DE | FR
International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bild

Die Zerstörungswut in Frankfurt war gross. bild: twitter/stephanaitch

«Neue Stufe der Gewalt erreicht» – was dieses Wochenende in Frankfurt passiert ist

Nach den Ausschreitungen Ende Juni in Stuttgart ist es in der Nacht auf vergangenen Sonntag auch in Frankfurt zu Krawallen gekommen. So etwas habe er in Frankfurt «noch nie erlebt», sagte Polizeipräsident Gerhard Bereswill.



Was ist passiert?

Gemäss dem Frankfurter Polizeipräsidenten Gerhard Bereswill wurden Einsatzkräfte in der Nacht auf Sonntag aus einer Menschenmenge mit Flaschen angegriffen, dies obwohl sie «deeskalierend» gehandelt hätten. Als die Randalen ausbrachen, hatten rund 3000 Menschen auf dem Opernplatz gefeiert. Bei den Zwischenfällen wurden mindestens fünf Polizisten verletzt.

39 Menschen seien in der Folge festgenommen worden, alle wurden inzwischen jedoch wieder auf freien Fuss gesetzt. Es werde wegen Landfriedensbruch und gefährlicher Körperverletzung ermittelt.

Die Festgenommenen seien bis auf eine Frau ausschliesslich Männer im Alter von 17 bis 23 Jahren, teilte die Polizei mit. Zunächst hatten die Ermittler das Alter der Beteiligten mit 17 bis 21 Jahren angegeben. Neun stammten aus Frankfurt, die restlichen 30 aus der Umgebung.

«Der genaue Status der Personen, im Hinblick ob sie Deutsche oder Nicht-Deutsche sind und inwieweit sie von der Person her Migrationshintergrund haben oder ob sie eventuell Asylantragsteller sind, das ist noch offen», sagte der Frankfurter Polizeipräsident Gerhard Bereswill. «Was ich aber jetzt schon sagen kann aufgrund der Betrachtung der Gesamtliste: Es handelt sich vorwiegend um Männer mit Migrationshintergrund.»

Wieso ist die Lage eskaliert?

Gegen 3 Uhr morgens war es laut Polizei zu einer Schlägerei am Brunnen auf dem Opernplatz gekommen, an der 25 bis 30 Menschen beteiligt gewesen waren. Zu diesem Zeitpunkt seien noch rund 500 bis 800 Menschen auf dem Opernplatz versammelt gewesen. «Die Stimmung begann zu kippen», sagte Bereswill. Bei der Schlägerei sei eine Person verletzt am Boden liegen geblieben. Daraufhin hätten etwa zehn Beamte beschlossen einzuschreiten, «um den Verletzten zu versorgen und den Streit zu schlichten». Die Beteiligten der Schlägerei hätten sich dann gegen die Beamten gewandt und sie «massiv» mit Flaschen beworfen. Umstehende hätten sich ihnen angeschlossen.

Wie nahm die Polizei die Situation wahr?

Umgekippte Mülltonnen, zertrümmerte Scheiben, zerschlagene Glasflaschen: Die Spuren der Krawalle in der Nacht waren am Morgen auf dem Frankfurter Opernplatz noch deutlich zu sehen.

Polizeipräsident Bereswill sieht die Krawalle als «absoluten, negativen Höhepunkt» der vergangenen Wochen. «Das ist sehr schlimm, was sich da entwickelt und heute Nacht entladen hat», sagte Bereswill.

Die Anwesenden hätten gejubelt, wenn eine Flasche die Polizisten getroffen habe. «Von der Qualität, aber auch von der Anzahl ist das etwas, was ich in Frankfurt noch nicht erlebt habe», so Bereswill. Die Polizei habe zwei Ketten gebildet und die Menschen so vom Platz in eine Strasse gedrängt. Dort seien mutmassliche Flaschenwerfer gezielt festgenommen worden. Dabei seien die Beamten attackiert worden, Bereswill sprach von einem «Hagel aus Flaschenwürfen». Einer der Männer habe «ganz herausragend agiert» und mehr als 20 Flaschenwürfe zu verantworten. Damit habe er auch andere animiert, sagte Bereswill.

Auch nicht Direktbeteiligte halten sich mit Kritik nicht zurück. Thomas Mohr (57), Landesvorstand der Gewerkschaft der Polizei (GdP), schreibt auf Facebook: «Die Täter, erneut überwiegend junge Männer mit Migrationshintergrund, die keinen Respekt haben vor staatlichen Institutionen, kein Benehmen, keine Wertschätzung vor dem Eigentum anderer Menschen, keine Skrupel haben Menschen Gewalt anzutun. Sie suchen die Anerkennung und Aufmerksamkeit in den sozialen Netzwerken.»

Was sagt die Politik?

Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) verurteilte die Angriffe. «Die Beteiligten müssen umgehend zur Rechenschaft gezogen werden», schrieb Feldmann am Sonntag auf Twitter. Er forderte zudem, die Polizeipräsenz an solchen «Hotspots» zu erhöhen. AfD-Bundestagsfraktionsvorsitzende Alice Weidel forderte auf Twitter: «Es muss endlich konsequent durchgegriffen werden.»

Frankfurts Sicherheitsdezernent Markus Frank (CDU) zeigte sich bestürzt von den Angriffen. «Ich bin fassungslos, dass gezielt Polizeibeamte angegriffen werden, wenn sie einem Menschen helfen wollen.». «Damit ist eine neue Stufe der Gewalt erreicht.» Bei einer Sicherheitskonferenz am Montagvormittag sollen laut Frank weitere Massnahmen besprochen werden. In den vergangenen Wochen hatte sich der als edel geltende Opernplatz an der Alten Oper in Frankfurt zur Freiluft-«Partyzone» entwickelt.

Nach einer Sicherheitskonferenz haben sich Stadt und Polizei gemäss der Frankfurter Rundschau auf folgende Massnahmen geeinigt:

Mit Material von sda und dpa

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Die 10 saubersten Städte weltweit

Der Grenzzaun ist Geschichte

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Strafanzeige gegen NZZ-Autorin eingereicht – wegen Text über Transkinder

Die umstrittene Autorin Birgit Kelle hat in der NZZ einen Artikel über Transkinder veröffentlicht – und dabei kräftig ausgeteilt. Nun hat eine prominente Feministin Strafanzeige gegen Kelle eingereicht.

Für die deutsche Journalistin und Buchautorin Birgit Kelle ist Provokation das Mittel der Wahl. Und damit treibt sie regelmässig viele Berufskolleginnen und grosse Teile der deutschen Feministinnenszene zur Weissglut.

So beispielsweise im Januar 2013, als Deutschland unter dem Hashtag #Aufschrei über Sexismus und sexuelle Übergriffe diskutierte. Tausende Frauen beschrieben dabei in den sozialen Medien ihre eigenen Erfahrungen mit Sexismus und mit übergriffigen Männern.

Ausgelöst worden war die …

Artikel lesen
Link zum Artikel