2021, 16:12

Mitte Dezember informierten die britischen Behörden die Weltgesundheitsorganisation (WHO) über eine neue Variante des Coronavirus. Seither sind viele Augen auf Grossbritannien gerichtet. Denn die Mutation des Coronavirus ist möglicherweise bis zu 70 Prozent ansteckender. Mit letzter Gewissheit kann man das jedoch nicht sagen: Die Forschungen zur Mutante B.1.1.7 sind noch im Gang.

Was jedoch feststeht: Die Lage in Grossbritannien hat sich über die Festtage deutlich verschlechtert – und die Mutante ist mittlerweile im ganzen Land verteilt.

Die folgenden 5 Punkte zeigen dir, wie sich die Situation verschärft hat.

Die Fallzahlen

Dank eines Lockdowns im November konnten die Fallzahlen im Vereinigten Königreich merklich gedrückt werden. Anfang Dezember bewegten sie sich bei rund 15'000 pro Tag. Rund zwei Wochen nach Ende der strengen Restriktionen nahmen die Zahlen jedoch wieder zu.

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Und zwar schnell: An Heiligabend wurden rund 40'000 Fälle gemeldet – so viele wie noch nie. Bereits in den kommenden Tagen sollte dieser Rekord jedoch abermals getoppt werden. Um die Jahreswende betrug die Zahl der Neuinfektionen über 50'000 Fälle pro Tag. Zum Vergleich: Grossbritannien hat rund 66 Millionen Einwohner. 50'000 Fälle würden in der Schweiz etwa 6500 Fällen entsprechen.

Die Positivitätsrate

Die Fallzahlen sind jedoch nur beschränkt aussagekräftig, da über die Festtage eher weniger getestet wurde. Dies schreibt Christina Pagel, Direktorin der Abteilung für klinische Forschung des University College London, in einem viel beachteten Twitter-Thread. Sie weist deshalb auf die Positivitätsrate hin. Diese hat um die Weihnachtszeit in ganz England zugenommen.

Bemerkenswert ist der Anstieg in London. Am 22. Dezember erhielten 16 Prozent aller Getesteten ein positives Resultat. Eine Woche später, am 29. Dezember, betrug die Positivitätsrate bereits 27 Prozent.

Wegen dieses deutlichen Anstiegs der Corona-Infektionen hat die britische Regierung am 4. Januar 2021 die Massnahmen erneut stark verschärft – der neue, nationale Lockdown für England soll voraussichtlich bis Mitte Februar in Kraft bleiben. (Mehr dazu unter Punkt 5)

Die Situation in den Spitälern

Auch die Zahl der Covid-Patienten hat in England zugenommen. Gestern Sonntag wurden rund 25'000 Personen behandelt. Dies entspricht einem Anstieg von 41 Prozent seit Weihnachten. In London beträgt dieser Anstieg sogar 58 Prozent.

Im Moment werden also deutlich mehr Covid-19-Patienten in englischen Spitälern behandelt als zum Höhepunkt der ersten Welle.

Die täglichen Hospitalisierungen befinden sich derweil etwa auf dem gleichen Niveau wie beim Höhepunkt der ersten Welle. Allerdings ist davon auszugehen, dass diese Zahl nochmals steigen wird, da viele Personen erst mehrere Tage nach einem positiven Test hospitalisiert werden müssen.

Die Mutation

Nun stellt sich natürlich die Frage, was die Mutation mit dem rasanten Anstieg der Covid-Fälle zu tun hat. Die Anzeichen, dass es einen Zusammenhang gibt, verdichten sich immer mehr. «Es ist nun klar, dass die neue Variante wesentlich übertragbarer ist als frühere Varianten, und zwar um 40–80%», hielt die unabhängige Gruppe von Wissenschaftlern «independent SAGE» gestern fest.

Wie die Epidemiologin Deepti Gurdasani unter Berufung amtlicher Zahlen zudem festhält, hat sich die Mutation mittlerweile in ganz England verbreitet. Nicht nur das: Die Mutation hat in den meisten Regionen die bisher bekannte Virus-Variante bereits verdrängt.

Bemerkenswert ist auch der Fakt, dass in London die Zahl der Hospitalisierungen und die Fallzahlen besonders stark ansteigen. London und der Südosten Englands sind jene Regionen, in denen die Mutation zunächst besonders häufig aufgetreten ist.

Es zeigt sich also, dass sich die Mutante trotz strikter Massnahmen weiterverbreiten kann. Ein Abflachen der Zahlen ist auch zwei Wochen nach Aktivierung der Stufe 4 nicht erkennbar.

Übrigens: Von der in Grossbritannien aufgetauchten Mutation wurden in der Schweiz bisher sechs bestätigte Fälle bekannt. Es ist jedoch nicht auszuschliessen, dass die Mutante in der Schweiz bereits stärker verbreitet ist als bislang bekannt.

So geht es jetzt weiter

Nach Schottlands Lockdown verkündet auch der britische Premierminister Boris Johnson, dass auch England aufgrund der steigenden Zahlen seine Massnahmen scharf verschärft: «Wir müssen in England einen Lockdown verhängen, um die neue Corona-Variante in den Griff zu bekommen», sagte Premierminister Boris Johnson am Montagabend in einer Fernsehansprache.

«Das bedeutet, dass Sie zu Hause bleiben müssen.» Das Haus dürfe nur noch für notwendige Aktivitäten wie Arztbesuche oder die Arbeit verlassen werden. Schulen müssen schliessen. Johnson sagte, die Massnahmen würden vermutlich bis Mitte Februar in Kraft bleiben.

«Bleiben Sie zu Hause, schützen Sie den (Gesundheitsdienst) NHS, retten Sie Leben.»
Boris Johnson

Zuletzt hatte Grossbritannien immer neue Rekorde bei Neuinfektionen und Patienten verkündet. Es habe 20 Prozent mehr Todesfälle gegeben, sagte Johnson. Er machte vor allem die in Grossbritannien entdeckte Mutante des Coronavirus verantwortlich. Die Mutation sei 50 bis 70 Prozent ansteckender als die bisher bekannte Form. «Bleiben Sie zu Hause, schützen Sie den (Gesundheitsdienst) NHS, retten Sie Leben», sagte Johnson.

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73 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Die Keule
04.01.2021 18:32registriert Januar 2018
Dann wissen wir jetzt, worauf wir uns wohl einstellen dürfen. Aber vielleicht macht es das Virus im neuen Jahr ja wie der Bundesrat - es beobachtet uns nur.
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Maeldrew
04.01.2021 19:26registriert November 2019
Heute: Wir müssen mehr Fakten zur Mutation des Virus haben.
Morgen: Wir sind erstaunt wie ansteckend die neue Mutation ist.
Übermorgen: Ja es wurden Fehler begangen.
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Barth Simpson
04.01.2021 20:07registriert August 2020
Was mich sehr ärgert ist, dass man die Festtage nicht als Chance benutzt hat, die Schulferien hinten und vorne um eine Woche zu verlängern. Das wäre in jeder Hisnicht einfacher und effektiver gewesen, als wenn man jetzt die Schulen kurz aufmacht, um sie gleich wieder schliessen zu müssen.
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