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Namibia: Deutschland erkennt Kolonialverbrechen als Völkermord an

65'000 Herero getötet: Deutschland erkennt Kolonialverbrechen als Völkermord an

28.05.2021, 06:2328.05.2021, 13:54

Mehr als 100 Jahre nach den Verbrechen der deutschen Kolonialmacht im heutigen Namibia erkennt die Bundesregierung die Gräueltaten an den Volksgruppen der Herero und Nama als Völkermord an. Die Nachkommen will sie mit einem Milliardenbetrag unterstützen.

Hereo aus Namibia
Eine Herero-Frau aus Sesfontein. 65'000 Menschen ihrer Volksgruppe wurden zwischen 1884 und 1915 getötet.Bild: imago-images

«Als Geste der Anerkennung des unermesslichen Leids, das den Opfern zugefügt wurde, wollen wir Namibia und die Nachkommen der Opfer mit einem substanziellen Programm in Höhe von 1,1 Milliarden Euro zum Wiederaufbau und zur Entwicklung unterstützen», sagte Bundesaussenminister Heiko Maas (SPD) am Freitag.

Zuvor hatten Delegationen beider Länder nach fast sechsjährigen Verhandlungen eine Einigung über eine politische Erklärung erzielt, der beide Regierungen nun zugestimmt haben. Das Deutsche Reich war von 1884 bis 1915 Kolonialmacht im heutigen Namibia und schlug Aufstände brutal nieder. Historikern zufolge wurden etwa 65'000 von 80'000 Herero und mindestens 10'000 von 20'000 Nama getötet.

Die Bundesregierung will in dem Abkommen die Tötung Zehntausender Menschen in der Ex-Kolonie Deutsch-Südwestafrika aus heutiger Sicht als Völkermord einstufen. Präsident Frank-Walter Steinmeier soll zudem bei einem Festakt im namibischen Parlament offiziell um Vergebung bitten.

Hereo aus Namibia
In der Nähe des Bremer Hauptbahnhofs steht ein zehn Meter hoher Backstein-Elefant, der 1932 als Reichskolonialehrenmal enthüllt worden war und 1990 vom Bremer Senat zum ersten deutschen Anti-Kolonial-Denkmal umgewidmet wurde.Bild: imago-images

Mit den 1,1 Milliarden Euro sollen vor allem Projekte in den Siedlungsgebieten der Herero und Nama gefördert werden. Dabei soll es um Landreform, Landwirtschaft, ländliche Infrastruktur und Wasserversorgung sowie Berufsbildung gehen. Die Bundesregierung betont aber, dass sich aus ihrer Anerkennung des Völkermords und der Gründung des Hilfsfonds keine rechtlichen Ansprüche auf Entschädigung ergeben, sondern dass es um eine politisch-moralische Verpflichtung geht.

«Ich bin froh und dankbar, dass es gelungen ist, mit Namibia eine Einigung über einen gemeinsamen Umgang mit dem dunkelsten Kapitel unserer gemeinsamen Geschichte zu erzielen», sagte Maas. (sda/dpa)

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