Unwetter lässt Liebes-Wahrzeichen an italienischer Adriaküste einstürzen
Wer im Sommer auf der Suche nach langen Sandstränden und türkisfarbenem Meer ist, wird in Apulien wahrscheinlich fündig. Die Region im Süden Italiens lockt mit ihren malerischen Buchten jedes Jahr zahlreiche Touristen. Neben feinen Sandstränden finden sich dort auch dramatische Steilküsten, die vielen Urlaubern schon als Instagram-taugliches Fotomotiv dienten.
Ein besonders beliebter Foto-Spot ist der sogenannte Liebesbogen. Dabei handelt es sich um eine Kalksteinformation, die durch Erosion entstand und eindrucksvoll über dem Meer spannt – oder, besser gesagt, spannte. Der bekannte Bogen ist am vergangenen Wochenende nämlich eingestürzt.
Italien: «Liebesbogen» stürzt am Valentinstag ein
Grund dafür sollen die anhaltend starken Regenfälle und Unwetter gewesen sein, die jüngst über die Küstenregion zogen. Dadurch sei die Felsstruktur immer weiter geschwächt worden, bis sie am Samstag – also ausgerechnet am Valentinstag – in sich zusammenfiel. Laut «Guardian» ist es der schwerste Schaden, der durch Küstenerosion in Salento, also der südlichsten Region Apuliens, angerichtet wurde.
«Es ist ein schmerzlicher Schlag ins Herz», sagt Maurizio Cisternino. Er ist Bürgermeister der Gemeinde Melendugno, zu der der Küstenabschnitt mit der bekannten Felsformation gehört. «Eine der bekanntesten Touristenattraktionen unserer Küste und ganz Italiens ist verschwunden.»
Das wird wohl sowohl die Einheimischen als auch einige Touristinnen und Touristen traurig stimmen. Lange wurde nämlich der Mythos verbreitet, dass ein Paar seine Liebe «besiegeln» könne, wenn es gemeinsam unter dem Felsbogen hindurchschwimmt. Deswegen diente der «Liebesbogen» nicht nur als Kulisse für zahllose Selfies, sondern auch für romantische Dates und Heiratsanträge. Doch damit ist nun Schluss.
«Die Natur wurde auf den Kopf gestellt: Was vor 30 Jahren existierte, existiert nicht mehr. Wir müssen die Ressourcen für ein organisches Eingreifen finden», meint Bürgermeister Cisternino.
Problem der Küstenerosion in Apulien wird wohl grösser werden
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zeigen sich derweil besorgt. «Der Einsturz des Bogens von Sant'Andrea in Melendugno gibt Anlass zur Sorge um die Sicherheit und den Umweltschutz», meint Giovanni Caputo, Präsident der Geologenkammer Apuliens, gegenüber der italienischen Zeitung «Corriere del Mezzogiorno».
Mehr als die Hälfte der apulischen Küste sei von Erosion bedroht «und in der Region wurden 839 Erdrutsche registriert», schreibt der Wissenschaftler in einer Stellungnahme. Rund 63'000 Menschen leben in den betroffenen Gebieten.
Als Massnahme schlägt er unter anderem die systematische Überwachung und Analyse der Böden vor. Und weiter: «Es ist unerlässlich, nicht nur die Küste zu stabilisieren, sondern auch Aufklärungskampagnen durchzuführen, um das Bewusstsein der Bevölkerung und der Besucherinnen und Besucher für die Fragilität des Küstenökosystems zu schärfen.».
Experten verweisen darauf, dass durch die Klimakrise Extremwetter-Ereignisse in Zukunft immer häufiger auftreten werden. Erst Ende Januar verwüstete dem «Guardian» zufolge ein Zyklon mehrere Küstenabschnitte im Süden Italiens. Am 25. Januar lösten sintflutartige Regenfälle einen Erdrutsch auf Sizilien aus, der Häuser einer Stadt mit sich riss und eine lange Schlucht hinterliess.
