Berset über Trumps Grönland-Plan: «Es steckt mehr dahinter»
Es ist diplomatisch gesehen ein Tabubruch: In einem Gastbeitrag in der «New York Times» warnt Alain Berset eindrücklich vor Donald Trumps Grönland-Fanatismus. Der ehemalige Schweizer Magistrat wählt klare Worte:
Trump wolle eine Rückkehr zu geopolitischer Machtpolitik auf Kosten des Völkerrechts, schreibt der ehemalige SP-Magistrat. Trump hatte angekündigt, Grönland notfalls auch mit Druck oder Gewalt den USA einverleiben zu wollen.
Zwar berufe sich die US-Regierung auf Sicherheitsinteressen, doch diese liessen sich laut Berset bereits heute durch bestehende Militärabkommen mit Dänemark abdecken.
Ein Testfall für die Weltordnung
Der Schweizer alt-Bundesrat sieht hinter Trumps Vorstoss die Rückkehr einer Logik aus dem Kalten Krieg: Einflusssphären statt Selbstbestimmung, strategische Abschreckung statt demokratische Entscheidung.
Die Sorge, ein unabhängiges Grönland könnte sich Russland oder China annähern, dürfe kein Vorwand sein, um internationales Recht auszuhöhlen, betont Berset.
Wenn internationales Recht beiseitegeschoben werde, sobald es unbequem würde, werde Vertrauen zerstört. Und ohne Vertrauen zerfallen Bündnisse, warnt Berset. Er sagt:
Grönland sei damit mehr als ein geopolitischer Streitfall. «Es ist ein Testfall für die regelbasierte Weltordnung.»
Berset war von 2012 bis 2023 Mitglied des Schweizer Bundesrats und gehörte der Sozialdemokratische Partei der Schweiz an. Seit 2024 steht er als Generalsekretär dem Europarat vor, der sich dem Schutz von Menschenrechten, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in Europa verschrieben hat. (kma)
