International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Two anti Brexit people hold EU, Ireland and Union Flags as they wait for the departure of UK Brexit secretary Stephen Barclay during his meeting with European Union chief Brexit negotiator Michel Barnier at the European Commission headquarters in Brussels, Friday, Oct. 11, 2019. The European Union said Friday that talks with the United Kingdom to find an amicable divorce with the United Kingdom are back on track, despite huge challenges and a tight end-of-month deadlime looming large. (AP Photo/Francisco Seco)

Wichtige Brexit-Fragen sind geklärt – ein Vertrag steht jedoch noch nicht. Bild: AP

Brexit-Endspurt: EU und Johnson sind zuversichtlich ++ DUP lehnt Deal ab



Kurz vor dem EU-Gipfel haben Experten der EU und Grossbritanniens am Mittwoch die wichtigsten Brexit-Fragen geklärt. Darunter war auch die lange sehr umstrittene Zollregelung für Irland.

Das berichtete Unterhändler Michel Barnier nach Angaben von Diplomaten am Mittwochabend in einem EU-Treffen. Eine Gesamteinigung stand aber noch aus, weil einige komplexe Details offen waren.

Ziel ist ein Vertragsentwurf, den der Gipfel an diesem Donnerstag oder Freitag billigen könnte. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron äusserten sich zuversichtlich. «Die Nachrichten aus Brüssel könnten schlechter sein», sagte Merkel.

«Gestern Abend hätte ich darauf gewettet, dass der Deal fertig ist und akzeptiert wird. Heute sind wieder einige Zweifel von der britischen Seite aufgekommen.»

Allerdings lag nach Angaben eines EU-Diplomaten am Mittwochabend noch kein Vertragstext vor. Auf EU-Seite herrschte Sorge, dass die Zeit vor Beginn des Gipfels am Donnerstagnachmittag zu knapp werden könnte.

EU-Ratschef Donald Tusk sagte im polnischen Fernsehen: «Gestern Abend hätte ich darauf gewettet, dass der Deal fertig ist und akzeptiert wird. Heute sind wieder einige Zweifel von der britischen Seite aufgekommen.» Die Situation im britischen Parlament sei kompliziert. Aber auch Tusk gab sich optimistisch, dass innert weniger Stunden eine Klärung möglich sei. «Alles läuft in die richtige Richtung», sagte er.

Einig über Vermeidung von Zollgrenze

Einig waren sich beide Seiten nach Barniers Angaben bei den Fragen, die lange als die grössten Hürden galten: die Vermeidung einer Zollgrenze zwischen dem EU-Staat Irland und dem britischen Nordirland; die Mitspracherechte der nordirischen Volksvertretung und britische Zusagen, EU-Umwelt- und Sozialstandards nicht zu unterbieten. Nicht geklärt war die Zusammenarbeit bei Umsatz- beziehungsweise Mehrwertsteuer.

Der britische Premierminister Boris Johnson teilte am späten Nachmittag seinem Kabinett mit, es gebe die Chance, einen «guten Deal» sicherzustellen. Doch seien einige Punkte noch nicht geklärt. Die Kabinettssitzung wurde daher vorzeitig abgebrochen. Nach Angaben aus diplomatischen Kreisen in Brüssel hatte Johnson bis Mittwochabend die Einigung der Unterhändler noch nicht politisch abgesegnet.

Der britische Premierminister Boris Johnson will endlich einen Brexit-Deal, um sein Land am 31. Oktober geordnet aus der EU führen zu können.

Der britische Premierminister Boris Johnson will endlich einen Brexit-Deal, um sein Land am 31. Oktober geordnet aus der EU führen zu können. Bild: EPA

Johnson will einen Deal bei dem am Donnerstag beginnenden Gipfel, um den Brexit wie geplant am 31. Oktober geregelt und ohne Chaos zu vollziehen. Ohne Einigung müsste der Premier nach einem britischen Gesetz ab Samstag eine Fristverlängerung bei der EU beantragen.

Das will Johnson nicht. Dennoch würde er sich im Fall der Fälle der Vorgabe beugen, wie Brexit-Minister Stephen Barclay bekräftigte. Das Unterhaus könnte bei einer Sondersitzung am Samstag über eine Vereinbarung abstimmen.

Varadkar optimistisch

Im Kern ging es um die Frage, wie die Grenze zwischen dem britischen Nordirland und dem EU-Staat Irland offen gehalten werden kann. Johnson hatte dem irischen Ministerpräsidenten Leo Varadkar dazu vorige Woche neue Angebote gemacht und so Bewegung in den festgefahrenen Streit gebracht.

Protesters from the Border Communities Against Brexit group hold a demonstration on the Irish border on the Republic of Ireland side close to the town of Jonesborough, Ireland, Wednesday, Oct. 16 , 2019.  The Border Communities Against Brexit group organised various protests at many points across the border region Wednesday. (AP Photo/Peter Morrison)

Proteste gegen eine geschlossene Grenze zwischen Nordirland und Irland. Bild: AP

In den vergangenen Tagen legte die britische Seite nach EU-Angaben noch einmal nach. Varadkar äusserte sich am Mittwoch nach Telefonaten mit Johnson und der EU-Kommission optimistisch.

Johnsons Zugeständnisse an die EU könnten aber die nötige Unterstützung im britischen Parlament aufs Spiel setzen. Der Premier hat keine Mehrheit im Unterhaus und ist auf jede Stimme angewiesen. Knackpunkt könnte sein, dass künftig wohl doch eine Zollgrenze zwischen der EU und Grossbritannien in der Irischen See verlaufen soll.

Abhängig von DUP

Ein solcher Vorschlag war schon einmal in London auf heftigen Widerstand gestossen. Die Chefin der nordirischen Protestantenpartei DUP, Arlene Foster, hatte ihn als «blutrote Linie» bezeichnet.

Wenig überraschend lehnt die DUP lehnt Teile der zwischen London und Brüssel aushandelten Brexit-Vorschläge ab. Das geht aus einer Mitteilung der Partei vom Donnerstag hervor.

«So wie die Dinge stehen, können wir nicht unterstützen, was zum Zoll und zu Zustimmungsfragen vorgeschlagen worden ist», heisst es. Auch bei der Frage der Mehrwertsteuer gebe es nach wie vor Unklarheiten.

(sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das Brexit-Chaos seit Johnsons Amtsübernahme

Ein chaotischer Brexit hätte für die EU verheerende Folgen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

5
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
5Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Ticasuk 17.10.2019 14:39
    Highlight Highlight Bringt er doch nie durchs Unterhaus...
  • Merlin.s17 17.10.2019 09:56
    Highlight Highlight Im zweiten Abschnitt von Abhängig von DUP, sind zwei lehnt, sprich eines zuviel im ersten Satz.
    Kommentar muss also nicht freigeschaltet werden, nur den Text korrigieren.
  • Thorium 17.10.2019 09:28
    Highlight Highlight Könnte man nicht Nordirland in einen unabhängigen Staat umbilden wenn sich alle darüber streiten? Es könnte dem Schengener Abkommen beitreten und trotzdem die Queen als Staatsoberhaupt einsetzen.
    • Majoras Maske 17.10.2019 09:49
      Highlight Highlight Das wollen die DUP ja nicht. Die wollen eine britische Provinz sein und in keiner Art und Weise anders als das restliche UK behandelt werden, weil sie alles in diese Richtung gehende als Schritt zur Unabhängigkeit ausgelegt wird.
  • The oder ich 17.10.2019 09:10
    Highlight Highlight Im Zweifelsfall wird Boris wohl lieber Nordirland aufgeben als den Brexit - auch wenn er das natürlich niemals zugeben würde

Streit um Corona-Medikament: Bleibt was für die Schweiz übrig?

Die USA haben praktisch die ganze Remdesivir-Produktion aufgekauft. Die EU und auch die Schweiz versuchen, sich die Reste zu sichern.

Remdesivir – so heisst das derzeit wohl begehrteste Medikament der Welt. Es kann den Verlauf einer schweren Corona-Infektion abmildern und führt dazu, dass Patienten das Spital vier bis fünf Tage früher verlassen können, so die Ergebnisse klinischer Studien. Am Freitag wurde das Medikament in der EU zugelassen. Ein Schnellverfahren machte es innert weniger Wochen möglich.

Nur: Kaufen kann man das in den USA produzierte Mittel momentan nirgends. Die Regierung von US-Präsident Donald Trump hat …

Artikel lesen
Link zum Artikel