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5 kuriose Hacker-Angriffe von Anonymous, die Russland ins Mark trafen

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Brennendes Öllager in Brjansk, Russland. Der russische Vernichtungskrieg gegen die Ukraine hat eine heftige Gegenwehr ausgelöst – online und offline. Bild: keystone

Die 5 kuriosesten Hacker-Angriffe von Anonymous, die Putin alt aussehen lassen

Das Internet- und Hacker-Kollektiv kämpft unermüdlich gegen Diktator Putin und dessen Propaganda-Apparat.
20.06.2022, 11:3020.06.2022, 13:01
Laura Czypull / watson.de
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Millionen E-Mails, mehrere tausend Terabytes an Dokumenten und Unmengen an Daten: Seit das internationale Hacker-Kollektiv Anonymous Russland den Cyberkrieg erklärt hat, vermeldet die Gruppierung beinahe täglich Erfolge. Sie hacken sich in Regierungswebsites des Kremls, in das Programm von russischen Radiostationen oder TV-Sendern. Und platzieren Kritik am russischen Angriffskrieg in der Ukraine.

Anonymous ist ein Internetphänomen. Der Name wird von verschiedenen Gruppen und Einzelpersonen weltweit verwendet, um mit oder ohne Abstimmung mit anderen Hacktivismus – Hacking plus Aktivismus – zu betreiben.

Am Tag des Einmarschs Russlands in die Ukraine erklärte Anonymous Russland den Krieg. Cyberkrieg. Kurz darauf waren bereits mehrere Regierungswebsites lahmgelegt.

Unter dem Hashtag «#OPRussia» – Operation Russland – startete Anonymous im Februar seine bisher grösste Hacker-Aktion. Gegen Russland. Gegen Wladimir Putin.

Neben zahlreichen Hacking-Angriffen auf russische Websites startete Anonymous auch einige ungewöhnliche Aktionen. Das sind die fünf kuriosesten.

Aus vier Schweinen wird Putin

In der zunehmend digitalisierten Welt ist nahezu jedes technische Gerät an das Internet angeschlossen. Auch viele Drucker. Das hat sich Anonymous zunutze gemacht und sich in tausende russische Drucker gehackt. Es wurden mehr als 100'000 Kopien erstellt, um russische Bürgerinnen und Bürger auf diesem Weg über den Krieg in der Ukraine zu informieren.

Gerade zu Beginn von Putins Einmarsch in die Ukraine waren die Informationsmöglichkeiten in Russland stark eingeschränkt. Die Medien unterliegen starker Zensur. Das Land befindet sich auf Platz 155 von 180 auf der Rangliste der Pressefreiheit der Organisation «Reporter ohne Grenzen».

Deshalb druckte das Hacker-Kollektiv über den Anonymisierungsdienst TOR Anleitungen zur Nutzung freier Medien. Aber das war nicht alles: Zusätzlich gab es noch eine Bastel-Anleitung. Darauf abgebildet waren vier Schweine. Knickt man diese an drei bestimmten Stellen, konnte man das Gesicht Putins erkennen.

Putins Yacht fährt in die Hölle

Der wohl kurioseste Hacking-Angriff gelang Anonymous aber wohl mit einer Yacht von Putin. Das Kollektiv manipulierte nur wenige Tage nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine die Daten des Schiffsverkehrs.

Sie haben es so aussehen lassen, als sei Wladimir Putins 97 Millionen Dollar teure Luxusyacht «Graceful» vor einer ukrainischen Insel gesunken. Anschliessend hat sie ihr Ziel dann «offiziell» in die «Hölle» verlegt.

«Der Kreml lügt» statt Militärparade im Fernsehen

Am «Tag des Sieges», dem 9. Mai, hat sich Anonymous zum wiederholten Mal in Fernseh- und Radiosender gehackt. Ausgerechnet, als Millionen Russinnen und Russen die Militärparade sehen wollten. Stattdessen flimmerten teilweise Botschaften wie «der Kreml lügt» über die Mattscheiben.

Der BBC-Journalist Francis Scarr teilte auf Twitter ein Video des Hacks. Anonymous änderte demnach die Namen der Sendungen zu Antikriegsbotschaften, wie: «Das Blut Tausender Ukrainer und Hunderter ihrer getöteten Kinder klebt an euren Händen. Fernsehen und Behörden lügen. NEIN zum Krieg!»

Bereits zwei Wochen nach dem Überfall auf die Ukraine hackte Anonymous die russische Variante von Netflix und mehrere Staats-TV-Sender. Statt des klassischen Fernsehprogramms wurden Videos des Krieges in der Ukraine gezeigt.

Vor wenigen Tagen spielte Anonymous in der russischen Radiostation «Kommersant FM» Anti-Kriegs-Songs und die Hymne der Ukraine.

Hacker greifen Hacker an

Nicht nur direkte oder indirekte Angriffe auf den Kreml werden durch Anonymous verübt. Sogar innerhalb der Hacking-Welt liefert sich das Kollektiv einen Schlagabtausch mit Russland.

Ende Mai verkündete Anonymous auf Twitter den Hacking-Angriff auf die prorussische Hackergruppe KillNet. Unter dem Link «justpaste.it» – das heisst so viel wie «wir haben es nur kopiert» – wurde die Benutzerdatenbank von KillNet veröffentlicht. «LOL» fügte Anonymous der Mitteilung hinzu.

Russisches YouTube «für immer verschwunden»?

Zum Cyberkrieg von Anonymous gehört auch, die russische Regierung direkt anzugreifen und Regierungswebsites zu hacken. Aber auch indirekte Angriffe sollen dem Kreml schaden.

Die Videoplattform «RuTube» – die russische Variante von YouTube – wurde von Anonymous am 9. Mai, dem «Tag des Sieges», vorübergehend ausser Gefecht gesetzt. Das Videoportal soll monatlich rund 14,5 Millionen User haben. Seit der russischen Invasion in der Ukraine wird es allerdings auch von vielen regierungsnahen und staatlichen Kanälen genutzt.

Anonymous erklärte auf Twitter, dass sie nahezu 75 Prozent der Infrastruktur der Hauptversion und 90 Prozent der Back-Up-Version von RuTube beschädigt haben. «RuTube ist möglicherweise für immer verschwunden.»

Die Betreiber fingen sofort an, die Datensätze wiederherzustellen. Allerdings war die Plattform tatsächlich für mehrere Tage offline. «Wir haben wirklich den stärksten Cyberangriff in der Geschichte von RuTube erlebt», schrieb das Unternehmen auf Telegram.

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20 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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kleine_lesebrille
20.06.2022 11:42registriert Mai 2022
Ein guter Bericht. Ich hätte nie gedacht, dass ich mal (einige) Hacker sympathisch finden könnte. Die Schäden, welche #Anonymous anrichtet, sind jedoch noch lange nicht so gravierend, wie die enormen Verwüstungen, welche die russische Armee in der Ukraine anrichtet.
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mMn
20.06.2022 12:26registriert September 2020
Ich mag es nicht mehr hören... Solange Putins Armee in der Ukraine ist, sehen wir als Westen, der das nicht verhindern kann, alt aus! Solange wir uns mit unserer Neutralität auseinandersetzen, anstatt Waffen zu liefern, sind wir jene, die alt aussehen. Wenn wir es nicht schaffen, die Europäer vom Wählen faschistischer Parteien abzuhalten, sehen wir alt aus und nicht Putin!
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Bikemate
20.06.2022 13:34registriert Mai 2021
Danke Anonymous! Ihr leistet einen wichtigen Beitrag und könntet am Ende das Zünglein an der Waage sein. Bitte macht weiter so.
Persönlich finde ich die Aktionen, bei denen die russische Bevölkerung informiert wird, besonders gut. :-)
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