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Diese Karten zeigen das wahre Ausmass der von Russland eroberten Gebiete

Das von Russland in der Ukraine eroberte Territorium (links) verglichen mit Italien und Deutschland. Die markierten Flächen sind jeweils gleich gross.
Das von Russland in der Ukraine eroberte Territorium (links) verglichen mit Italien und Deutschland. Die markierten Flächen sind jeweils gleich gross.grafik: via @kasparov63

Diese Karten führen uns das wahre Ausmass der von Russland eroberten Gebiete vor Augen

Dorf um Dorf rücken russische Truppen im Osten der Ukraine vor. 20 Prozent des Landes wurden erobert. Wie gross die inzwischen besetzten Gebiete sind, zeigt der Vergleich mit europäischen Ländern.
03.06.2022, 10:5604.06.2022, 14:04
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Russische Truppen rücken im Osten unter schweren Verlusten vor. Bereits werden Stimmen lauter, die fordern, die Ukraine müsse Russland Teilgebiete abtreten und Putin ein Friedensangebot unterbreiten. Je länger der russische Angriffskrieg dauert, je mehr Gebietsgewinne die Russen erzielen und je stärker die Preise bei uns steigen, desto lauter werden diese Rufe in Westeuropa und den USA werden.

Doch von welcher Fläche reden wir überhaupt? Mitteleuropäer – und Amerikaner erst recht – haben oft nur eine sehr vage Vorstellung der Flächenverhältnisse, wenn es um die Ukraine geht.

Wie gross das von Russland kontrollierte Territorium derzeit verglichen mit europäischen Ländern ist, zeigen die folgenden Karten.

Wenn man die Ukraine auf Mitteleuropa legt, würde sich das Land von London bis Wien und von Hamburg bis Genf erstrecken.

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grafik watson (erstellt mit thetruesize.com)

Russland kontrolliert mittlerweile fast den gesamten Donbass, weite Gebiete im Süden und die Halbinsel Krim. Das sind 20 Prozent der Ukraine.

Russisches Vormarschgebiet = Nach dem 24. Februar 2022 besetzte Gebiete.

Das von Russland eroberte Gebiet im Vergleich zu Mitteleuropa

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grafik: watson (erstellt mit scale-a-tron)

Auf Mitteleuropa übertragen erstreckt sich das besetzte Gebiet vom Tessin bis fast nach Berlin. Das sind rund 800 Kilometer.

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grafik: watson

Das eroberte Territorium, wenn man es auf die Schweiz und Österreich legen würde.

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grafik: watson

Die russisch kontrollierten Gebiete haben eine Fläche von rund 123'000 km2 und sind somit genau dreimal grösser als die Schweiz.

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grafik: via @Kasparov63

Russland hat in der Ukraine seit der Krim-Annexion 2014 ziemlich exakt die Fläche der Schweiz und von Österreich erobert.

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grafik: via @kasparov63

Russlands unrechtmässiger Landgewinn entspricht Tschechien und der Slowakei.

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grafik: via @kasparov63

Oder der Hälfte der Fläche des Vereinigten Königreichs …

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grafik: via @kasparov63

… respektive 40 Prozent von Italien.

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grafik: via @kasparov63

Die bislang im Krieg erbeuteten Gebiete wären rund ein Drittel von Deutschland …

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grafik: via @kasparov63

... oder Slowenien, Kroatien, Bosnien und Herzegowina sowie Montenegro zusammen.

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grafik: via @kasparov63

Solche Flächenvergleiche sind eindrücklich, haben aber einen entscheidenden Haken: Der Wert eines Landesteiles bemisst sich aus Sicht von Staaten nicht primär aufgrund seiner Fläche, sondern anhand von Faktoren wie Bevölkerungsdichte, vorhandenen Bodenschätzen, der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit einer Region oder deren strategischen Bedeutung – beispielsweise Zugang zum Meer. Nicht zu vergessen sind kulturelle und historische Gegebenheiten.

Abschliessend lässt sich sagen: Die grosse Mehrheit der Ukrainerinnen und Ukrainer ist derzeit nicht bereit, auch nur kleinste Landesteile abzutreten – selbst wenn das bedeutet, dass der Krieg noch lange andauert. Russlands Aggression mit Gebietsgewinnen honorieren zu wollen ist für sie schlicht keine Option. Die jüngste Geschichte hat sie gelehrt, dass Putin jede Schwäche rigoros bestraft.

«Gebietsabtretungen an Russland wären vielleicht temporär stabilisierend. Längerfristig öffnen sie aber Tür und Tor für weitere russische Ambitionen und Interventionen, wie wir ja seit 2014 – der Besetzung der Krim und des Donbass – gesehen haben», erklärt Benno Zogg, Sicherheitsexperte an der ETH, im Interview mit watson. Russland würde sich dadurch «in seiner Erpressung und Kriegsführung bestärkt fühlen», sagt Zogg.

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Russlands Vormarsch im Donbas
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124 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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farbar
03.06.2022 11:36registriert April 2015
"Erobert" hört sich für mich an, wie wenn dahinter eine Leistung steht, die den Vorgang rechtfertigt. Müsste man nicht eher sagen "besetzt"?
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kleine_lesebrille
03.06.2022 11:22registriert Mai 2022
Sehr guter Bericht. Die Ausmasse der besetzten Gebiete sind enorm. Und in diesen Gebieten gibt es tausende Menschen, welche keine russischen Pässe wollen, sondern weiter zur Ukraine gehören möchten. Zudem gibt es keinerlei Sicherheiten für die Menschen dort. Die russische Militärverwaltung kann da machen, was sie will (Diebstahl, Verhaftungen, Folterungen, Vergewaltigungen, Verschleppungen, Morde). Dass man aus diesen annektierten Gebieten nur spärliche Informationen hört, lässt das Schlimmste befürchten.

Erst durch Rückeroberungen sieht man, was die russischen Soldaten „gemacht“ haben.
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x%8Tz*3GsUf3
03.06.2022 11:14registriert Dezember 2020
Wie schaut's eigentlich aus mit den NATO Truppen, wird jetzt in Polen und anderen Aussengrenzen hoffentlich konsequent aufgestockt? Zu easy und etwas unfair von mir als "neutraler Schweizer" das zu fordern, gepolstert in NATO Staaten, aber es braucht eine massive Abschreckungskraft im Osten. Putin, die Russen mit z.B. ihrem "drittes Imperium/Reich" Buch und Machtgelüsten nach mittelalterlichem Vorbild gehören abgewehrt. Sollen sie bei sich zuhause meinetwegen Mittelalter haben, aber hier sind wir im 2022 und mein Homo-Nachbar soll heiraten wen er will. Bitte.
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