International
Gesellschaft & Politik

Erneut Krawalle in Belgrad – Demonstranten dringen in Parlament ein

Erneut Krawalle in Belgrad – Demonstranten dringen in Parlament ein

10.07.2020, 23:1511.07.2020, 15:29

Nach einer mehrstündigen friedlichen Kundgebung in Belgrad gegen die Corona-Politik der Regierung ist eine Gruppe nationalistischer Demonstranten am Abend gewaltsam in das serbische Parlament eingedrungen. Es kam zu Zusammenstössen mit der Polizei. Auch Journalisten und fotografierende Demonstranten wurden von Randalierern angegriffen. Noch am Vorabend hatten Demonstranten bei einer Sitzkundgebung Randalierer erfolgreich am Eindringen in das Parlament gehindert.

Protestierende warfen am Freitagabend Steine und Flaschen auf das Parlamentsgebäude. Eine Gruppe junger Männer durchbrach das Metallgeländer vor dem Parlament und drang patriotische Lieder singend in das Gebäude ein. Die Randalierer wurden dort jedoch von Polizisten erwartet, die sie wieder aus dem Gebäude herausdrängten und eine Kette um den Eingang bildeten. Die Polizisten wurden daraufhin etwa eine halbe Stunde mit Flaschen und Fackeln beworfen.

Riot police form a line on the steps of the Serbian parliament as protesters try to storm the building in Belgrade, Serbia, Friday, July 10, 2020. Hundreds of mostly far right supporters on Friday tri ...
Ausschreitungen in Belgrad.Bild: keystone

Anders als in den ersten zwei Krawallnächten setzte die Polizei bis dahin weder Tränengas noch Blendgranaten ein. Die Demonstrationen hatten sich an Plänen des Präsidenten Aleksandar Vucic entzündet, wegen des Wiederanstiegs der Corona-Neuinfektionen für das Wochenende ein Ausgehverbot zu verhängen.

Vucic nahm die Entscheidung zwar zurück und verbot dafür Ansammlungen von mehr als 10 Personen. Dies beruhigte die Menschen aber nicht und die Proteste richteten sich zunehmend gegen Vucic selbst. Nationalisten werfen ihm nun auch Verrat vor, weil er nach deutsch-französischer Vermittlung neuen Gesprächen mit dem Kosovo zugestimmt hat. Sie sehen das Kosovo als abtrünnige serbische Provinz. (sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
3 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Füürtüfäli
11.07.2020 08:16registriert März 2019
Die wahren Gründe für die Demostrationen:
Vucic hat 28 Tage vor der Wahl die Coronamaßnahmen gelockert, da ansonsten kein Wahlgang möglich gewesen wäre und er sein Amt an eine Übergangsregierung abgeben hätte müssen. Er hat bewusst in Kauf genommen, das dadurch vermehrt Infektionen und Todesfälle auftreten. Es wird auch spekuliert dass die Infektionszahlen manipuliert waren, da sie nach dem Wahltag (21.6.2020) sprunghaft anstiegen.
Die Bürger demonstrieren dagegen, dass Vucic sozusagen "über Leichen geht" um an der Macht zu bleiben.
320
Melden
Zum Kommentar
3
Europäer halten USA mittlerweile für grössere Bedrohung als China
Eine neue Umfrage stellt das transatlantische Verhältnis infrage. In mehreren EU-Staaten gelten die USA inzwischen als grössere Bedrohung als China. Das überrascht – und zeigt einen tiefen Stimmungswandel.
Die USA galten jahrzentelang als engster Bündnispartner Europas, dann folgten in der zweiten Amtszeit von Präsident Donald Trump der Ukraine-Ausstieg, der Zollstreit und der Iran-Krieg. Eine neue Umfrage des US-Nachrichtenportals Politico zeigt nun auf, wie stark sich das europäische Vertrauen in die USA zuletzt verändert hat: In mehreren EU-Ländern sehen inzwischen mehr Menschen die Vereinigten Staaten als Bedrohung als China.
Zur Story