DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

AfD verliert deutlich – warum man die Rechtspopulisten trotzdem nicht abschreiben sollte

Zu den grossen Verlierern gehörte am Sonntag auch die AfD. Dass die Partei bis zum Herbst erneut Aufwind bekommt, ist allerdings nicht ausgeschlossen.
15.03.2021, 20:56
Christoph Reichmuth aus Berlin / ch media

Im Schatten der Grünen Wahlerfolge und der Misere für Merkels CDU in beiden Bundesländern blieben die Resultate der Alternativen für Deutschland (AfD) fast unbemerkt, dabei sind diese bemerkenswert: Die Rechtspopulisten gehören zum Auftakt des «Superwahljahres» zu den grossen Verlierern, sie büssen in beiden Ländern fast 10 Prozent Wählerstimmen ein. AfD-Chef Jörg Meuthen lobte das Abschneiden dennoch und sprach von einer «Konsolidierung».

AfD-Parteichef Jörg Meuthen, auf dem Bild am Sonntag im Wahlstudio in Stuttgart.
AfD-Parteichef Jörg Meuthen, auf dem Bild am Sonntag im Wahlstudio in Stuttgart.
Bild: keystone

Der Dämpfer für die AfD hat mehrere Gründe: Das Thema Migration, das der Partei 2015 und in den Folgejahren massiv Stimmen eingebracht hatte, findet sich in Coronazeiten kaum auf der politischen Agenda. In der gegenwärtigen Krise macht die AfD zudem keine gute Figur: Einige ihrer Abgeordneten halten Corona eher für eine etwas schwerere Grippe und machen mit extremistischen Kräften der Querdenker-Bewegung gemeinsame Sache. Andere bemängeln das schleppende Impftempo der Bundesregierung. Folge: Die Wähler wissen nicht, wofür die AfD in der Krise nun eigentlich steht.

Zudem ist die Partei ins Visier des Verfassungsschutzes geraten. Berichte über eine geplante Beobachtung wegen rechtsextremistischer und damit antidemokratischen Tendenzen haben viele gemässigte Wähler aus dem bürgerlichen Lager abgeschreckt. Die Parteiführung ist zerstritten, es duellieren sich der gemässigte Flügel um Parteichef Meuthen mit dem radikalen Part des wegen rechtsextremistischer Tendenzen aufgelösten, aber noch immer in der Partei aktiven «Flügels» rund um den Thüringer AfD-Chef Björn Höcke.

Im Osten noch immer mit Status einer Volkspartei

Die politische Konkurrenz sollte sich über die Verluste der AfD nicht allzu sehr freuen. Das Resultat zeigt, dass die AfD trotz Querelen und rechtsextremistischer Strömungen innerhalb der Partei in zwei westdeutschen Bundesländern mit Werten zwischen acht und zehn Prozent eine feste Grösse ist. Der Wähleranteil entspricht in etwa dem wahren Potential der Rechtspopulisten, wenn sie auf Stimmen überzeugter Anhänger ohne Protestwähler zählen kann.

Das dürfte auch ein Signal für den Bund sein: Möglicherweise wird die AfD – derzeit drittstärkste Kraft im Parlament - ihr Resultat von 2017 (12.6 Prozent) nicht mehr ganz bestätigen können, aber die Partei dürfte auf lange Sicht einen festen Platz in den Landesparlamenten und im Bundestag haben. Nicht ausgeschlossen ist, dass sich die AfD in den nächsten Monaten steigern wird – je nach Fortgang der Coronapolitik der Bundesregierung oder bei neuerlichem Aufflackern des Migrationsthemas.

Zudem behält die Partei ihren Volksparteien-Status im Osten des Landes, wo im Sommer und Herbst in Sachsen-Anhalt, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern ebenfalls gewählt wird. Trotz Berichten über Rechtsextremismus-Tendenzen in der Partei stösst die AfD im Osten mit Werten zwischen 15 und 23 Prozent auf grossen Anklang. (bzbasel.ch)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

So zerstört man Rechtspopulismus

1 / 24
So zerstört man Rechtspopulismus
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Ein AfD-Demo vs drei Gegenproteste in Berlin

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Die Deutschen kiffen vielleicht bald legal

Kommt es in Deutschland zu einer Ampel-Koalition von SPD, FDP und Grünen, dann könnte auch die Legalisierung von Cannabis zum Thema werden. Was das für die Drogenpolitik in der Schweiz bedeutet.

In Deutschland trendet der Hashtag «Cannabislegalisierung». Und es handelt sich nicht einfach um ein Phänomen in der Twitter-Bubble. Viele Befürworterinnen und Befürworter einer Hanf-Legalisierung machen sich grosse Hoffnungen, dass das grüne Kraut bald ohne Strafe konsumiert und verkauft werden könnte. Denn Deutschland stand wohl noch nie so kurz davor, Cannabis zu legalisieren.

Grund dafür sind die Ampel-Sondierungen von SPD, Grünen und FDP. Kommt es tatsächlich zu einer Koalition der drei …

Artikel lesen
Link zum Artikel