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Frankreichs Kommunalwahlen: Le Pen und Mélenchon behaupten sich vorne

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Marine Le Pen spricht von einem Wahlsieg, ihre eigene politische Zukunft hängt aber noch vom Ausgang eines Korruptionsprozesses gegen sie ab.Bild: keystone

Kommunalwahlen in Frankreich: Le Pen spricht von einem «immensen Sieg»

Bei den Gemeindewahlen in Frankreich liegen die Populisten Le Pen und Mélenchon vorn. Bedanken können sie sich bei Präsident Macron. Sein Lager bricht geradezu ein.
16.03.2026, 21:4116.03.2026, 21:41
Stefan Brändle
Stefan Brändle

Nach dem ersten Durchgang der französischen Gemeindewahlen beansprucht die Rechtsnationale Marine Le Pen einen «immensen Sieg» für ihr Rassemblement National (RN). In Perpignan unweit von Spanien wurde RN-Lokalkandidat Louis Aliot mit 51 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt. Gute Wahlchancen für die Stichwahl am kommenden Sonntag hat die Partei von Marine Le Pen auch in Toulon, dem Militärhafen an der Côte d’Azur, und in Nizza.

In einer fiebrigen Atmosphäre verlief der Wahlkampf in Marseille, der mediterranen Metropole mit orientalischem Flair und mörderischen Drogenkartellen. Der RN-Kandidat Franck Allisio kommt dem sozialistischen Bürgermeister Benoît Payan (36,70%) auf anderthalb Prozent nahe.

Die Machtübernahme durch die Rechtsextremen würde Marseille, wie der Politologe Alain Duhamel befürchtet, in einen «Hexenkessel» verwandeln. Der Wahlausgang hängt jedoch von den Verzichterklärungen durch Aussenseiter ab. Der viertplatzierte Kandidat der La France insoumise (LFI), Sébastien Delogu, ein vorbestrafter Ex-Taxifahrer aus den Einwandervierteln von Nord-Marseille, ruft zu einer «antifaschistischen Front» gegen den RN-Kandidaten auf.

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Emmanuel Macron vor seiner Stimmabgabe für die Kommunalwahlen.Bild: keystone

Stadtvorsteher Payan, ein moderater Sozialdemokrat, ist damit in der Klemme: Entweder verkauft er sich an die LFI und deren sehr dominanten Gründer Jean-Luc Mélenchon – oder ihm droht die Wahlniederlage gegen den Lepenisten Allisio.

In Paris liegt Emmanuel Grégoire von der Parti Socialiste (PS) mit 38,5 Prozent über dreizehn Punkte vor der Republikanerin Rachida Dati. Beide Seiten führen hintenrum Verzichtverhandlungen. Die Frage ist, ob die konservativen Républicains die Brandmauer gegen die Rechte einhalten. Sozialistenchef Olivier Faure schliesst seinerseits ein landesweites Abkommen mit LFI aus, nachdem Mélenchon mit antisemitischen Wortspielen aufgefallen war.

Viele Stimmen aus der Banlieue

Mélenchons «Unbeugsame» trumpfen in mehreren symbolisch wichtigen Städten mit hohem Einwanderungsanteil auf. In Saint-Denis, der mit 150'000 Einwohnern grössten Trabantenstadt der Pariser Banlieue, wurde LFI-Kandidat Bally Bagayoko schon im ersten Wahlgang ins Rathaus gewählt.

In Roubaix, einer verarmten Arbeiterstadt im Norden Frankreichs, die nur noch durch den berühmten Radklassiker strahlt, geht David Guiraud von LFI mit grossem Vorsprung in die Stichwahl.

Das Fazit scheint damit klar: Mélenchon und Le Pen sind die Sieger des ersten Gemeindewahlgangs. Sie gehen mit neuer Dynamik in die Präsidentschaftswahl von Frühjahr 2027.

French far-left leader Jean-Luc Melenchon speaks during a mayoral campaign meeting to support Sebastien Delogu, french far-left party La France Insoumise (LFI) candidate for Marseille mayoral election ...
Jean-Luc Mélenchon bei einer Wahlkampfveranstaltung in Marseille Anfang März.Bild: keystone

Dort gelten allerdings andere Gesetze. Le Pen wie auch Mélenchon schulden nach wie vor den Beweis, dass sie landesweit mindestens für 50 Prozent der Stimmen ergattern können. Ihre Parteien sind nur ortsweise gut verankert – das RN in Südfrankreich, LFI mehr und mehr in den Vorstädten. Auf ganz Frankreich gerechnet sieht es anders aus. Das RN hat am Sonntag in Städten wie Paris, Strassburg oder Bordeaux sehr schlecht abgeschnitten. Mit solch weissen Flecken in der Wählerkarte lassen sich auch «persönlich» ausgerichtete Präsidentschaftswahlen kaum gewinnen.

Die Radikalen im Vormarsch

Das ändert nichts daran, dass die radikalen Kräfte in Frankreich heute mehr denn je den Ton angeben. Sie profitieren davon, dass Präsident Emmanuel Macron seine direkten Kontrahenten, die gemässigten Sozialisten und Konservativen, zehn Jahre lang systematisch demoliert und plattgemacht hat.

Mit einer unbeabsichtigten Folge: Die Populisten um Le Pen und Mélenchon beherrschen das fragmentierte Ruinenfeld der französischen Parteienlandschaft derzeit klar, auch wenn die Sozialisten, Grünen und Konservativen langsam wieder Boden gutmachen.

Die Macronisten selbst sind heute selber platt: Ihr Mittebündnis hat am Sonntag in den meisten der 35'000 französischen Gemeinden eine kollektive Abfuhr erlitten. Nur in Le Havre wahrt Ex-Premierminister Edouard Philippe Wahlchancen. Und vielleicht auch nur, weil er sich von Macron losgesagt hat. (aargauerzeitung.ch)

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68 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Acai
16.03.2026 23:42registriert März 2017
Trotz allem ist Macron einer der wenigen europäischen Politiker mit Format. Die Franzosen stehen da etwas auf dem Schlauch.
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e bitzli dänke
16.03.2026 21:54registriert November 2025
Es zeichnet sich ein kleines Amerika ab. Alles ist besser als Macron. Wählt lePen, alles andere ist unwählbar. Und wenn ihre Partei den gewünschten Erfolg hat geht das Drama erst los. Das böse Erwachen erfolgt zu spät und das Land ist von den Neonazis zerstört worden.
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Dr. Rodney McKay
16.03.2026 22:59registriert September 2024
Die Frage ist, warum man die Rechten gewählt hat. Ganz bestimmt nicht, weil man mit den bisherigen Politikern zufrieden war, oder?

Spätestens nachdem sogar Schweizer Gemeinden damit begonnen haben, Personen aus Frankreich aus ihren Badis auszuschliessen, sollten wir hier einsehen, dass sie in diesem Land ein Problem haben. Unterm Strich bringt es nichts, das schönzureden, denn sonst passiert eben genau das, was gerade in Frankreich und Deutschland passiert.

Nur weil man konsequent ist, die Regeln verschärft und Leute die Probleme bereiten ausschafft ist man noch lange kein Rechtsextremer.
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