Epstein-Files: US-Justiz hält Akten zurück, die Trump belasten
Das US-Justizministerium hat laut einer Recherche des US-Senders NPR Dokumente aus den sogenannten Epstein-Akten nicht veröffentlicht, die sich auf Vorwürfe gegen Präsident Donald Trump beziehen.
Dem Bericht zufolge betreffen die fehlenden Unterlagen unter anderem FBI-Interviews und Notizen zu einer Frau, die angibt, Trump habe sie als Minderjährige sexuell missbraucht.
NPR berichtet, mehr als 50 Seiten mit FBI-Interviewprotokollen sowie Gesprächsnotizen seien nicht öffentlich zugänglich – obwohl ein Gesetz ihre Veröffentlichung vorschreibe. Der Sender habe Seriennummern auf Dokumenten in der Epstein-Datenbank, in FBI-Fallakten, E-Mails und Verzeichnissen von Beweisunterlagen ausgewertet. Dabei seien Dutzende Seiten identifiziert worden, die zwar katalogisiert, aber nicht öffentlich gemacht worden seien.
Aus den kürzlich veröffentlichten mehr als drei Millionen Dokumentenseiten geht laut NPR hervor, dass eine Frau angegeben habe, Epstein habe sie in den 1980er-Jahren im Alter von etwa 13 Jahren Trump vorgestellt. In einem FBI-Dokument heisse es, Trump habe sie gezwungen, «ihren Kopf auf seinen entblössten Penis zu drücken, den sie anschliessend gebissen habe. Daraufhin habe Trump ihr gegen den Kopf geschlagen und sie hinausgeworfen.»
NPR zufolge wurde diese Frau viermal vom FBI befragt. Öffentlich zugänglich sei jedoch nur das erste Interview vom 24. Juli 2019; darin werde Trump nicht erwähnt. Nach Auswertung dreier unterschiedlicher Seriennummern-Sätze fehlten insgesamt 53 Seiten mit Interviewdokumenten und Notizen in der öffentlichen Datenbank.
In anderen veröffentlichten Unterlagen habe ein FBI-Mitarbeiter im Juli 2025 vermerkt, Trumps Name finde sich in umfangreicheren Fallakten. «Ein identifiziertes Opfer habe Missbrauch durch Trump behauptet, letztlich aber die Kooperation verweigert», heisst es darin.
Eine zweite Frau, die im Prozess gegen Epsteins Komplizin Ghislaine Maxwell ausgesagt habe, habe laut einem FBI-Bericht geschildert, Epstein habe sie als Minderjährige in Trumps Luxusanwesen Mar-a-Lago mitgenommen. In einem Interviewbericht heisst es demnach, Epstein habe zu Trump gesagt: «Das ist eine Gute, oder?». In einer späteren Zivilklage habe die Frau ergänzt, beide Männer hätten gelacht, sie habe sich unwohl gefühlt, sei aber zu jung gewesen, um zu verstehen, warum.
Teile dieser Unterlagen seien nach Angaben von NPR zeitweise aus der öffentlichen Datenbank entfernt und später wieder eingestellt worden. Das Justizministerium habe dem Sender mitgeteilt, Dateien würden vorübergehend entfernt, wenn Opfer oder deren Anwälte eine zusätzliche Prüfung verlangten.
Justizministerium hat angeblich keine Akten zurückgehalten
Das amerikanische Justizministerium habe konkrete Fragen von NPR zu den fehlenden Akten zunächst nicht beantwortet. Nach Veröffentlichung der Recherche habe eine Sprecherin erklärt, die nicht veröffentlichten Dokumente seien rechtlich geschützt, Duplikate oder Teil laufender Ermittlungen.
In einem Schreiben vom 14. Februar an den Kongress, über das zuerst «Politico» berichtet habe, betonten Justizministerin Pam Bondi und ihr Stellvertreter Todd Blanche, es seien keine Unterlagen «aufgrund von Peinlichkeit, Reputationsschäden oder politischer Sensibilität – auch nicht im Hinblick auf Regierungsvertreter, Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens oder ausländische Würdenträger» zurückgehalten oder geschwärzt worden.
Demokrat bestätigt NPR-Recherche
Der ranghöchste Demokrat im Kontrollausschuss des Repräsentantenhauses, Robert Garcia, erklärte nach Veröffentlichung des NPR-Artikels, er habe die «ungeschwärzten Beweisprotokolle» eingesehen. «Die Demokraten im Kontrollausschuss können bestätigen, dass das Justizministerium offenbar rechtswidrig FBI-Interviews mit dieser Überlebenden zurückgehalten hat, die Präsident Trump abscheuliche Verbrechen vorwirft», zitierte ihn NPR. Demokratische Ausschussmitglieder wollten nun zusätzlich untersuchen, warum die betreffenden Dokumente nicht veröffentlicht wurden.
Das Weisse Haus hat bislang jegliche Vorwürfe gegen Trump im Zusammenhang mit den kriminellen Machenschaften Epsteins zurückgewiesen. Sprecherin Abigail Jackson erklärte nun erneut gegenüber NPR, Trump sei «in allem, was mit Epstein zu tun hat, vollständig entlastet worden». Zudem habe das Justizministerium zuvor mitgeteilt, die Epstein-Akten enthielten «unwahre und sensationsheischende Behauptungen» über den Präsidenten.
In den rund 3,5 Millionen Dokumenten, die das Justizministerium in den vergangenen Monaten veröffentlicht hat, taucht der Name des Präsidenten in zahlreichen Papieren auf. Epstein, dem jahrelanger sexueller Missbrauch und Menschenhandel mit Minderjährigen vorgeworfen wurden und der in elitären Kreisen weltweit verkehrte, wurde 2019 tot in seiner Gefängniszelle in New York aufgefunden. Die Behörden stuften seinen Tod als Suizid ein.
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Verwendete Quellen:
- npr.org: Justice Department withheld and removed some Epstein files related to Trump (englisch)
- Mit Material der Nachrichtenagenturen dpa und afp

