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epa06059055 German journalist Kai Diekmann and Maike Kohl-Richter, Helmut Kohl's widow, stand in front of the coffin of the late former German Chancellor Helmut Kohl in Oggersheim, Ludwigshafen, Germany, 01 July 2017. Helmut Kohl has died at the age of 87 in his home in Ludwigshafen, 16 June 2017. The coffin of Former German chancellor Helmut Kohl is transported from Oggersheim to Strasbourg as part of a ceremony in his honor.  EPA/RONALD WITTEK

Zahlreiche Staats- und Regierungschefs wollen Abschied von Helmut Kohl nehmen und seine Verdienste für Europa würdigen Bild: RONALD WITTEK/EPA/KEYSTONE

Abschied von Helmut Kohl – «Ich habe ihn geliebt»



Im EU-Parlament in Strassburg hat am Samstag der Trauerakt für den früheren deutschen Bundeskanzler Helmut Kohl stattgefunden. Zahlreiche Staats- und Regierungschefs nahmen Abschied. Berührende, auch persönliche Worte prägten die Trauerfeierlichkeiten.

«Helmut Kohl war ein deutscher Patriot, aber auch ein europäischer Patriot», sagte EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker am Samstag im Europarlament von Strassburg. «Mit Helmut Kohl verlässt uns ein Nachkriegsgigant.» Kohl war am 16. Juni mit 87 Jahren gestorben.

«Mit Helmut Kohl verlässt uns ein Nachkriegsgigant.»

Jean-Claude Juncker

EU-Ratspräsident Donald Tusk verband seine Würdigung des Altkanzlers vor dem in eine blaue Europaflagge gehüllten Sarg mit einem Appell an die heutigen Politiker des Kontinents, klare Botschaften zu senden: «Ein Ja für die Union, ein Ja für die Freiheit, ein Ja für die Menschenrechte.»

epa04209011 Top Conservative candidate for the European elections Jean-Claude Juncker (C-L) poses for the media with former German chancellor Helmut Kohl (C-R) in front of a section of the former Berlin Wall at the garden ofKohl's home in Oggersheim, Germany, 16 May 2014. The European Union will hold elections from 22 to 25 May 2014 to form a new European Parliament, whose 751 members will elect the new European Commission president.  EPA/UWE ANSPACH

Jean-Claude Juncker zusammen mit Helmut Kohl im Mai 2014. Bild: EPA/DPA

epa06059403 (L-R) Former US president Bill Clinton, German Chancellor Angela Merkel and France's President Emmanuel Macron sit together as world leaders gather for the European Ceremony of Honour for late former German chancellor Helmut Kohl in Strasbourg, France, 01 July 2017. Kohl, widely regarded as the father of German reunification in 1990, died on 16 June 2017 at his home in Ludwighshafen, Germany. He was the sixth chancellor of the Federal Republic of Germany from 1982 to 1998.  EPA/PATRICK SEEGER

Merkel erinnerte auch an Kohls erste Ehefrau Hannelore, die sich 2001 das Leben genommen hat. «Wir gedenken auch ihrer in Dankbarkeit.» Bild: PATRICK SEEGER/EPA/KEYSTONE

Merkel: «Grosser Brückenbauer»

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel nannte Kohl einen grossen Brückenbauer. «Er war ein den Menschen zugewandter Weltpolitiker», sagte die CDU-Chefin. Jetzt müssten die nächsten Generationen sein Vermächtnis bewahren - den engagierten, unermüdlichen Einsatz für Frieden, Freiheit und Einheit.

Merkel dankte dem Altkanzler auch persönlich: «Lieber Bundeskanzler Helmut Kohl, dass ich hier stehe, daran haben Sie entscheidenden Anteil. Danke für die Chancen, die Sie mir gegeben haben.» Sie schilderte ihren Amtsvorgänger als Mann der absoluten Verlässlichkeit, Vertrauenswürdigkeit und unerschütterlichen Überzeugung - und auch als Politiker, an dem sich viele Menschen gerieben hätten und der Gegenargumente scharf abwehren konnte.

Auch Juncker erinnerte an Kohls Rolle als Kanzler der deutschen Wiedervereinigung und beim Zusammenwachsen Europas. Zwischen beiden Zielen habe es für ihn keinen Widerspruch gegeben. In «geduldigen Einzelgesprächen» habe er die Skepsis in manchen europäischen Ländern gegen die deutsche Einigung abgebaut. «Er hat die Gunst der Stunde richtig eingeschätzt und genutzt.» Ohne Kohl hätte es zudem den Euro nicht gegeben, sagte Juncker. «Für ihn war der Euro stets europäische Friedenspolitik mit anderen Mitteln.»

European Parliament employees set up a giant portrait of former German Chancellor Helmut Kohl before an European ceremony in Strasbourg, eastern France, Saturday Juny 1, 2017. Germany will later bid farewell to Kohl with a requiem Mass and military honors at the cathedral in Speyer, in his home region. (AP Photo/Michel Euler)

Vorbereitungen der Beisetzung von Helmut Kohl.  Bild: Michel Euler/AP/KEYSTONE

EU-Ratschef Tusk nannte Kohl einen Wegbereiter der europäischen Einigung sowohl im Westen als auch im Osten des lange geteilten Kontinents. «Seine Vision ging weit über die deutschen Grenzen und die deutschen Interessen hinaus.» Der Deutsche habe «verstanden, dass die ersten, die der Berliner Mauer Risse beigebracht haben, die Werftarbeiter von Danzig waren», betonte der selbst aus Danzig stammende Pole Tusk mit Blick auf die Verdienste der Gewerkschaft Solidarnosc für die demokratische Entwicklung Ost- und Mitteleuropas.

EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani hob Mut und Tatkraft Kohls hervor. «Er war ein Kämpfer für die Freiheit und die Demokratie und einer der Protagonisten der Wiedervereinigung unseres Kontinents. Stets und überall verteidigte er die Würde des Menschen gegen Mauern, gegen eiserne Vorhänge und gegen totalitäre Regime.» Kohl habe massgeblich den Lauf der Geschichte beeinflusst, so Tajani. «Wir finden kein Kapitel der europäischen Integration, dem er nicht mutig seinen Stempel aufgedrückt hätte.»

epa06059335 French President Emmanuel Macron arrives for the European ceremony in honour for the late former German Chancellor Helmut Kohl in the European Parliament in Strasbourg, France, 01 July 2017. Kohl, widely regarded as the father of German reunification in 1990, died on 16 June 2017 at his home in Ludwighshafen, Germany. He was the sixth chancellor of the Federal Republic of Germany from 1982 to 1998.  EPA/MATHIEU CUGNOT

Kohl sei ein grosser Freund Frankreichs gewesen sagte Emmanuel Macron.  Bild: MATHIEU CUGNOT/EPA/KEYSTONE

Macron: «Er reichte uns die Hand»

Der französische Präsident Emmanuel Macron würdigte den Altkanzler als grossen Freund seines Landes. «Helmut Kohl reichte uns die Hand.» Macron erinnerte an die Annäherung beider Länder in den 80er Jahren und die Nähe Kohls zum damaligen französischen Präsidenten François Mitterrand. Der 39-Jährige bekräftigte seinen Willen zur engen Zusammenarbeit mit Deutschland und Bundeskanzlerin Merkel. Auf Deutsch sagte er: «Wir haben heute überhaupt keinen Anlass zur Resignation. Wir haben vielmehr Grund zu realistischem Optimismus.»

Der frühere US-Präsident Bill Clinton sagte, Kohl habe eine Welt gewollt, in der Zusammenarbeit als besser gilt als der Konflikt. «Er wollte eine Welt schaffen, in der niemand niemanden dominiert.» Zum Schluss sagte Clinton: «Du hast das gut gemacht in deinem Leben. Und wir, die wir dabei sein durften, lieben dich dafür.»

Der russische Ministerpräsident Dmitri Medwedew erinnerte an die engen Beziehungen Kohls zu seinem Land. Für den Altkanzler sei Russland Bestandteil eines vereinten Europas gewesen, sagte Medwedew, der in Strassburg als Privatperson sprach. «Für ihn war das ein Teil eines gemeinsamen Hauses, ohne Stacheldraht.»

Erstmals wurde für einen Politiker ein solcher europäischer Trauerakt ausgerichtet. Einen deutschen Staatsakt für Kohl wird es dagegen nicht geben. Der mit einer Europaflagge bedeckte Sarg des Altkanzlers war am Morgen aus Kohls Haus in Ludwigshafen-Oggersheim getragen worden. Anschliessend machte sich ein Fahrzeugkonvoi auf den Weg nach Strassburg.

epa06059377 Former US president Bill Clinton speaks at the European Parliament as world leaders gather for the European Ceremony of Honour for late former German chancellor Helmut Kohl in Strasbourg, France, 01 July 2017. Kohl, widely regarded as the father of German reunification in 1990, died on 16 June 2017 at his home in Ludwighshafen, Germany. He was the sixth chancellor of the Federal Republic of Germany from 1982 to 1998.  EPA/PATRICK SEEGER

«Ich habe ihn geliebt.»: Sehr persönlich und emotional äusserte sich der ehemalige US-Präsident Bill Clinton. Bild: PATRICK SEEGER/EPA/KEYSTONE

Beerdigung im Dom zu Speyer

Am Abend sollte der frühere Bundeskanzler nach einem Requiem im Speyerer Dom beerdigt werden. Kohl war 16 Jahre lang Bundeskanzler, 25 Jahre lang CDU-Vorsitzender und «Ehrenbürger Europas».

Am Nachmittag sollte ein Helikopter den Sarg nach Ludwigshafen zurückbringen. Im Dom zu Speyer sollte um 18 Uhr der katholische Bischof Karl-Heinz Wiesemann die Totenmesse halten. Rund 1500 geladene Gäste wurden dazu erwartet.

Nach einem militärischen Ehrenzeremoniell der Bundeswehr sollte Kohl dann um 20.30 Uhr auf einem nahen Friedhof in Speyer im Freundes- und Familienkreis beigesetzt werden. Er wird damit nicht im Familiengrab in Ludwigshafen bestattet.

Ein Grossaufgebot der Polizei mit mehr als 1000 Beamten sichert die Trauerfeierlichkeiten. Die Beisetzung dürfte zu den grössten Beerdigungen in der deutschen Nachkriegsgeschichte zählen, Tausende Menschen wurden dazu allein in Speyer erwartet. (sda/dpa)

Video: watson/Helene Obrist

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