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Merz ist glücklich, im Westen geboren zu sein – sagt er im Osten

epa12555458 German Chancellor Friedrich Merz receives the traditional Christmas tree during a handover ceremony at the Chancellery in Berlin, Germany, 28 November 2025. The 45-year-old fir was grown i ...
Friedrich Merz beweist jüngst wenig Fingerspitzengefühl bei gewissen Aussagen.Bild: keystone

«Arrogant»: Merz ist glücklich, im Westen geboren zu sein – sagt er im Osten

Friedrich Merz sieht sich glücklich, nicht in der DDR geboren zu sein. Ein Ost-Parteitag ist ein ungewöhnlicher Ort für eine solche Aussage.
30.11.2025, 05:1730.11.2025, 05:17
Thomas Wanhoff / t-online
Ein Artikel von
t-online

Der deutsche Kanzler Friedrich Merz hat mit einem Satz erneut für Stirnrunzeln gesorgt. Beim Parteitag in Sachsen-Anhalt sprach der Bundeskanzler und CDU-Vorsitzende vor den Ostmitgliedern auch über seine Vergangenheit. Er sieht es als persönlichen Glücksfall, dass er in Zeiten der deutschen Teilung im Westen geboren wurde – und nicht in der DDR. Wörtlich sagte er:

«Ich habe das Glück, und es ist nicht mehr als Glück und Zufall gewesen, nur das, im Westen geboren, im Westen gross geworden zu sein».

Einige Teilnehmer verwunderte das offenbar. «Die Gesichter im Publikum sprechen Bände» schrieb die politische Korrespondentin Miriam Lau, die für die «Zeit» arbeitet, auf der Plattform X. Ein weiterer Kommentator schloss sich an: «Ob nun die Zuhörer pikiert waren oder nicht: Viele Menschen in Mitteldeutschland empfinden diese Merz'sche Wortwahl als arrogant», schrieb er. «Na, die Familie hatte halt auch immer das Glück, auf der richtigen Seite zu stehen», schrieb ein anderer.

Kohl stiess mit «Gnade der späten Geburt» auf Kritik

Der Satz von Merz erinnert an einen Ausspruch von Helmut Kohl. Der ehemalige Bundeskanzler und CDU-Chef hatte 1984 bei einem Israel-Besuch von der «Gnade der späten Geburt» gesprochen. Er meinte damit sich und die Generation der Deutschen, die nach 1940 geboren wurden und «nicht in Schuld geraten konnten». Der Kanzler wollte damit zum Ausdruck bringen, dass persönliche Schuld in der NS-Zeit vom zufälligen Geburtsdatum und von der spezifischen Familienkonstellation abhing.

Tatsächlich wurde die Formulierung in Israel, aber auch in Deutschland als verletzend aufgenommen. Der damalige SPD-Oppositionspolitiker Horst Ehmke kritisierte Kohl in einer Rede: «Es ist dieses Sich-geschichtlich-unbetroffen-Geben, das Ihre Ansprachen in Israel», so behauptete er, «teilweise bis zur Würdelosigkeit banal wirken lässt.»

Mehrere umstrittene Aussagen von Merz

Der Merz'sche Ausspruch wurde beim Parteitag hingenommen, deutliche Kritik gab es bislang nicht. Dabei hat der Kanzler in den vergangenen Wochen öfter für Aufsehen mit Aussprüchen gesorgt. Da war der Stadtbild-Satz, der sich gegen Migranten in deutschen Innenstädten richtete, der Spruch «Fragen Sie mal ihre Töchter» im Anschluss und seine Beschwerden über die brasilianische Stadt Belém, in der der Weltklimagipfel stattfand. Alle in seiner Delegation seien froh gewesen, dort abzureisen, sagte er. In Brasilien regte sich Empörung, Merz musste sich um Entspannung bemühen.

Beim Landesparteitag erklärte sich Merz umgehend. Der Kanzler betonte, die Menschen im Westen hätten das Glück, bereits seit 80 Jahren in Frieden und in Freiheit zu leben und nicht erst seit 35 Jahren wie die Menschen in Ostdeutschland nach der Wiedervereinigung. Das, was man gemeinsam erkämpft habe, sei nicht das Ergebnis von historischen Zufällen, sondern das Ergebnis politischer Entscheidungen. «Politik wirkt», sagte der CDU-Politiker.

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64 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Neruda
30.11.2025 09:01registriert September 2016
Lustig daran ist ja, dass es gerade seine CDU war, die die Wiedervereinigung verbockt hat und stark mitverantwortlich ist, dass sich der Osten heute abgehängt fühlt. Die Treuhand hat deren Volksvermögen gnadenlos an Wesis verscherbelt, die dann ganze Maschinenparks abtransportiert und verkauft haben. Erfolgreiche lokale Unternehmer, die die Arbeitsplätze zumindest zum Teil dort behalten wollten und dies auch hätten können, wurden übergangen. Dafür kamen ganz schön viele Unternehmensberater aus dem Westen zum Zug, die nur am persönlichen Profit interessiert waren.
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Silas1992
30.11.2025 08:13registriert Juli 2025
Der Mann weiß einfach wie man seine miserablen Umfragewerte, als unbeliebtester Bundeskanzler aller Zeiten, noch weiter runter drücken kann.
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Lebig51
30.11.2025 09:26registriert Juli 2015
Wetten, der ist im 2027 nicht mehr Bundeskanzler?
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