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Statue mit Maske vor einem Restaurant in Christchurch. Neuseeland ist seit zwei Wochen im Lockdown.
Statue mit Maske vor einem Restaurant in Christchurch. Neuseeland ist seit zwei Wochen im Lockdown.Bild: AP

Ausgangssperre, viele Tests, kaum Tote: Neuseeland wird zum Corona-Vorzeigeland

Bislang galten Singapur oder Südkorea als Vorbilder bei der Corona-Bekämpfung. Nun setzt Neuseeland neue Standards. Statt auf Eindämmung setzt man mit Erfolg auf Eliminierung.
08.04.2020, 14:5602.11.2020, 10:56

Die Welt kämpft gegen das Coronavirus. Selbst Länder in Fernost, die lange als vorbildlich galten, haben zuletzt aus Angst vor einer zweiten Welle ihre Massnahmen teilweise (wieder) verschärft oder Lockerungen aufgeschoben. Ein kleines Land im Südpazifik aber sorgt derzeit für Furore: Neuseeland scheint es zu gelingen, das Virus nicht nur zu stoppen, sondern zu eliminieren.

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Begonnen hatte es Mitte März mit der Schliessung der Grenzen, von der nur Staatsbürger und Menschen mit Wohnsitz in Neuseeland ausgenommen waren. Im Land festsitzenden Ausländern – vorwiegend Touristen – wurde die Ausreise erst mit zwei Wochen Verzögerung gestattet. Vor 14 Tagen verhängte die Regierung von Premierministerin Jacinda Ardern eine strikte Ausgangssperre.

Jacinda Ardern erhält Lob für ihre Corona-Politik.
Jacinda Ardern erhält Lob für ihre Corona-Politik.Bild: AP

Die Menschen dürfen ihre Häuser nur für dringende Besorgungen verlassen. Sport treiben ist nur in der unmittelbaren Nachbarschaft erlaubt. Ausflüge an den Strand oder Besuche sind untersagt. Ergänzt wird der Lockdown durch umfangreiche Tests. Allein am Dienstag wurden laut «Guardian» 4098 durchgeführt – eine beachtliche Zahl für ein Land mit rund 4,8 Millionen Einwohnern.

Die Strategie der Neuseeländer ist klar: Sie wollen keine kontrollierte Durchseuchung wie in Schweden – das damit zunehmend gegen die Wand fährt – und auch keine Eindämmung, wie sie die meisten Länder – darunter die Schweiz – praktizieren. Ihr Ziel ist nicht, die Kurve der Infektionen abzuflachen, sondern sie niederzudrücken und das Coronavirus zu eliminieren.

Die Zahlen zeigen ein ermutigendes Bild. Am Montag und Dienstag war die Zahl der Neuansteckungen stark rückläufig. Bis Mittwoch wurden 1210 Fälle von Corona in Neuseeland registriert. Nur gerade eine Person ist bislang an Covid-19 gestorben. Zwölf Personen sind hospitalisiert. Vier liegen auf der Intensivstation, zwei davon sind in kritischem Zustand.

Keine Lockerung an Ostern

Premierministerin Ardern zeigte sich am Mittwoch vor Journalisten «vorsichtig optimistisch». Sie betonte aber, man müsse «auf Kurs bleiben». Eine Lockerung der auf vier Wochen befristeten Ausgangssperre komme nicht in Frage, auch nicht an Ostern. Die sozialdemokratische Regierungschefin erteilte entsprechenden Forderungen ein Absage. Eine Ausnahme gibt es nur für den Osterhasen.

Auch in Neuseeland boomt der Online-Handel.
Auch in Neuseeland boomt der Online-Handel.Bild: AP

Die Bevölkerung verhält sich diszipliniert. Bislang seien 376 Verstösse gegen die Ausgangssperre verzeichnet worden, sagte der oberste Polizeichef des Landes am Mittwoch. Der prominenteste «Sünder» war ausgerechnet der Gesundheitsminister. David Clark war mit seiner Familie an den Strand gefahren. Reumütig bezeichnete er sich als «Idioten» und bot seinen Rücktritt an.

Jacinda Ardern erklärte, unter normalen Umständen hätte sie den Minister entlassen. «Sein Verhalten war falsch und lässt sich nicht entschuldigen.» Doch der Kampf gegen das Coronavirus lasse «keine massiven Störungen im Gesundheitsbereich» sowie bei den Reaktionen auf die Krise zu. Weshalb David Clark mit einem blauen Auge davonkam.

Wie hält man das Virus fern?

Als abgelegener Inselstaat kann Neuseeland sich relativ einfach gegenüber der Aussenwelt abschotten. Die grosse Frage lautet deshalb, wie man das Virus nach der «Ausrottung» vom Land fernhalten kann, wenn die Grenzen wieder geöffnet werden. Jacinda Arderns Regierung erwägt eine obligatorische Quarantäne für Einreisende, von der auch Neuseeländer betroffen wären.

Die wichtige Tourismus-Branche wird dies kaum freuen. Der Epidemiologe Michael Baker äusserte sich in der «Washington Post» jedoch sehr positiv über die Premierministerin, die bereits nach dem Massaker von Christchurch für ihr umsichtiges Auftreten viel Lob erhalten hatte. Ardern sei «entschieden und unmissverständlich» vorgegangen und habe sich «der Bedrohung gestellt».

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57 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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bossac
08.04.2020 15:28registriert Juni 2014
Fairerweise sollte man aber auch noch festhalten, dass neben den wirkungsvollen Massnahmen, es als isolierte Insel wie Neuseeland doch noch ein bisschen einfacher ist ein Virus zu bekämpfen, als wenn man bspw. ein Land inmitten eines dichtbesiedelten Kontinents Ist.
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rburri38
08.04.2020 15:26registriert Februar 2018
Und was haben all diese Länder zufälligerweise gemeinsam? Es sind Inseln. Singapur ist eine Insel, Taiwan ist eine Insel, Südkorea ist Geopolitisch eine Insel, Neuseeland ist eine Insel. So etwas in den Griff zu bekommen ist als Insel um einiges einfacher, wenn dazu die Regierung noch Kompetent ist.
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_stefan
08.04.2020 15:27registriert September 2015
Nun in Neuseeland leben 18 Menschen pro Quadratkilometer, das ist doch bisschen ein Unterschied zur Schweiz (204/km2).

Solange NZ den Virus in den Städten (v.a. Auckland) kontrollieren kann, wird die Gefahr eher klein bleiben. Wie lange das funktioniert, wird sich zeigen.
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