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Hanau-Terror-Verdächtiger schrieb schon vor Monaten Brief an Bundesanwalt

Der mutmassliche Täter von Hanau hat mit wirren Dokumenten seine Motive offengelegt. Er sah sich verfolgt und hasste Ausländer. Schon vor Monaten setzte er einen fast identischen Schriftsatz auf.

Jonas Mueller-Töwe, Lars Wienand



Terror in Hanau: 11 Tote durch Schüsse in deutscher Stadt

Ein Artikel von

T-Online

Der mutmassliche Täter von Hanau hat mit wirren Dokumenten seine Motive offengelegt. Er sah sich verfolgt und hasste Ausländer. Schon vor Monaten setzte er einen fast identischen Schriftsatz auf.

Nach den tödlichen Schüssen von Hanau geben Dokumente, die t-online.de exklusiv vorliegen, einen Einblick in die Gedankenwelt des mutmasslichen Täters. Der 43-jährige Tobias R. ist der Hauptverdächtige. Seine Wohnanschrift in Kesselstadt liegt in unmittelbarer Nähe zum zweiten Tatort. Die Polizei hatte bei einer Durchsuchung in dem Stadtteil zwei Leichen gefunden, bei ihnen soll es sich um den Täter und seine Mutter handeln. Dort wurde auch die Tatwaffe gefunden.

Schon vor Tagen hatte R. auf einer offenbar eigens angelegten Homepage mehrere Videos und ein Motivationsschreiben veröffentlicht. Mittlerweile ist die Seite nicht mehr zu erreichen. Es liegen die Dokumente vor, aus ihnen geht hervor: Der mutmassliche Täter fühlte sich offenbar von dunklen Mächten verfolgt – und beschrieb ausführlich seine tiefe Abneigung gegen Menschen anderer Herkunft.

Wir berichten nicht im Detail über die Motivationslage des Mannes, da das Bekennerschreiben unter anderem mit den Worten schliesst: «Aus all den genannten Gründen blieb mir also nichts anderes übrig, so zu handeln, wie ich es getan habe, um die notwendige Aufmerksamkeit zu erlangen.» Zuvor schildert er seine angebliche Lebensgeschichte mitsamt missglückter Partnersuche – und warum er der Ansicht sei, dass Milliarden Menschen getötet werden müssten. Schon Monate zuvor hatte R. seinen Verfolgungswahn in E-Mails an einen vermeintlichen Hellseher aus Österreich ausgebreitet.

«Der hat mir zwei, drei Mal geschrieben – das klang alles sehr wirr», sagte der Empfänger. Auch in dem Schriftwechsel geht es um wilde Vermutungen und angebliche Geheimdienste. Beigefügt ist den Mails eine 19-seitige Strafanzeige, die R. angeblich der Bundesanwaltschaft zugeleitet habe. Sie ist in weiten Teilen mit dem späteren Bekennerschreiben identisch. Datiert ist sie auf 6. November 2019. «Wenn man die E-Mail liest, weiss man: Er hat nicht alle Tassen im Schrank», sagte der Empfänger.

Hessen provinces interior minister Peter Beuth walks in front of the hookah bar where several people were killed on Wednesday in Hanau, Germany, Thursday, Feb. 20, 2020.  A 43-year-old German man shot and killed several people at more than one location in a Frankfurt suburb overnight in attacks that appear to have been motivated by far-right beliefs, officials said Thursday. (AP Photo/Martin Meissner)

Peter Beuth Bild: AP

Die Bundesanwaltschaft geht aufgrund der Dokumente nun dem Verdacht einer terroristischen Tat nach und hat die Ermittlungen an sich gezogen. Ob der Schriftsatz vom 6. November tatsächlich bei der Behörde einging, ist derzeit noch unklar. Laut Angaben des hessischen Innenministers Peter Beuth war R. zuvor weder dem hessischen Verfassungsschutz noch der Polizei bekannt. Nach ersten Erkenntnissen war er Sportschütze und legal im Besitz von Waffen. Hinweise auf weitere mögliche Täter gibt es bislang nicht.

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36Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Phö 20.02.2020 17:33
    Highlight Highlight CDU/CSU und AFD schüren Angst vor Islamisten, dabei ist der braune Terror das erheblich größere Problem in DE. Alleine 2019/2020 gab es wohl mehr Opfer durch die Braunen als durch religiös Verblendete in den letzten 10 Jahren.
  • Nino F. 20.02.2020 17:25
    Highlight Highlight Bei Nazis und Rechtsextremen sind die Behörden immer einen Schritt hintendrein, nicht nur beim NSU, sondern auch in Hanau, Halle, München und viele mehr. Obwohl der deutsche Verfassungsschutz die rechte Szene mit seinen Leuten total durchsetzt, haben sie immer von nix gewusst. Vielleicht muss man es umgekehrt formulieren: Der deutsche Verfassungsschutz ist mit Nazis durchsetzt. Was heisst das für uns, wenn wir im Kampf gegen den Faschismus nicht auf den Staat vertrauen können? Wir müssen den Antifaschismus selbst an die Hand nehmen. Keinen Zentimeter den rechten Hetzern und Gewalttätern!
  • masltov 20.02.2020 17:23
    Highlight Highlight erst mal abwarten und nicht gleich „Rechtsextremismus“ und „Deutschland hat ein Problem mit Neo-Nazis“ rufen... Kann sein, aber das ist hier der falsche Ort, um die Tat zu instrumentalisieren.

    Die Beschreibung klingt für mich eher nach einer Wahnstörung, aber wie gesagt: warten wir‘s ab und pausieren die schnellen Schlussfolgerungen.
  • Turicum04 20.02.2020 16:18
    Highlight Highlight Das ist eindeutig ein Erzeugnis der Rechtspolitik wie von der AfD vorgegeben. Solche Organisationen muss man schleunigst verbieten. Was hier die AfD ist, ist für die Schweiz eine SVP!
  • sowhat 20.02.2020 15:52
    Highlight Highlight Mein Gott, ich krieg langsam schon Pickel, wenn ich das Wort "Sportschütze" lese.
    Sorry für die "normalen" unter euch, wenns denn deren gibt.
    Über die Jahre kumuliert es sich. So oft, wenn es ein bescheuerter Einzeltäter war, war er Sportschütze.
    😤
  • Jesses! 20.02.2020 15:44
    Highlight Highlight Dass der Mann eine schwere, psychische Erkrankung hatte, ist selbst für einen Hobby-Psychologen offensichtlich. Demnach war er kaum ein Terrorist im Sinne des Wortes.
  • Name_nicht_relevant 20.02.2020 15:16
    Highlight Highlight Un zack sind es nicht mehr die Moslems, da sieht man wenn jemand töten will ist die Religion und nationalität egal. Es sind alles Mörder und wenn Anzeichen für das sprechen, sollte man sofort reagieren. Nicht wie bei dieser Frau die massenweise Briefe schrieb und drohte, bis ein Kind ihr zum Opfer viel.
  • Lowend 20.02.2020 15:13
    Highlight Highlight Bin gerade auf diese interessanten Artikel auf Higgs gestossen, wo sich Beat Glogger vor einigen Tagen seine Gedanken zu Verschwörungstheoretikern macht und Stephan Neuhauss gestern über das Wesen der Skepsis schrieb. In Anbetracht der Ereignisse sehr lesenswert.

    https://www.higgs.ch/umzingelt-von-psychopathen/28188/
    https://www.higgs.ch/ein-lob-der-skepsis/23358/
  • Stefan Morgenthaler-Müller 20.02.2020 14:45
    Highlight Highlight Deuschland hat ein ernsthaftes Problem mit Rechtsextremisten.

    NSU, da hat die Polizeit von Dönermorden gesprochen und war auf dem rechten Auge blind. Dann der Rechsradikale in Halle, eine gut Tür hat schlimmeres verhindert. Jetzt Hanau. Dazwischen gab es noch die Morde in München, Anders Breiwik das Vorbild des Amokläufers. Ganz zu schweigen von den 90ern. Es geht nicht mehr darum, ob so etwas wieder passiert, sondern wann.

    Die Behörden scheinen jedes Mal total überrascht zu sein, obwohl es in Nachhinein immer hiess, dass doch dies und jenes bei Täter auffällig war.
    • Varanasi 20.02.2020 15:18
      Highlight Highlight Der Mord an Walter Lübcke passt hier auch noch rein.
    • SIEGLINDE 20.02.2020 15:18
      Highlight Highlight Sie können auch nicht ganz rein sein muss jeder der Ausländer nicht mag rechtsextrem sein
    • Dong 20.02.2020 15:52
      Highlight Highlight Bei der NSU war das anders: Da war der Verfassungsschutz selber mit V-Leuten tief im Sumpf dabei und hat die Szene (entgegen der eigenen Absicht) sogar mit aufgebaut.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Miicha 20.02.2020 14:39
    Highlight Highlight Missglückte Partnersuche... Wieder so einer 🙄
    • Hoci 20.02.2020 15:33
      Highlight Highlight Das ist die neue Entschuldigung. Ich denke aber es liegt eher an Einsamkeit und wer weiss BSE, zuviel Drogen, Umweltgifte..
    • Jesses! 20.02.2020 15:45
      Highlight Highlight Denkst du wirklich, dass dies der wahre Grund ist? Dieser Mann hatte zahlreiche weitere Probleme.
  • Mutbürgerin 20.02.2020 14:37
    Highlight Highlight Wie üblich ein Versagen der Behörden. Entweder man kannte den Täter oder Hinweise bleiben irgendwo in einer Schublade stecken. Am Schluss verfällt man in Aktionismus und bestraft alle Sportschützen etc. um den Mob zu beruhigen.
    • Jesses! 20.02.2020 15:46
      Highlight Highlight Arbeitest du bei den Behörden, dass du alles so genau weisst?
    • Bert der Geologe 20.02.2020 16:34
      Highlight Highlight @Mutbürgerin: "Die Behörden" sind nicht "Die Schutzengel". Sie können nicht jedes kleine Arschloch wegsperren und können auch nicht immer erkennen, ob aus einem kleinen Arschloch ein Massenmörder werden kann. Wenn schon, hat sein Umfeld versagt. Oder er war einfach unauffällig. Auch das gibts.
  • Heinzbond 20.02.2020 14:37
    Highlight Highlight Sportschütze und legal im waffenbesitz und dann so was? Psychologisch nicht abgeklärt?

    Wenn ich an die Jäger und Sportschütze in meinem Bekanntenkreis denke, 🇩🇪 und 🇨🇭, da sind doch auch einige dabei da Frage ich mich manchmal nach einem psychologischen Gutachten.
    Und wozu überhaupt Waffen zu Hause? Aber gut die Diskussion wird wieder umsonst geführt weil einzelfall oder so...
    • Hoci 20.02.2020 15:34
      Highlight Highlight Guter Punkt, ich meine welche Menscgen haben Waffen. Sicher nicht Pazifisten, die mit sich im reinen sind.
    • FoxSinBan 20.02.2020 16:11
      Highlight Highlight Nei es gibt keine abklärung maximal muss mann den Schein selber bei der Polizei abholen.

      Das ich als Jäger oder Sportschutze die Waffe zuhause in einem Safe versperrt habe finde ich sinvoll. Gehe ja von Zuhause aus zur Jagt oder an ein Turnier/Schissstand.

      Aber ja ein psychologisches Gutacheten würde ich selber als Jäger und Sportschützr befürworten. Das Eu gesetzt mit der Magazinbegrzung ist hingegen für nichts. Dann kaufe ich eifach 2 Magazine anstelle von einem.
    • So oder so 20.02.2020 17:35
      Highlight Highlight Das hatten wir hier kürzlich - Sportschützen, da Passiert Nie was , war der Tenor.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Triumvir 20.02.2020 14:27
    Highlight Highlight Er war also Sportschütze und legal im Besitz von Waffen und vor allem hatte er offenbar nicht alle Tassen im Schrank...trotzdem hat sich niemand für diesen Typen interessiert...warum nur?
    • Dändu 20.02.2020 15:17
      Highlight Highlight Der hat wohl sämtliche Tassen in seinem Schrank durch Gewehre ersetzt, und dachte das sei normal so.
    • sowhat 20.02.2020 15:55
      Highlight Highlight @Triumvir, weil wohl alle Angst haben vor Denunziantentum. Und weil die Polizei nur einschreiten darf, wenn etwas passiert ist. Nicht vorher.
    • Fandall 20.02.2020 15:59
      Highlight Highlight Wenn er legal im Besitz der Waffen war, hätte der Bund ja spätestens nach Erhalt der Strafanzeige handeln müssen.
      Je nachdem wie schizophren er war, kann es halt gut sein dass seine Schützenkollegen davon nichts mitgekriegt haben, aber es hinterlässt schon kein gutes Gefühl.
      Man kann halt beim besten Willen nicht in die Leute reinsehen.
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