Die kurze Haft des gefallenen Ex-Prinzen: Das Protokoll und wie es jetzt weitergeht
Die Festnahme
Am Donnerstagmorgen um 8 Uhr Ortszeit (9 Uhr in der Schweiz) tauchte die Polizei in Sandringham auf und nahm Andrew Mountbatten-Windsor in Gewahrsam. Das teilte sie um 11 Uhr Schweizer Zeit mit. Er wurde in einem Auto an einen zunächst unbekannten Ort gebracht. Mittlerweile weiss man, dass Andrew in der Aylsham Police Station in Norfolk untergebracht war. Rund eine Stunde dauerte die Fahrt von Sandringham zu dem historischen Ort nahe Norwich laut der Bild.
Thames Valley Police have opened an investigation into an offence of misconduct in public office.
— Thames Valley Police (@ThamesVP) February 19, 2026
A man in his sixties from Norfolk has been arrested and remains in police custody. As per national guidance we will not name the arrested man.
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Die Durchsuchungen
Während Andrew in Polizeigewahrsam war, durchsuchten Ermittler verschiedene Grundstücke, zum Beispiel in Norfolk, wo Andrew festgenommen worden war. Ziel war etwa, Beweise zu sichern. Dazu zählen beispielsweise Computer und allfällige Dateien, Fotos und E-Mails darauf.
Auch in Berkshire werden Durchsuchungen vorgenommen. Diese waren am Donnerstagabend noch im Gange, wie die Polizei mitteilte. Jene in Norfolk waren zu dieser Zeit abgeschlossen.
Andrew wird Amtsmissbrauch vorgeworfen. Er soll in seiner früheren Rolle als Handelsbeauftragter vertrauliche Dokumente an den Sexualstraftäter Jeffrey Epstein weitergeleitet haben. Hinweise darauf wurden in den kürzlich veröffentichten Epstein-Files entdeckt. Andrew soll etwa Berichte offizieller Besuche in verschiedenen Ländern an Epstein weitergeleitet haben.
In Polizeigewahrsam
Gemäss der «Daily Mail» wurde Andrew am Donnerstag verhört. Und das über mehrere Stunden, wie die «Bild» berichtet. Ausserdem habe Andrew ein Mittagessen und am Nachmittag einen Tee erhalten. Über allfällige Erkenntnisse aus der Befragung ist nichts bekannt.
Bilder von Gefängniszellen aus der Polizeistation zeigen eine karge Einrichtung. Laut Medienberichten hat Andrew auch seinen Gürtel und seine Schnürsenkel abgeben müssen – eine Vorsichtsmassnahme gegen eine Selbstverletzung oder Suizid.
Die Reaktionen
Während Andrew von der Aussenwelt abgeschirmt war, äusserten sich mehrere nahestehende oder in den Fall involvierten Menschen öffentlich. Andrews Bruder König Charles betonte, dass das Gesetz seinen Lauf nehmen müsse und er die Polizei uneingeschränkt unterstütze. Auch Prinz William stellte sich hinter diese Aussage.
Generell machte sich bei vielen Menschen Erleichterung breit. Lange war Andrews Verhaftung gefordert worden. Die Geschwister von Virginia Roberts Giuffre, eines der bekanntesten Opfer von Jeffrey Epstein, zeigten sich ebenfalls erleichtert und bedankten sich bei den Ermittlern. Er war nie ein Prinz, sagten sie gegenüber CBS News. Virginia Giuffre hatte Andrew jahrelang vorgeworfen, sie mehrfach als junge Frau vergewaltigt zu haben.
Während sich viele auf Social Media über Andrew und seine Verhaftung lustig machten, zeigte sich einer betrübt: US-Präsident Donald Trump nannte die Festnahme eine Schande. Es sei sehr, sehr traurig, so Trump.
Die Freilassung
Nach etwa 11 Stunden wurde Andrew um 19.30 Uhr bereits wieder auf freien Fuss gesetzt. Das teilte die Polizei am Donnerstagabend mit. Bilder zeigen ihn in einem Auto sitzend, wie er nach Sandringham gefahren wird.
Der Schock
Dass Andrew nur wenige Stunden in Polizeigewahrsam war, schockierte viele Menschen. Die ursprüngliche Erleichterung war plötzlich verschwunden. Auch Virginia Giuffres Familie zeigte sich konsterniert. Sie hätten viele gemischte Gefühle, sagten die Geschwister gegenüber CNN. Er glaube, es sei nicht genügend getan worden, sagt Giuffres Bruder.
Die weiteren Ermittlungen
Am Freitag gingen die Untersuchungen weiter. So traf die Polizei am Morgen bei der Royal Lodge in Windsor, Berkshire, ein, wie BBC berichtet. In dieser 30 Zimmer grossen Villa hatte Andrew rund 20 Jahre gewohnt, bevor er wegen des Drucks im Epstein-Fall nach Sandringham umzog.
