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Christian Lindner, Chef der deutschen FDP.
Christian Lindner, Chef der deutschen FDP.Bild: EPA/EPA

Wie in Deutschland ein FDPler von Brötchen spricht und eine Rassismus-Debatte lanciert

In Deutschland will der FDP-Chef Christian Lindner eine Bäckerei-Anekdote erzählen. Diese fliegt ihm jetzt um die Ohren. 
14.05.2018, 04:4114.05.2018, 06:22

Am Samstag traf sich die deutsche Freie Demokratische Partei (FDP) zum Parteitag in Berlin. Der Anlass stand unter dem Motto «Innovation Nation». Der Chef der Partei, Christian Lindner, wollte originell sein und eröffnete mit einer Anekdote. Hätte er gewusst, was diese auslöst, er hätte wohl eine andere Geschichte erzählt.

In seiner Rede schilderte Lindner eine Beobachtung aus dem Alltag. Man stelle sich vor, man stehe beim Bäcker im Laden in der Warteschlange:

«Man kann beim Bäcker in der Schlange nicht unterscheiden, wenn einer mit gebrochenem Deutsch ein Brötchen bestellt, ob das der hochqualifizierte Entwickler künstlicher Intelligenz aus Indien ist oder eigentlich ein sich bei uns illegal aufhaltender, höchstens geduldeter Ausländer.»

Für eine befriedete Gesellschaft sei es nötig, dass in einer solchen Situation alle in der Bäckerei anwesenden wissen, «dass es keine Zweifel an der Rechtschaffenheit des Mannes gibt.» «Die Menschen müssen sich sicher sein, auch wenn jemand anders aussieht und nur gebrochen Deutsch spricht.» Das sei die Aufgabe einer fordernden, liberalen rechtsstaatlichen Einwanderungspolitik.

Während der Parteitag geordnet zu Ende geht und sich niemand über Lindners Vergleich aufregt, braut sich im Netz ein Shitstorm zusammen. Später bricht dieser über Lindner herein.

Als dann das FDP-Mitglied Chris Pyak in der Folge auf Twitter den Parteiaustritt bekannt gibt, ist der Skandal perfekt. In seiner Kurznachricht verurteilt Pyak den Parteichef Lindner, Nazis einen Vorwand geliefert zu haben, dunkelhäutige Menschen zu drangsalieren. 

Die Debatte ist lanciert. In Lindners Worten werden AfD-Argumente erkannt, Sozialdemokraten und Grüne wettern, die Bäckerei-Anekdote sei rassistisch. 

Zuletzt ist der Protest so gross, dass sich Lindner gezwungen sieht, eine Erklärung nachzureichen. In einem Video, das er auf Twitter hochlädt, sagt er, ein Bekannter, selber ein Zuwanderer, habe ihm geschildert, dass ihm vermehrt Fremdenangst begegne, zum Beispiel in der Warteschlange beim Bäcker. «Wer in meinen Äusserungen Rassismus liest, ist hysterisch unterwegs.» Vielmehr gehe ihm es darum, den Menschen das Vertrauen in einen funktionierenden Rechtsstaat zurückzugeben. 

Zwar vermochte Lindner mit dem Video die Wellen etwas zu glätten. Doch ganz aus der Affäre konnte er sich damit nicht ziehen. Denn die Debatte zeigt ein Problem auf, das es so einfach nicht auszumerzen gibt: Die FDP und die AfD kämpfen in Deutschland teilweise um dieselbe Wählerschaft. Geht es um die Einwanderungsfrage, plädiert die FDP auf einen starken Rechtsstaat, will sich gleichzeitig aber von den Rechtspopulisten abgrenzen. Wie sich zeigt, ist dies eine Gratwanderung, die nicht immer einfach ist. (sar)

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24 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Tapatio
14.05.2018 08:49registriert August 2017
m.E. zeigt das v.a. dass in Deutschland leider keine öffentliche Debatte zum Thema Migration geführt werden kann. Jeder der nur ansatzweise etwas kritisiert wird sofort mit der Nazi-Keule erschlagen.
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danbla
14.05.2018 07:27registriert Januar 2015
Die 2010er Jahre. Die Dekade der Empörten.
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olmabrotwurschtmitbürli #wurstkäseszenario
14.05.2018 09:40registriert Juni 2017
Eigentlich wollte Lindner wohl sagen, dass die Akzeptanz gegenüber sog. "Fremden" grösser wäre, wenn der Bürger darauf vertraut, dass die Vorgaben im Ausländerrecht durch den Staat umgesetzt werden.

Ich glaube zwar nicht, dass es diesen Zusammenhang wirklich gibt, aber die Aufregung verstehe ich auch nicht.
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