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Coronavirus: Immer mehr Fälle in Südafrika und dazu kommt der Hunger

Covid-19 patients are being treated with oxygen at the Tshwane District Hospital in Pretoria, South Africa, Friday July 10, 2020. Health Minister Zweli Mkhize this week said South Africa could run out ...
Wie lange gibt es noch Platz in den Spitälern? Covid-19-Patienten werden in Südafrika mit Sauerstoff versorgt. Bild: keystone

Coronafälle in Südafrika steigen rasant an – und das ist nicht mal das grösste Problem

Fast 100 Tage dauerte es, bis in Afrika 100'000 Coronafälle registriert wurden. Nach nur 18 Tagen hat sich die Zahl auf 200'000 verdoppelt. Den Löwenanteil trägt Südafrika bei: Eine Timeline.
14.07.2020, 19:2714.07.2020, 19:54
Lea Senn
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Rund 20'000 Neuinfektionen wurden am Sonntag, 12. Juli für den gesamten Kontinent Afrika gemeldet. Bei rund 1,3 Milliarden Menschen ein überschaubarer Wert. Doch betroffen ist vor allem ein Land: Südafrika.

Alleine 13'000 Fälle wurden aus dem Land an der Südspitze des Kontinents gemeldet. Während anfangs vor allem Kapstadt betroffen gewesen war, entwickelte sich jetzt die Region Johannesburg zu einem Infektionen-Brandherd.

Tägliche Neuinfektionen in Südafrika und 7-Tage-Schnitt

Fälle in Südafrika
Level 4: Sehr zurückhaltende Lockerungen, Level 3: Arbeit wird wieder aufgenommen. Details siehe weiter unten.Bild: watson / daten: ecdc

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Die Coronavirus-Zahlen aus Afrika sind mit Vorsicht zu betrachten, schliesslich sind nicht alle Länder in der Lage, flächendeckend zu testen. Doch der Anstieg in Südafrika ist besonders besorgniserregend – denn obwohl die Kurve nie wirklich abgeflacht ist, hat Südafrika vor eineinhalb Monaten seine Massnahmen gelockert. Nach einem drastischen Anstieg in den letzten Tagen hat Präsident Cyril Ramaphosa die Regeln wieder verschärft. Aber der Reihe nach:

5. März 2020: Erster Fall in Südafrika

Der südafrikanische Gesundheitsminister Zweli Mkhize informiert über den ersten bestätigten Corona-Fall im Land. Es handelt sich um einen Mann, der nach einer Rückkehr aus Italien positiv getestet wurde.

15. März 2020: Nationaler Notstand wird ausgerufen

Zehn Tage nach Bekanntwerden des ersten Falls ruft Präsident Cyril Ramaphosa für Südafrika den nationalen Notstand aus. Konkret bedeutet das sofortige Reisebeschränkungen und Schulschliessungen.

FILE - In this April 24, 2020, photo, South African President Cyril Ramaphosa arrives at the NASREC Expo Centre in Johannesburg. People have taken to the streets around the world to demonstrate in sup ...
Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa.Bild: keystone

Ausserdem wird eine Task Force aus Experten zusammengerufen, um das Virus im Land möglichst einzudämmen. Sie stellte unter anderem auch eine Skala auf die Beine, nach der die Situation in Südafrika eingestuft wird.

26. März 2020: Lockdown

Weitere elf Tage später, am 26. März, erreicht Südafrika erstmals die höchste Stufe – Level 5 – dieser Skala. Das heisst konkret: Südafrika ruft einen der weltweit härtesten Lockdowns aus. So bleiben beispielsweise Fabriken und fast alle Minen geschlossen. Das Haus darf nur noch verlassen, wer in ein Lebensmittelgeschäft, in eine Apotheke oder zum Arzt muss.

Eine Ausnahme für Menschenansammlungen sind Beerdigungen im kleinen Rahmen. Alle kommerziellen Flüge sind gestrichen, es dürfen weder Alkohol noch Zigaretten verkauft werden, um die Notfallstationen der Spitäler von Opfern durch häusliche Gewalt und Verkehrsunfällen frei zu halten.

27. März 2020: Erster Todesfall

Drei Wochen nach dem ersten bestätigten Fall und einen Tag nach dem Lockdown meldet Südafrika den ersten Todesfall als Folge von Covid-19.

Tägliche Todesfälle in Südafrika

Bild
Bild: watson / daten: ecdc

1. Mai 2020: Zurück zu Level 4

Von abflachenden Zahlen keine Spur, doch Südafrika kehrt zurück zu Level 4 – was aber noch immer einem strikteren Lockdown entspricht, als wir ihn in der Schweiz je hatten. Laut Präsident Ramaphosa bedeutet es, dass «einige Aktivitäten vorbehaltlich extremer Vorsichtsmassnahmen zur Begrenzung der Übertragung wieder aufgenommen werden können.» Geschäfte und Fabriken bleiben allerdings weiter zu.

1. Juni 2020: Lockerungen

Zwei Monate mit komplettem Lockdown verlangsamten die Ausbreitung des Coronavirus, doch die Zahlen stiegen weiter an. Und auch die bereits in der Rezession befindliche südafrikanische Wirtschaft schrumpft dramatisch, die Arbeitslosigkeit steigt auf über 30 Prozent. Wobei Arbeitslosigkeit in Südafrika sowieso schwierig zu definieren ist, weil sich viele mit Gelegenheitsjobs über Wasser halten.

Südafrika kehrt also per 1. Juni zu Level 3 zurück, die Arbeit wird vielerorts wieder aufgenommen. An vier Tagen die Woche darf ausserdem wieder Alkohol verkauft werden.

12. Juli 2020: Erneute Massnahmen

Innert wenigen Wochen stiegen die bestätigten Fallzahlen und Hospitalisierungen wieder drastisch an. In den letzten Tagen wurden täglich über 10'000 Personen positiv getestet.

Das bereitet auch Dr. Salim Abdool Karim Sorgen, Gesundheitsexperte in der südafrikanischen Task Force: «Wir wussten, dass die Zahlen mit den Lockerungen wieder ansteigen würden. Was aber überraschend war, ist die Geschwindigkeit, mit der die Fallzahlen anstiegen.»

«Wir wussten, dass die Zahlen mit den Lockerungen wieder ansteigen würden. Was aber überraschend war, ist die Geschwindigkeit, mit der die Fallzahlen anstiegen.»
Dr. Salim Abdool Karim, südafrikanischer Gesundheitsexperte

Präsident Cyril Ramaphosa war gezwungen, erneute Restriktionen zu verkünden. Seit dieser Woche gibt es zwischen 21.00 und 04.00 Uhr nachts eine Ausgangssperre. Der Verkauf von Alkohol ist wieder verboten.

A woman walks in front of a closed alcohol shop in the township of Soweto outside of Johannesburg, South Africa, Monday, July 13, 2020, The sale of alcohol been banned since the country went into a st ...
Eine Frau läuft vor einem geschlossenen Alkoholgeschäft in Johannesburg durch. Bild: keystone

Blick in die Zukunft

Inzwischen hat Südafrika über zwei Millionen Tests bei den 58 Millionen Einwohnern durchgeführt. Während getestete Personen im Juni noch bis zu zwölf Tage auf das Resultat warten mussten, konnte die Wartezeit inzwischen auf fünf Tage in öffentlichen Labors, respektive zwei Tage in privaten Labors verkürzt werden. Damit erhofft man sich in Südafrika, Kontaktpersonen schneller und damit effizienter warnen zu können.

Trotzdem erwartet Gesundheitsexperte Dr. Salim Abdool Karim, dass die Fallzahlen und Hospitalisierungen noch für einige Wochen steigen werden. Er hofft, dass bis Oktober ein Rückgang festzustellen ist.

Abgesehen davon wartet noch ein fast grösseres Problem auf das Land: Man rechnet damit, dass in Südafrika mehr Menschen an durch Covid-19 verschuldetem Hunger sterben werden als an der Infektionskrankheit selbst. Das schreibt zumindest Oxfam, ein internationaler Verbund von Hilfsorganisationen. Es bezeichnet Südafrika als «aufstrebendes Epizentrum des Hungers».

Strassenverkäufer sorgen beispielsweise für Essen in 70% aller Haushalte der Townships. Millionen von Menschen konnten sich während den Schliessungen dementsprechend kein Essen leisten.

epa08431766 Local residents line up patiently during a food handout by 'Hunger has no religion group' in Carination on day 53 of the national lockdown as a result of Covid-19 Coronavirus, in ...
In Johannesburg warten hungrige Bewohner auf die Essensverteilung. Bild: EPA
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quelle: epa/epa / kim ludbrook
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23 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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marcog
14.07.2020 22:27registriert Februar 2016
Ein ganzes Land unter Quarantäne stellen ist eine absolute Luxuslösung. Ich verstehe nicht, wie Schwellen- und Entwicklungsläder darüber überhaupt nur nachdenken konnten. Viele Leute kommen so schon kaum über die Runde (ich meine Hunger, nicht so Luxusprobleme wie bei uns). Und wenn dann auch noch die Wirtschaft komplett zusammenbricht gibt es mehr Tote als wenn man Corona halt ausbrechen lässt.
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Hyper80
14.07.2020 20:27registriert Juni 2020
Ich bin seit einigen Jahren mindestens 2 Monate im Jahr in Kapstadt und es zerreisst mir das Herz was da unten gerade abgeht.

Hier heult Frau und Herr Schweizer übers Masken tragen oder das sie immer noch Abstand halten müssen. In Südafrika sind viele Menschenleben in Gefahr.

Und ich befürchte, dass ich noch eine ganze Weile meine Freunde in Kapstadt sehen kann und hoffe, dass alle wohlauf sind bei meiner Rückkehr.
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