In der Nacht auf Montag (Schweizer Zeit) strömte die versammelte Film-Elite in Beverly Hills ein erstes Mal im neuen Jahr über den roten Teppich. Angelina Jolie tauchte im eleganten Metallic-Dress auf, Nicole Kidman glänzte in einer silbernen Robe mit tiefem Rückenausschnitt.
Alle waren sie da, um der Verleihung der 82. Golden-Globe-Verleihung beizuwohnen. Insgesamt 27 Trophäen gab es zu vergeben, hier sind alle Siegerinnen und Sieger im Überblick:
Die Brasilianerin Fernanda Torres hat den Preis als beste Hauptdarstellerin in einem Drama gewonnen. Die 59-jährige Schauspielerin überzeugte mit ihrer Rolle in «I'm Still Here» des brasilianischen Filmemachers Walter Salles. Der Film erzählt von einer Familie, die die grausamen Auswirkungen der brasilianischen Militärdiktatur in den 1970er Jahren miterlebte.
Torres stach hochkarätige Konkurrenz aus: Unter anderem waren Pamela Anderson («The Last Showgirl»), Angelina Jolie («Maria»), Tilda Swinton («The Room Next Door»), Nicole Kidman («Babygirl») und Kate Winslet («Die Fotografin») für den Preis nominiert.
Adrien Brody ist Torres' Pendant bei den Männern. Der 51-jährige Schauspieler überzeugte mit seiner Rolle in dem Historien-Epos «The Brutalist» (das beste Drama, siehe unten).
Der Film erzählt von einem jüdischen Architekten, der nach dem Zweiten Weltkrieg in den USA ein neues Leben beginnen will. Bei der 82. Globe-Verleihung setzte er sich unter anderem gegen Ralph Fiennes («Konklave»), Timothée Chalamet («A Complete Unknown») und Daniel Craig («Queer») durch.
Die 62-jährige Demi Moore überzeugte mit ihrer Rolle in dem Horrorfilm «The Substance» der Französin Coralie Fargeat und gewann die Trophäe als beste Komödien-Darstellerin. Sie spielt darin eine ältere Schauspielerin, deren Ruhm etwas verblasst ist, und die deswegen ihr jugendliches Aussehen optimieren will.
Moore setzte sich gegen Karla Sofía Gascón («Emilia Pérez»), Amy Adams («Nightbitch»), Cynthia Erivo («Wicked»), Mikey Madison («Anora») und Zendaya («Challengers») durch.
Sichtlich gerührt nahm Moore den Preis entgegen. Seit 45 Jahren arbeite sie als Schauspielerin, aber nun habe sie zum ersten Mal etwas gewonnen, sagte Moore, die zuvor nur mit weniger bekannten Nischen-Auszeichnungen bedacht worden war.
Der rumänisch-amerikanische Schauspieler Sebastian Stan sticht unter anderem Hugh Jackman aus und hat den Golden Globe als bester Hauptdarsteller in einer Komödie/Musical gewonnen. Der 42-jährige Schauspieler überzeugte mit seiner Rolle in der schwarzen Komödie «A Different Man». Sie handelt von einem Mann mit einem deformierten Gesicht, der sich nach einem Experiment in einen äusserlich attraktiven Mann verwandelt. Anders als erwartet, bringt ihm das kein Glück.
Zoe Saldana hat den Golden Globe als beste Nebendarstellerin gewonnen. Die 46-Jährige überzeugte mit ihrer Rolle als Anwältin in dem Musical-Krimi «Emilia Pérez» von Regisseur Jacques Audiard. Mit ihr waren unter anderem Selena Gomez («Emilia Pérez»), Ariana Grande («Wicked»), Felicity Jones («The Brutalist»), Margaret Qualley («The Substance») und Isabella Rossellini für Edward Bergers «Konklave» nominiert.
Saldana setzte damit ihre erste Globe-Nominierung überhaupt prompt in einen Gewinn um. Unter Tränen dankte sie Kollegen und Kolleginnen, die an «Emilia Pérez» mitgewirkt hatten.
Die Schweiz geht leider leer aus. In der Kategorie für das beste Drama, war mit September 5 ein Werk aus Schweizer Hand (von Regisseur Tim Fehlbaum) nominiert.
Doch: «The Brutalist» von US-Regisseur Brady Corbet hat den Globe als bestes Filmdrama gewonnen. Er setzte sich gegen «A Complete Unknown», «Dune: Part Two», «Nickel Boys», «Konklave» von Edward Berger durch – und eben «September 5» von Tim Fehlbaum.
In der Sparte «Bester nicht-englischsprachiger Film» gewann die französische Produktion «Emilia Pérez». Auch das Historiendrama «Vermiglio» (Italien), «All We Imagine as Light» (Indien), «The Girl with the Needle» (Dänemark) und «I'm Still Here» (Brasilien) waren im Rennen.
Der Musical-Krimi «Emilia Pérez» von Regisseur Jacques Audiard spielt vor dem Hintergrund mexikanischer Drogenkriege und setzt Themen wie Geschlechterangleichung und Identität mit Musiknummern, Action und Emotionen unter der Verwendung von komödiantischen Elementen in Szene.
Folgerichtig gewinnt «Emilia Pérez» auch den Award für die beste Komödie. Die Produktion setzte sich hier gegen «Anora», «Challengers», «A Real Pain», «The Substance» und «Wicked» durch.
Noch ein Preis für «The Brutalist»: US-Regisseur Brady Corbet holte sich die Trophäe für die beste Ausübung seiner Arbeit. Nominiert waren auch «Emilia Pérez» (Jacques Audiard), «Anora» (Sean Baker), «The Substance» (Coralie Fargeat) und «All We Imagine as Light» (Payal Kapadia).
Zum besten Drehbuch wurde jenes für Edward Bergers Vatikan-Thriller «Konklave» gekürt. Der britische Autor Peter Straughan nahm die erste Globe-Trophäe seiner Karriere in der Nacht zum Montag entgegen. Sein Drehbuch ist eine Adaption des gleichnamigen Romans des Briten Robert Harris («Vaterland»).
Der in Deutschland geborene Filmemacher Berger inszenierte aus dem Stoff einen packenden Film über Intrigen und Machtkämpfe bei der Kür eines neuen Papstes. Der Film war für insgesamt sechs Globes nominiert.
Die Filmkomponisten und Musiker Trent Reznor und Atticus Ross haben die beste Filmmusik kreiert. Leer gingen die Deutschen aus: Volker Bertelmann und insbesondere Hans Zimmer konnten für einmal keinen Preis einheimsen.
Der gebürtige Frankfurter Zimmer (67) hatte mit der Filmmusik für das Science-Fiction-Drama «Dune: Part Two» seine 16. Globe-Nominierung geholt. Sein Düsseldorfer Kollege Volker Bertelmann war für den Soundtrack von Edward Bergers «Konklave» im Rennen. 2023 hatte er mit der Vertonung von Bergers Kriegsfilm «Im Westen nichts Neues» den Oscar gewonnen.
Ebenfalls im Rennen waren diesmal Daniel Blumberg («The Brutalist»), Kris Bowers («The Wild Robot») sowie Clément Ducol und die Sängerin Camille («Emilia Pérez»).
Die Literaturverfilmung «Shogun» wurde von der Auslandspresse in Hollywood zur besten Dramaserie des Jahres erklärt. Hiroyuki Sanada und Anna Sawai gewannen auch den Golden Globe als beste Drama-Hauptdarsteller. Tadanobu Asano wurde als bester TV-Nebendarsteller ausgezeichnet und hielt eine enthusiastische Rede. Die Historienserie über japanische Samurai-Kultur hatte im September bereits 18 Emmy Awards gewonnen, ein neuer Rekord für die TV-Preise.
«Hacks» über eine alternde Stand-up-Komikerin in Las Vegas gewann den Golden Globe als beste Comedy- oder Musicalserie. Es war nach 2022 die zweite solche Auszeichnung für die Serie. Jean Smart siegte wie schon 2022 als beste Hauptdarstellerin einer Comedy. Bester Hauptdarsteller einer Comedyserie wurde Jeremy Allen White als Koch Carmy in «The Bear».
Bei den Miniserien lag der Stalker-Thriller «Baby Reindeer» vorne. Jessica Gunning siegte auch als beste TV-Nebendarstellerin. Beste Hauptdarstellerin einer Miniserie wurde Jodie Foster für die Krimiserie «True Detective». Den Golden Globe als bester Hauptdarsteller bekam Colin Farrell für den «Batman»-Ableger «The Penguin».
(con/sda)