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Flixbus verunfallt auf dem Weg nach Zürich in Deutschland: Mehrere Tote

27.03.2024, Sachsen, Schkeuditz: Einsatzfahrzeuge und Rettungshubschrauber stehen auf der A9 an der Unfallstelle. Bei einem Unfall mit einem Reisebus auf der A9 bei Leipzig ist mindestens ein Mensch u ...
Die Unfallstelle bei Schkeuditz.Bild: DPA

Flixbus-Tragödie auf dem Weg nach Zürich: Polizei korrigiert Todesopferzahl von 5 auf 4

27.03.2024, 13:0028.03.2024, 02:16
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Das ist passiert

Bei einem schweren Unfall mit einem Reisebus von Flixbus im Osten Deutschlands auf der Autobahn A9 bei Leipzig sind nach neusten Polizeiangaben vier Menschen ums Leben gekommen.

Der Bus kam aus bisher ungeklärten Gründen von der Autobahn ab und kippte um, wie die deutsche Boulevardzeitung Bild schreibt. Ob weitere Fahrzeuge am Unfall beteiligt waren, ist bislang unklar.

Der Bus startete um 8 Uhr pünktlich in Berlin und war auf dem Weg nach Zürich. Die nächste reguläre Station wäre Nürnberg gewesen. An Bord des Fernbusses waren nach Angaben des Unternehmens Flixbus 53 Fahrgäste und zwei Fahrer.

Grafik Bus Unfall Leipzig Flixbus
Bild: Screenshot t-online

Der Unfall hatte sich gegen 9.45 Uhr zwischen der Anschlussstelle Wiedemar und dem Schkeuditzer Kreuz ereignet. Der Bus hätte planmässig gegen 10 Uhr in Leipzig einen Zwischenstopp einlegen sollen. Die A9 wurde in beide Richtungen komplett gesperrt. Rettungskräfte sind mit fünf Helikoptern vor Ort, wie die «Bild» berichtet.

27.03.2024, Sachsen, Schkeuditz: Einsatzfahrzeuge und Rettungshubschrauber stehen auf der A9 an der Unfallstelle. Bei einem Unfall mit einem Reisebus auf der A9 bei Leipzig ist mindestens ein Mensch u ...
Der Reisebus kam aus bislang ungeklärten Gründen von der Autobahn ab.Bild: keystone

Noch bevor die offiziellen Rettungskräfte eintrafen, war bereits eine Gruppe Feuerwehrleute aus dem Saarland vor Ort: Sie waren auf einem Betriebsausflug gewesen und passierten in ihrem Reisebus die Unfallstelle kurz nach dem Crash.

Wie die «Bild» berichtet, hielten sie ihren Car umgehend an und eilten den Verunfallten zu Hilfe. Die Leiterin der «offiziellen» Feuerwehr bestätigte gegenüber der «Bild»:

«Bevor die offiziellen Einsatzkräfte am Unfallort eintrafen, hat die Gruppe die Verletzten erstversorgt und betreut. Sie haben die Leute aus dem Bus befreit, sie in Kategorien eingeteilt und nach leicht verletzt und schwer verletzt sortiert.»

Autofahrer wurden gebeten, eine Rettungsgasse freizuhalten. Das Schkeuditzer Kreuz liegt am Flughafen Leipzig/Halle. Die A9 ist eine wichtige Nord-Süd-Autobahn, die Berlin und München verbindet.

Die Polizei hatte vorerst fünf Tote vermeldet, am Mittwochabend jedoch die Zahl auf vier korrigiert. Die Polizeidirektorin Leipzig teilte am Abend mit: «Eine der Polizei zunächst als verstorben vermeldete Person befindet sich in einem lebensbedrohlichen Zustand, sodass die Zahl der bei dem Verkehrsunfall getöteten Personen auf vier korrigiert werden muss».

So reagiert die Schweiz

Gegenüber watson sagt das EDA:

«Die Schweizer Vertretung in Berlin steht in Kontakt mit den zuständigen Behörden vor Ort. Entsprechende Abklärungen sind im Gang. Schweizer Staatsangehörige vor Ort werden gebeten, die Anweisungen der lokalen Behörden zu befolgen.»

Die Polizei Sachsen hat eine Hotline für Angehörige eingerichtet, wie das EDA weiter mitteilt. Erreichbar ist sie unter:
+49 341 966 46666

Was weiss man über die Opfer?

Nebst den vier Todesopfern wurden beim Unfall nach Polizeiangaben am Mittwoch auch mindestens 35 Menschen verletzt, sechs davon schwer. In einem weiteren Bus, deren Insassen teilweise als Ersthelfer agierten, erlitten zwei Personen einen Schock und mussten im Anschluss medizinisch betreut werden, wie es hiess.

Zu Identität, Alter und Geschlecht der Verunglückten machten die Ermittler zunächst keine Angaben. Die Identifizierung der Toten sei noch nicht abgeschlossen. «Wir bitten um Verständnis, dass derzeit noch keine weiteren Angaben zu dem Unfallhergang gemacht werden können», teilte die Polizei am Abend weiter mit.

Die Kliniken im Umkreis wurden unmittelbar nach dem Unfall aufgerufen, sich auf mindestens 50 Verletzte und zehn Schwerverletzte vorbereiten, berichtet die «Leipziger Volkszeitung».

Auf Anfrage der Zeitung hiess es aus dem Diakonissenkrankenhaus in Leipzig zudem, man habe die Klinik am Vormittag auf den sogenannten MANV-Betrieb umgestellt, also den Betrieb für einen sogenannten Massenanfall von Verletzten. Dazu seien Schockräume sowie sämtliche OP-Säle blockiert worden, ausserdem sei die CT-Diagnostik auf Standby. Chirurgen, Intensivmediziner, Anästhesisten und Radiologen stünden bereit.

Auch die Helios-Klinik in Schkeuditz bereitete sich laut «Leipziger Volkszeitung» auf die Annahme von Patienten vor.

Wie kam es zum Unfall?

Warum der Reisebus von der Strasse abkam, ist bisher nicht geklärt. Eine Übermüdung des Fahrers wirkt allerdings unwahrscheinlich. In der Fahrpersonalverordnung (FPersV) des Arbeitszeitgesetzes heisst es, ein Busfahrer dürfe einen Bus maximal viereinhalb Stunden am Stück lenken. Danach muss der Fahrer die Fahrt für mindestens 45 Minuten zur sogenannten Lenkzeitunterbrechung einstellen.

Auf der von Flixbus bestätigten Route in Richtung Zürich war der Reisebus allerdings deutlich kürzer als die vorgeschriebenen viereinhalb Stunden maximaler Lenkdauer unterwegs. Laut Fahrplan am ZOB in Berlin, von wo der Bus seine Fahrt in Richtung Zürich aufnahm, verliess der Reisebus Berlin gegen 8 Uhr morgens. Bis zum ungefähren Unfallzeitpunkt um 9.45 Uhr war er demnach eine Stunde und 45 Minuten unterwegs. Natürlich kann eine Übermüdung des Fahrers durch eventuelle Belastungen vor Fahrtantritt zum jetzigen Zeitpunkt nicht ausgeschlossen werden.

Die beiden Fahrer sind nach Angaben der Polizei 53 und 62 Jahre alt. Der Fahrer, der zum Zeitpunkt des Unglücks am Steuer sass, ist nach Angaben der Polizei nicht unter den Toten. Nach Angaben des Busunternehmens war er seit Abfahrt in Berlin um 8 Uhr am Steuer und habe alle Lenk- und Ruhezeiten eingehalten.

Die Polizei ermittelt in dem Fall. Es bestehe der Verdacht auf fahrlässige Tötung, hiess es in einer Mitteilung.

Das sagt Flixbus

Das Verkehrsunternehmen reagierte betroffen auf die Nachricht des Busunglücks. «Unsere Gedanken sind bei allen von diesem Unfall Betroffenen und ihren Angehörigen», heisst es in einer auf X veröffentlichten Stellungnahme.

Eine gesicherte Aussage zur Anzahl der Toten und Verletzten könne das Unternehmen bislang noch nicht treffen. Man arbeite allerdings eng mit den örtlichen Behörden und den Rettungskräften vor Ort zusammen, um die Unfallursache «schnell und lückenlos» aufzuklären.

Wie sicher ist das Reisen im Bus?

Bei Flixbus gab es seit 2017 acht Unfälle mit Todesfolge.

Statistisch gesehen gehören Reisebusse zu den sichersten Verkehrsmitteln. Auf einer Milliarde Personenkilometer (Zahl der transportierten Personen multipliziert mit der Distanz) kommt es in Deutschland zu 0,13 Unfalltoten im Reisebus. Damit ist der Bus fast so sicher wie der Zug (0,03). Zum Vergleich: Im Auto liegt der Wert zwölfmal höher (1,6) – und europaweit ist er sogar nochmals deutlich höher.

+++ Update folgt laufend +++

(rbu/yam/con/sda/dpa/t-online)

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75 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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MediumRare
27.03.2024 13:14registriert Oktober 2020
Lasst mich raten. Unterbezahlte Chauffeure aus Osteuropa, lange Anreise zum Arbeitsort ergo schon übermüdet bei Fahrtantritt, hoher Zeitdruck und noch abgelenkt beim Fahren. Man kann sich nun eine Ursache aussuchen.
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Opossum2
27.03.2024 13:15registriert Januar 2022
Da investiert man 150 Jahre, um die Eisenbahn so sicher wie möglich zu machen, und dann fahren die Leute parallel zu existierenden Eisenbahnstrecken im Bus, wo Sicherheit noch in den Kinderschuhen steckt, weil die politischen Rahmenbedingungen so sind, dass man auf diesem Weg Geld spart. Tragisch.
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Ricolato
27.03.2024 13:09registriert Juni 2023
Wenn man sich die Unfallstatistiken von Flixbus auf Wikipedia EN anschaut, dann wird klar ersichtlich, dass fahren gefährlicher ist. Dem Gefühl nach mit Flixbus noch ein wenig gefährlicher.

https://en.wikipedia.org/wiki/FlixBus#Accidents
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