«80 bis 140 Zentimeter Neuschnee»: Warum das nichts mit dem Polarwirbel zu tun hat
Das Wetter in der Schweiz war in der letzten Woche davon geprägt, dass sich ein Hochdruckgebiet über Grönland und ein Tiefdruckkomplex über dem Atlantik gegenseitig blockierten. Dies führte dazu, dass besonders im Flachland wenig Niederschlag fiel und immer wieder die Sonne schien.
Mit dieser blockierten Lage ist es aber vorbei: «Das Wetter wird dynamischer», sagt Roger Perret, Meteorologe bei Meteonews. Grund dafür ist, dass sich über der Schweiz eine Westwindlage einstellt und wir damit in das Einflussgebiet der Atlantik-Sturmtiefs fallen.
In den nächsten Tagen werden wir also von Westen her mit Sturmfronten beliefert. Für das Wetter bedeutet das: Es gibt ein Hin und Her zwischen Warm- und Kaltfronten, und die feuchte Atlantikluft trifft auf die Alpennordseite. «Das führt dazu, dass in den Alpen in den nächsten Tagen viel Schnee fällt», sagt Perret. Hinzu kommen stärkere Winde im Flachland und sogar Sturmböen in den Bergen.
Süden teilweise geschützt
Der Süden der Schweiz ist davon teilweise geschützt. «Bei Westwindlagen kommt es zwar besonders im Wallis ebenfalls zu viel Niederschlag, das Tessin oder das Engadin dürften aber geschützt sein», sagt Perret. Das spiegelt sich auch in der Niederschlagskarte von MeteoNews wider:
Während besonders im Westen, im Unterwallis und auf der Alpennordseite bis Sonntag mit sehr hohen Niederschlagsmengen gerechnet werden muss, bleiben grosse Regen- oder Schneemengen im Tessin und im Engadin aus.
Der Meteorologe hält aber fest: «Mit einem möglichen Zusammenbruch des Polarwirbels hat der kommende Neuschnee nichts zu tun.» Die treibende Kraft hinter den Niederschlägen sind die Sturmtiefs über dem Atlantik.
Was das für die Lawinensituation bedeutet
Schneemässig hat der aktuelle Winter nicht viel hergegeben. In dieser Saison liegt teilweise bis zu 70 Prozent weniger Schnee als im langjährigen Mittelwert von 1991 bis 2020:
Trotzdem ist die Lawinengefahr im südlichen Wallis, im Tessin und in Graubünden erheblich. Grund dafür ist der Schneedeckenaufbau, wie das Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF in der aktuellen Übersicht schreibt.
Die Situation wird sich nun verschärfen: «Im Wallis und am Alpennordhang rechnen wir bis Freitag mit 80 bis 140 Zentimeter Neuschnee in den Bergen. Dieser fällt auf eine Schneedecke, die markante Schwachschichten aufzeigt, ganz besonders im Wallis. Deshalb wird die Lawinengefahr rasch und markant ansteigen», sagt Dr. Benjamin Zweifel vom SLF zu watson.
Schneesportlerinnen und Schneesportler dürften sich also über die kommenden Neuschneemengen freuen, lawinenmässig ist aber äusserste Vorsicht angebracht. (leo)
