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Dänemark

Das Grönland-Paradox: Ausgerechnet Trump hilft Mette Frederiksen

Das Grönland-Paradox: Ausgerechnet Trump hilft einer der mächtigsten Frauen Europas

Wie die dänische Regierungschefin Mette Frederiksen bei den ausgerufenen Neuwahlen mit einem Spagat an der Spitze ihres Landes bleiben will.
01.03.2026, 22:3101.03.2026, 22:31
Niels Anner, Kopenhagen / ch media
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Regierungschefin Mette Frederiksen verkündet im Parlament vorgezogene Neuwahlen im Reichstagsgebäude Christiansborg in Kopenhagen.Bild: keystone

Dänemark hat bloss 6 Millionen Einwohner, aber seine Regierungschefin wird zu den einflussreichsten Frauen überhaupt gerechnet. Das Wirtschaftsmagazin «Forbes» zählt Mette Frederiksen zu den 15 mächtigsten Politikerinnen der Welt und das Politikmedium «Politico» kürte sie Ende 2025 gar zur Person mit der zweitgrössten Macht in Europa.

Vor ihr lag nur einer, paradoxerweise Donald Trump – der die dänische Sozialdemokratin und ihr Land mit seinem Anspruch auf Grönland in eine Krise gestürzt hat. Eine Krise, aus der sie aber dank ihrer kompromisslosen Zurückweisung des US-Präsidenten, der Kooperation mit Grönland und der kräftigen Unterstützung der europäischen Länder gestärkt hervorgeht.

Frederiksen hat deshalb – acht Monate früher als gesetzlich vorgeschrieben – auf den 24. März Neuwahlen ausgeschrieben. Geht der Plan auf, könnte sie das Kunststück einer dritten Amtszeit schaffen.

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Wahlplakat mit Ministerpräsidentin Mette Frederiksen in Kopenhagen.Bild: keystone

Trump schimpfte 2019, es sei «widerwärtig» («nasty»), dass Frederiksen sein erstes Grönland-Übernahmeangebot als «absurd» zurückwies. Dass nun ausgerechnet er der Grund für ihr politisches Überleben sein kann, hätte noch vor wenigen Monaten niemand gedacht. Denn parallel zu ihrem internationalen Aufstieg war die Lage zu Hause ganz anders.

Grosse Probleme in der Heimat

Die Kommunalwahlen im Herbst 2025 wurden für Frederiksen zur Demütigung: Die Sozialdemokraten verloren massiv Stimmenanteile und mehrere Hochburgen, darunter Kopenhagen, das sie hundert Jahre lang regiert hatten. Gleichzeitig wurde ihre Regierung wegen mehrerer innenpolitischer Themen unpopulär.

Dabei hatte Frederiksen 2022 ein Experiment gewagt: Eine in Dänemark kaum erprobte grosse Koalition mit zwei bürgerlich-liberalen Parteien. Das gab der Regierung Mehrheiten, aber machte letztlich niemanden glücklich. Alle drei Parteien verloren in den Umfragen kontinuierlich an Boden.

Für Frederiksen lief es wie für Emmanuel Macron, früher Angela Merkel oder Finnlands Sanna Marin: Im eigenen Land oft harzig, aber international war die 48-Jährige profiliert. Sie hinterliess auch im Ausland ihre Handschrift, die ihren politischen Aufstieg mit der Sozialdemokratie auszeichnet: Linke Sozial-, liberale Wirtschaftspolitik, harte Migrations- und Sicherheitspolitik sowie die Fähigkeit, auch über Gräben hinweg pragmatische Lösungen zu finden.

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Mette Frederiksen trifft beim Sender Danmarks Radio in Kopenhagen zur Parteichef-Debatte ein.Bild: keystone

Dänemark prägte die Diskussion in der EU über Asylzentren ausserhalb Europas stark; heute wird der einst stark kritisierte Lösungsansatz offen diskutiert. In der Ukraine-Frage war Frederiksen stets bedingungslos: Sie reiste im April 2022 als erste nordische Regierungschefin nach Kiew, und Dänemark gehörte 2023 zu den ersten Ländern, die F-16-Jets zusagten. Gemessen an der Wirtschaftsleistung zählt Dänemark zu den grössten Unterstützern der Ukraine weltweit.

Führungsstärke trotz Pöbeleien aus den USA

Das internationale Ansehen half Frederiksen enorm, als Trumps Grönland-Drohungen einschlugen. Sie mobilisierte europäische Partner, zeigte Führungsstärke – und schaffte es, die Krise in diplomatische Verhandlungen über eine bessere militärische Zusammenarbeit in der Arktis zu verwandeln. Der Lohn: Die Talfahrt in den Umfragen in Dänemark stoppte; der Wahlkampf konnte kommen.

Frederiksen überraschte zum Auftakt mit dem Versprechen einer neuen Vermögenssteuer für die Reichsten Dänemarks. Betroffen wären rund 22'000 Personen, die Einnahmen von umgerechnet 850 Millionen Franken soll in die Schulen und den Sozialstaat investiert werden. Das bürgerliche Lager und die Wirtschaft protestieren bereits – man kennt die Entwicklung in Norwegen, wo es zu einer signifikanten Abwanderung von Vermögenden in die Schweiz kam.

Doch für Frederiksen ist die Strategie klar: Sie argumentiert mit wachsender Ungleichheit, mit dem Ziel, linke Wähler zurückzugewinnen und die Zusammenarbeit mit den anderen linken Parteien neu zu beleben.

Die Sozialdemokratin hat rechnerisch Aussicht auf eine Linksregierung, aber auch die Möglichkeit, mit neuen Partnern eine Mitte-Links-Koalition zu schmieden. Sie lässt alle Optionen offen, ist bereit, einen politischen Spagat zu zeigen, um sich die dritte Amtszeit zu sichern. Sie stünde damit in einer exklusiven kleinen Gruppe von nordischen Regierungschefs. (aargauerzeitung.ch)

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