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Das passiert gerade in Peking – und so gefährlich ist der «neue» Virustyp

Seit letzter Woche wurden in Peking über 130 Personen positiv auf das Coronavirus getestet. Sorgen bereitet jedoch, dass der Virustyp nicht mehr der Gleiche ist wie noch im Februar.
17.06.2020, 14:1417.06.2020, 14:26

Der Ausbruch in Peking

Seit Wochen wurden in ganz China kaum mehr neue Fälle registriert – das Virus schien besiegt zu sein. Dann kam letzte Woche der Rückschlag: Auf dem wichtigen Xinfadi-Grossmarkt in der 20-Millionen-Hauptstadt Peking haben sich plötzlich wieder mehrere Personen mit dem Virus infiziert. Inzwischen wurden 137 Infektionen bestätigt, Zehntausende wurden getestet.

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Bewohner aus der Nähe des betroffenen Marktes lassen sich auf Covid-19 testen.
Bewohner aus der Nähe des betroffenen Marktes lassen sich auf Covid-19 testen.
Bild: keystone

Chinas extreme Reaktion

China reagierte schnell und konsequent auf die Infektionen und rief für Peking die zweithöchste Sicherheitsstufe aus. Das Ergebnis: Peking ist teilweise abgeriegelt. Wer in den Regionen wohnt, in denen das Risiko «mittel» oder «hoch» ist, darf die Stadt nicht mehr verlassen – zu gross ist die Angst, dass sich das Virus wieder auf andere Teile des Landes ausweitet. Wer in anderen Regionen Pekings wohnt, muss einen negativen Test vorlegen können, um die Stadt zu verlassen.

Pekings Schulen wurden geschlossen und auch Flüge aus und in die Hauptstadt wurden drastisch reduziert. In der ganzen Stadt wurden Kontrollen wie etwa Fiebermessen wieder verschärft.

Peking befinde sich in einer «kritischen Situation», sagte Cai Qi, Parteichef der chinesischen Hauptstadt. Prävention und Bekämpfung hätten nun oberste Priorität.

Über 1200 Flüge von und nach Peking wurden nach dem Ausbruch letzter Woche gestrichen.
Über 1200 Flüge von und nach Peking wurden nach dem Ausbruch letzter Woche gestrichen.
Bild: keystone

China schiebt die Schuld weiter

Brisant an der Sache ist: Die chinesischen Behörden behaupten, dass sich die Patienten an einem importierten Lachs angesteckt haben. Es handle sich dabei nämlich um einen anderen Coronavirus-Typen als man ihn noch im Februar nachgewiesen hatte.

Wissenschaftler sind sich aber einig, dass eine Übertragung über tiefgefrorenen Fisch unwahrscheinlich ist. Selbst wenn darauf noch einige Viren überleben würden, wären es mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht genug, um eine neue Infektionswelle auszulösen. Dass das Virus wieder von Europa oder Amerika importiert wurde, ist allerdings nicht ausgeschlossen.

Dass sich das Virus in der Zwischenzeit verändert hat, ist sehr gut möglich. Zuerst muss das Virus von der neuen Infektionswelle in Peking aber genauer untersucht werden – möglicherweise kann man dann herausfinden, ob dieser Virustyp aus dem Ausland zurückimportiert wurde, oder ob er schon länger in China zirkulierte.

Pekinger Virustyp nicht zwangsläufig gefährlicher

Grund zur Sorge gibt es aufgrund des «neuen Virustyps» vorläufig nicht. Dass Viren mutieren, ist völlig normal. Macht ein Virus eine Reise um den gesamten Erdball und wieder zurück nach China, so wird es sogar fast zwangsläufig eine deutlich veränderte Information in seinem Erbgut aufweisen. So gibt es auch von Sars-CoV-2 weltweit tausende verschiedene Virenstämme, die sich allerdings nur minim unterscheiden.

Laut der Bioinformatikerin Emma Hodcroft der Universität Basel gibt es keinen Grund zur Annahme, dass die Virusvariante vom Pekinger Grossmarkt infektiöser sei oder eine schwerere Erkrankung hervorrufen könnte, schreibt der Tagesanzeiger.

Der Xinfadi-Markt, einer der grössten Märkte Pekings, wurde am 13. Juni abgeriegelt.
Der Xinfadi-Markt, einer der grössten Märkte Pekings, wurde am 13. Juni abgeriegelt.
Bild: keystone

Eine Lektion für China (und die Welt)

Die Vorkommnisse in Peking zeigen deutlich, dass Corona noch nicht überstanden ist – auch wenn es auf den ersten Blick an vielen Orten so scheint. So schreibt Dr. Zhang Wenhong, medizinischer Experte der Universität Shanghai in einem Blog: «Die gute Nachricht ist, dass alle Fälle mit dem Xinfadi-Markt in Verbindung gebracht werden konnten und es keine Fälle ohne direkten Übertragungsweg gab.»

«An solche Szenarien werden sich die chinesischen Bürger gewöhnen müssen.»
Dr. Zhang, Universität Shanghai

«Die schlechte Nachricht ist aber, dass unglaublich viele Menschen am Xinfadi-Markt waren und es unmöglich zu sagen ist, wo der nächste Brandherd entstehen wird.» Doch beim Ausbruch in Peking habe man eine Lektion gelernt – und an solche Szenarien werden sich die chinesischen Bürger gewöhnen müssen. (sda/lea)

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