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«Hahnenkampf» in Corona-Zeiten: Wer wird Merkels Nachfolger?



epa08289773 German Chancellor Angela Merkel (L), North Rhine-Westphalia State Premier Armin Laschet (3-L), State Premier of Bavaria Markus Soeder (R) talk next German Health Minister Jens Spahn (2-L) and Saarland State Premier Tobias Hans (4-L) during a meeting of the chancellor with heads of federal state governments at the chancellery in Berlin, Germany, 12 March 2020. German Chancellor Angela Merkel and the heads of federal states meet to coordinate and discuss questions regarding the coronavirus crisis.  EPA/CLEMENS BILAN

Merkel und einige potenzielle Nachfolger. Bild: EPA

In der Coronakrise läuft Bundeskanzlerin Angela Merkel zu Hochform auf. Die deutsche Regierungschefin ist auf allen Nachrichtenkanälen präsent, erläutert den Bürgern notwendige Quarantänemassnahmen und warnt vor all zu schnellen Lockerungen. Als Krisenlotsin kommt Merkel laut Umfragen gut an: Mit 64 Prozent Zustimmung erzielte sie im jüngsten ARD-Deutschlandtrend den bisher höchsten Wert in dieser Legislaturperiode.

Mit ihr schwebt die deutsche Christdemokratie im Umfragehoch. Wenn jetzt gewählt würde, kämen Merkels CDU und die nur in Bayern antretende Schwesterpartei CSU zusammen auf 37 bis 39 Prozent - weit mehr als bei der Bundestagswahl 2017 (32.9 Prozent). Die nächste nationale Wahl steht im September 2021 an. Merkel, die seit bald 15 Jahren regiert, will dann nicht mehr antreten. Die Frage ihrer Nachfolge wird auch zu Coronazeiten in Deutschland heiss diskutiert.

Eine mögliche Vorentscheidung wurde erst einmal vertagt, ein für den 25. April angesetzter CDU-Sonderparteitag auf unbestimmte Zeit verschoben. Dort sollte der Nachfolger von Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer gewählt werden. Diese hatte nach anhaltender interner Kritik an ihrer Amtsführung angekündigt, nicht mehr als Parteivorsitzende und Kanzlerkandidatin zur Verfügung zu stehen. Um den Posten haben sich drei CDU-Männer beworben, der prominenteste unter ihnen ist Nordrhein-Westfalen Ministerpräsident Armin Laschet.

Der neue CDU-Chef würde wahrscheinlich auch Kanzlerkandidat. Sicher ist das aber nicht, denn beim gemeinsamen Spitzenkandidaten von CDU und CSU haben auch die Bayern ein Wort mitzureden. Und so wird in den Medien auch der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder als möglicher Kanzlerkandidat gehandelt.

epa08333726 German Health Minister Jens Spahn (L) and Prime Minister of North Rhine-Westphalia, Armin Laschet (R) arrive for a joint visit to the University Hospital in Duesseldorf, Germany, 31 March 2020. The ministers inform themselves with employees of the University Hospital and students who have volunteered for support about the current situation and the special challenges in the ongoing pandemic of the COVID-19 disease caused by the SARS-CoV-2 coronavirus. According to the disease control centre of the Robert Koch Institute, the number of coronavirus cases in Germany has exceeded the 67,000 mark on 31 March 2020.  EPA/SASCHA STEINBACH

Spahn (links) und Laschet. Bild: EPA

Laschet (59) und Söder (53) regieren die beiden bevölkerungsreichsten Bundesländer. Bayern ist, vermutlich wegen seiner Nähe zu Österreich und Italien, mit knapp 300 Infektionen pro 100 000 Einwohner das am stärksten von der Coronapandemie betroffene Bundesland. Bis Mittwoch gab es 1424 Todesfälle. Entsprechend machte sich Söder bei der Coronabekämpfung als Hardliner einen Namen, brachte früher als anderswo Schulschliessungen und Ausgangsbeschränkungen auf den Weg und beeinflusste damit auch die deutschlandweite Debatte. Der britische «Economist» bezeichnete ihn als «Deutschlands de-facto-Coronachef». Laschet hingegen zählt zu den Politikern, die eher für Lockerungen und baldige Schulöffnungen plädieren.

So sehen viele ein Fernduell zwischen Söder und Laschet um die Kanzlerkandidatur im Gange. Bei den Sozialdemokraten, die mit CDU und CSU in einer schwarz-roten Koalition regieren, kommt das nicht gut an. SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil warf den beiden Profilierungsversuche in der Corona-Krise vor. «Das wirkt manchmal wie ein Hahnenkampf um das Merkel-Erbe, bei dem sich die Beteiligten gegenseitig belauern und zwanghaft versuchen, schneller zu sein als der andere», sagte Klingbeil in einem Zeitungsinterview. Der «Wettbewerb zwischen München und Düsseldorf» laufe aus dem Ruder.

Christian Social Union, CSU, chairman and Bavarian governor Markus Soeder briefs the media at the chancellery in Berlin, Germany, early Thursday, April 23, 2020. Germany's ruling coalition parties discuss with Chancellor Angela Merkel measures to stabilize the countries economy after the coronavirus outbreak. (AP Photo/Markus Schreiber, Pool)

Gute Karten: Markus Söder Bild: AP

Laschet weist solche Vorwürfe zurück. «Wir liefern uns kein Duell, das wäre auch angesichts der Lage völlig unangemessen», sagte er in einem Interview des Nachrichtenmagazins «Der Spiegel». Er kenne niemanden, der derzeit ernsthaft über Kanzlerkandidaturen nachdenke, fügte er hinzu. Söder seinerseits wies eigene Ambitionen auf das höchste Regierungsamt zurück. «Die Frage, wie es im nächsten Jahr weitergeht, spielt überhaupt keine Rolle für mich», sagte er in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur.

Der neue CDU-Chef wird vermutlich erst beim regulären Bundesparteitag im Dezember gewählt. Laschets Mitbewerber, der frühere Fraktionschef Friedrich Merz und der CDU-Aussenpolitiker Norbert Röttgen, haben es derzeit schwer, öffentliche Aufmerksamkeit zu finden, denn in Krisenzeiten schlägt die Stunde der Exekutive.

25.02.2020, Berlin: Friedrich Merz (CDU), ehemaliger Unions-Fraktionsvorsitzender im Bundestag, sitzt auf einer Pressekonferenz in der Bundespressekonferenz zu einer möglichen Kandidatur für den CDU-Vorsitz. Foto: Michael Kappeler/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Friedrich Merz Bild: dpa

Die Kanzlerkandidatur dürfte Anfang 2021 entschieden werden. Söder hatte schon im Februar bekräftigt, dass die CSU dabei ein Wort mitzureden habe, aber auch versichert, dass sein Platz in Bayern sei. In nationalen Umfragen liegt der aus Nürnberg stammende Franke deutlich vor Laschet oder Merz. Unter den CDU-Granden hat Saarlands Ministerpräsident Tobias Hans den CSU-Chef als «natürlichen Aspiranten» bezeichnet.

In den 71 Jahren der Bundesrepublik Deutschland hat die CDU 51 Jahre lang den Kanzler oder die Kanzlerin gestellt. Zweimal - zu Oppositionszeiten - trat ein CSU-Mann als Kanzlerkandidat an. Beide Male - mit Franz Josef Strauss 1980 und Edmund Stoiber 2002 - verlor die CDU/CSU die Bundestagswahl. (aeg/sda/dpa)

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5Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • MarGo 23.04.2020 16:31
    Highlight Highlight Gysi! Ganz klar Gysi...
    Was?

    Nicht?


    Ohhh... :'(
  • Bivio 23.04.2020 13:14
    Highlight Highlight In der jetztigen From wäre Markus Söder ganz klar in der Pole Position. Laschet setzt sich von einem Fettnäpfchen ins andere und Merz war wegen der Corona-Infektion die letzten Wochen auf Tauchstation. Nur Söder konnte sich optimal präsentieren und trieb die Anderen mit seiner Politik vor sich her.
    Sein Handicap ist jedoch die CSU. Ich bin mir nicht sicher ob die CDU zulassen würde, dass einer der Schwesterpartei Kanzlerkandidat würde. Weder Strauss noch Stoiber konnten sich effektiv durchsetzen.
    Daneben müssten viele Merkelianer unter Söder den Hut nehmen. Das wollen diese bestimmt nicht.
    • Shabaqa 23.04.2020 14:27
      Highlight Highlight Zu Strauss und Stoiber: Damals war die Union in einer anderen Lage, mit einer SPD auf Augenhöhe. Ich fände es interessant zu sehen, wie sich ein CSU-Kanzlerkandidat der Union in der aktuellen Parteienlandschaft schlagen würde. Bliebe die Union z. B. klar stärkste Kraft, jedoch gegenüber einer Rotrotgrünen Mehrheit? Ich glaube aber, die Chancen für die CSU sind so gross wie noch nie.
  • Varanasi 23.04.2020 10:37
    Highlight Highlight Laschet hat sich mit seiner fragwürdigen Heinsberg Studie und seinem Corona Kurs (Schullöffnungen, verkaufsoffener Sonntag in Köln etc.) ziemlich ins Abseits geschossen.
    Über Merz mag ich gar nicht reden. Das wäre eine Katastrophe, wenn er Kanzler würde.
    Röttgen, der hat keine Chance.
    Alles läuft auf Söder hinaus. Aber nun, es kann sich bis dahin auch noch viele ändern.
  • Haihappen 23.04.2020 10:14
    Highlight Highlight So weit ich das denn überhaupt beurteilen kann, will der Söder gar nicht und wird vor allem von den Verlagshäusern gehyped und will selber gar nich nach Berlin. In München ist's für Ihn bequemer und risikofreier. In dieser Debatte wird Landes- mit Bundespolitik vermischt.

    M. E. wäre M. Söder allerdings die bessere Wahl weil begeisterungsfähiger und noch nicht vom CDU-Bundestrott beschädigt. Dass er auch Klima kann wenn's ihm nützt: umso besser. Ein progressiver Populist hat auch seine Vorteile

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