Trump will Einigkeit bei MAGA – doch selbst Vance vermeidet klare Worte zum Krieg
Der amerikanische Vizepräsident war vorbereitet. Als JD Vance am Montag im Oval Office des Weissen Hauses von einem Journalisten gefragt wurde, ob er als bekennender Isolationist den Iran-Krieg «voll und ganz» unterstütze, da lautete seine Antwort: «Ich weiss, was Sie vorhaben. Sie versuchen, einen Keil zwischen uns zu treiben», zwischen ihm, dem Vizepräsidenten, und Donald Trump, dem Oberbefehlshaber der amerikanischen Streitkräfte.
Vance aber, der zumindest zu Beginn von Trumps Amtszeit als dessen natürlicher Nachfolger in der Präsidentenwahl 2028 galt, wollte dies nicht zulassen. Deshalb verkündete der Republikaner im Oval Office: Der Präsident habe schon vor Jahren bekanntgegeben, dass der Iran nie eine Nuklearwaffe besitzen dürfe. «Und ich stimmte ihm zu.»
Daraus lässt sich schlussfolgern, dass der Anti-Interventionist Vance nun auch den Iran-Krieg befürwortet. Schliesslich ist es eines der Ziele des Präsidenten, das Waffenprogramm des Regimes in Teheran zu zerstören. Aber bemerkenswerterweise vermied der gewiefte Rhetoriker Vance es, seine Unterstützung in deutliche Worte zu kleiden. Stattdessen verkündete der Vizepräsident: Er verfolge den Ansatz, dass er den militärischen Einsatz «so erfolgreich wie möglich» machen wolle.
Tucker Carlson sieht sich als Opfer des CIA
Für diese Verrenkung des Vizepräsidenten gibt es zwei Gründe. Erstens gilt Vance intern immer noch als Skeptiker des Iran-Kriegs – nachdem er den Start nicht verhindern konnte, hofft er nun wohl auf ein schnelles Ende. Dieses Ziel kann er nur erreichen, wenn er es mit Trump nicht verscherzt, während dieser bereits mit Aussenminister Marco Rubio die nächste amerikanische Intervention plant. (Rubio gilt als Widersacher von Vance.) Über Kuba sagte der amerikanische Präsident am Montag: «Es ist eine wunderschöne Insel. Super Wetter! Ich werde die Ehre haben, Kuba einzunehmen.»
Und zweitens scheint der 41 Jahre alte Vance Angst zu haben, dass der Konflikt im Nahen Osten die Koalition zerstören könnte, die für Trump zweimal den Weg ins Weisse Haus gebahnt hatte.
Diese Furcht ist nicht unbegründet. Zwar unterstützt die Mehrheit der Stammwählerinnen und -wähler des Präsidenten den Krieg gegen Iran. Aber einige Aushängeschilder der «Make America Great Again»-Bewegung kritisieren die Regierung in immer schärferen Tönen. So behauptete der Kommentator Tucker Carlson am vergangenen Wochenende, der Auslandgeheimdienst CIA verdächtige ihn der Spionage, nachdem er als Journalist mit Quellen im Iran gesprochen habe.
Für Carlson stellen diese Ermittlungen – für die es bisher keine unabhängige Bestätigung gibt – bereits das Ende der Meinungsfreiheit in den USA dar. Wenig überraschend für seine Anhänger gab der Polemiker auch gleich bekannt, wen er für diese Entwicklung verantwortlich mache: Die so genannte Israel-Lobby im Allgemeinen und den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu im Speziellen.
Carlson streitet aufgrund solch antisemitisch motivierter Ausfälle schon seit geraumer Zeit mit anderen prominenten Kommentatoren im Maga-Lager. So liegt er sich mit Mark Levin in den Haaren, der eine tägliche Radio-Show moderiert und auch regelmässig auf dem Sender Fox News auftritt. Levin, ein Jude, sei ein «Kriegshetzer», behauptete Carlson. Levin wiederum keilte zurück, in dem er den Konkurrenten als «Qatarlson» bezeichnet – weil Tucker Carlson angeblich vom Golf-Staat Katar finanziell unterstützt werde.
Trumps Stabschefin an Krebs erkrankt
All das mag kleinlich klingen, und nicht allzu wichtig für ein ausländisches Publikum. Wie wichtig dieser Streit im Maga-Lager aber für Trump (und damit auch für Vance) ist, zeigte sich am Wochenende. Da sah sich der Präsident dazu veranlasst, ein Machtwort zu sprechen. In einer länglichen Stellungnahme auf dem Internetdienst Truth Social schlug Trump sich auf die Seite Levins, und sprach dem Kommentator sein Vertrauen aus. «Wer schlecht über Mark redet», schrieb Trump, «wird schnell ins Abseits geraten.» Denn die Kritiker von Levin, die seien nicht Maga.
Das waren eigentlich klare Worte. Aber Trump gelang es nicht, den Streit zu beenden. Carlson beschwerte sich auch am Montag darüber, dass die Kriegskritiker als un-amerikanisch beschimpft würden. Und seine Verbündete Megyn Kelly riss anzügliche Witze über Mark Levin.
Vance äusserte sich vorerst in den sozialen Medien nicht über diese Kontroverse. Stattdessen richtete der Vizepräsident auf X der Stabschefin des Weissen Hauses aufrichtige Genesungswünsche aus. Die 68 Jahre alte Susie Wiles hatte zuvor bekannt gegeben, dass sie an Brustkrebs erkrankt sei. Glücklicherweise hätten ihre Ärzte den Krebs aber schon früh entdeckt und sie sei «ermutigt durch eine gute Prognose», sagte Wiles der «New York Times».
Ihre Arbeit pausieren will die Stabschefin allerdings nicht. Sie hat derzeit viel zu tun. (aargauerzeitung.ch)

