DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
epa06148715 Heavily armed police officers arrive for a manhunt near the site where a van crashes into pedestrians in Las Ramblas, downtown Barcelona, Spain, 17 August 2017. According to initial reports a van crashed into a crowd in Barcelona's famous Placa Catalunya square at La Rambla area injuring several. Local media report the van driver ran away, metro and train stations were closed. Several people were killed and numerous injured, the reasons behind the incident are yet to be investigated.  EPA/Andreu Dalmau FACES PIXELATED BY SOURCE DUE TO SPANISH LAW

Beim Terroranschlag in Barcelona sind bisher 13 Menschen ums Leben gekommen. Bild: EPA/EFE

Interview

Augenzeuge im Gespräch mit watson: «Ich war nur 200 Meter vom Terroranschlag entfernt»



Bild

Seit acht Jahren lebt der gebürtige Deutsche Janosch Kratz (28) in Barcelona. Er machte in Saarbrücken sein Abitur (Gymnasium) und studierte anschliessend in Barcelona Medizin. Aktuell absolviert er seine Facharztausbildung.

Janosch, vielen Dank, dass du dich bereit erklärt hast, uns Auskunft zu geben. Wie hast du den Terroranschlag heute Nachmittag erlebt?
Ich war nur etwa 200 Meter vom Terroranschlag entfernt. 200 Meter von dem Ort, an dem der Lieferwagen zum Stillstand gekommen ist. Ich war gerade auf dem Heimweg, plötzlich rannten alle Menschen in alle Richtungen, und schrien herum. Wir flüchteten in eine Bar, in welcher auch ganz viele andere Menschen waren, diese wurde dann verbarrikadiert. Wir haben selber mitgeholfen, dort das Fenster abzuriegeln, die Rollläden wurden geschlossen, es war ein riesiges Geschrei. Menschen weinten, das hab ich so noch nie erlebt.

Wie lange musstest du in dieser Bar ausharren?
Ich war eine knappe Stunde in dieser Bar und bin dann quasi auf eigene Faust nach Hause gegangen, weil ich wusste, dass ich nur etwa zehn Minuten zu Fuss brauche. Mit einer Gruppe von orientierungslosen Touristen bin ich in mein Viertel gelaufen und habe denen geholfen, ihre Hotels zu finden. Es war eine sehr komische Atmosphäre. Auf der einen Seite Hysterie, an anderen Plätzen haben die Leute wiederum gar nicht mitbekommen, was passiert ist und in aller Ruhe ihren Kaffee getrunken. Das fand ich sehr unheimlich.

Das war für mich allgemein das Schlimmste. Zu wissen, was passiert ist, dann aber auch diese Ruhe zu sehen. Zudem waren da ja noch die frei rumlaufenden und bis unter die Zähne bewaffneten Täter, die theoretisch an jeder Ecke hätten stehen können.

Wird sich dein Verhalten im Alltag nach diesem Terroranschlag ändern?
Ich muss jetzt mal abwarten, was dieser Terroranschlag für eine Auswirkung auf mich hat. Die bisherigen Anschlagsorte waren auch grosse europäische Städte, Touristenorte, da gehört Barcelona halt auch dazu. Durch die ganzen Anschläge in der Vergangenheit musste man damit rechnen. Ein bisschen achtsamer geht man jetzt wohl schon über die Strasse. Ich glaube aber nicht, dass ich jetzt nicht mehr vor die Tür gehen werde.

Wie erlebst du die Bevölkerung von Barcelona?
Ich glaube, eine Verunsicherung ist auf jeden Fall da. Man weiss ja, dass es in Barcelona islamistische Zellen gibt. Aber Anschläge gab es ja in dem Sinn bisher nicht. Auch über vereitelte Anschläge wurde nicht viel berichtet. Das ist jetzt für mich schon ein Schockmoment, dass es auch hier passiert ist.

Wie sieht es aus bezüglich Anweisungen der Behörden?
Es herrscht jetzt eigentlich eine Ausgangssperre, man soll zu Hause bleiben, Gehwege sollen frei gehalten werden. Aber klar, Barcelona ist eine grosse touristische Stadt, da sitzen trotzdem noch Leute auf der Terrasse und trinken Kaffee.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

UNO-Folterexperte Nils Melzer: «Der Fall Assange ist wie ein dunkles Familiengeheimnis»

Der Schweizer Jurist Nils Melzer überwacht für die UNO das Folterverbot und hat ein Buch über seine Untersuchung zum Fall des Wikileaks-Gründers Julian Assange geschrieben. Dessen Rechte seien massiv verletzt worden, sagt Melzer. Und warnt vor der «gefährlichen» PMT-Vorlage, die am 13. Juni zur Abstimmung kommt.

Sie erheben in Ihrem Buch schwere Vorwürfe gegen westliche Staaten im Umgang mit Julian Assange. Was hat Sie bei Ihrer Untersuchung am meisten schockiert?Nils Melzer: Die Erkenntnis, dass der Rechtsstaat offenbar auch in westlichen Demokratien vollkommen ausgehebelt werden kann. Ich habe in den letzten 20 Jahren oft in Kriegs- und Krisengebieten gearbeitet und viele schwere Rechtsverletzungen gesehen. Aber ich habe immer daran geglaubt, dass in den westlichen Demokratien wenigstens noch der …

Artikel lesen
Link zum Artikel