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epa06735284 A road sign direction to the US embassy visible next to a banner reading 'Trump is a friend of Zion', displayed next to the US embassy, ahead of events marking the embassy inauguration in Jerusalem in Jerusalem, 14 May 2018. US President Donald J. Trump's administration will officially transfer the ambassador's offices to the consulate building and temporarily use it as the new US Embassy in Jerusalem as of 14 May 2018. Trump in December last year recognized Jerusalem as Israel's capital and announced an embassy move from Tel Aviv, prompting protests in the occupied Palestinian territories and several Muslim-majority countries.  EPA/ATEF SAFADI

«Trump ist ein Freund von Zion» – die Einweihung der US-Botschaft in Jerusalem wurde von heftigen Protesten in Gaza überschattet.  Bild: EPA/EPA

Interview

«Eine deutliche Mehrheit hält die Reaktionen der israelischen Armee für gerechtfertigt»

Die Schweizerin Joëlle Weil berichtet seit mehreren Jahren für verschiedene Medien aus Israel. Trotz der jüngsten heftigen Prostete rund um die Eröffnung der US-Botschaft in Jerusalem, glaubt die freischaffende Journalistin nicht, dass es in nächster Zeit zu einer Eskalation kommen wird.



Sie waren gestern für eine Reportage in Jerusalem, wie hat sich die Stadt und ihre Bevölkerung einen Tag vor der Einweihung der US-Botschaft präsentiert?
Joëlle Weil: In Jerusalem ist alles immer normal, die Menschen dort kann eigentlich nichts erschüttern. Auch wenn es in Jerusalem oder in der Umgebung Ausschreitungen gibt, bleiben die Bewohner Jerusalems stressresistent. Derzeit herrscht absoluter Alltag.

epa06736271 Israeli activists and Palestinians hold banners during a protest outside of the US embassy in Jerusalem, during the official inauguration ceremony, 14 May 2018. The US Embassy in Jerusalem is inaugurated on 14 May following its controversial move from Tel Aviv to the existing US consulate building in Jerusalem. US President Trump in December 2017 recognized Jerusalem as Israel's capital. The decision, condemned by Palestinians who claim East Jerusalem as the capital of a future state, prompted worldwide protests and was met with widespread international criticism.  EPA/ATEF SAFADI

«Jerusalem ist nicht dein Spielzeug, Trump! »– Demonstrationen bei der Einweihung der US-Botschaft in Jerusalem. Bild: EPA/EPA

Bild

Bild: zvg

Zur Person

Die Schweizerin Joëlle Weil lebt seit fünf Jahren in Tel Aviv und berichtet als freischaffende Journalistin aus Israel.

800 geladene Gäste nahmen heute an der Feier teil, Hunderte Sicherheitskräfte sind zusätzlich postiert worden im Botschaftsquartier im Süden der Stadt.
Ja, in unmittelbarer Nachbarschaft der Botschaft wurden heute auch für die Anwohner gewisse Strassen gesperrt. Aber ich habe mich problemlos mit dem Auto durch Jerusalem bewegt, ich musste nicht einmal die Scheiben herunterlassen, als ich durch den Westbank-Checkpoint in die Stadt gefahren bin.

Sie wohnen in Tel Aviv, reisen für Recherchen regelmässig durch Israel. Wie ist die Stimmung im Rest des Landes?
Man ist sich das ja alles gewohnt. Im Grossen und Ganzen ist man nicht erschüttert. Die Auseinandersetzungen in Gaza sind in ihrer Intensität zwar ungewöhnlich, generell sind Unruhen dort aber nichts Neues. Das Gleiche gilt für das Westjordanland und Ost-Jerusalem. Irgendeine Form von Konflikt ist ja immer latent vorhanden in Israel.

Botschafts-Eröffnung in Jerusalem

Seit Ende März sind an der Gaza-Grenze mehr als 80 Menschen getötet und Tausende verletzt worden, alleine am Sonntag und am Montag wurden über 50 Demonstranten getötet. Das ist doch mehr als ein latenter Konflikt.
Ob die Reaktionen der israelischen Armee in ihrer Härte gerechtfertigt sind, ist ein Thema, das derzeit unter der israelischen Bevölkerung besprochen wird, auch wenn eine deutliche Mehrheit diese für gerechtfertigt haltet.

epa06736295 Hundreds of Palestinian protesters gather during clashes after protests near the border with Israel in the east of Gaza Strip, 14 May 2018. According to media reports, at least 50 Palestinians were killed and more than 1800 wounded during clashes in Gaza-Israeli border during clashes against the US embassy move to Jerusalem as well as marking Nakba Day. Palestinians are marking the Nakba Day, or the day of the disaster, when more than 700 thousand Palestinians were forcefully expelled from their villages during the war that led to the creation of the state of Israel on 15 May 1948. Protesters call for the right of Palestinians to return to their homeland.  EPA/MOHAMMED SABER

Über 50 Menschen wurden bei Demonstrationen an der Grenze des Gazastreifen getötet.  Bild: EPA/EPA

Also sind die Spekulationen über eine dritte Intifada nichts anderes als das: Spekulationen?
Eine mögliche dritte Intifada wird immer wieder von den Israelis herbeibeschwört oder von den Palästinensern angedroht. Auch letzten Dezember, als die Trump-Regierung die Verlegung der Botschaft verkündigte, war die Stimmung sehr aufgeheizt. Auch da sprach man von dem Beginn der dritten Intifada.

Trotz dem 70. Jahrestag der Gründung Israels, trotz der Botschaftsfeier, trotz der Nakba, der grossen Katastrophe, mit derer die Palästinenser am Dienstag dem Verlust ihrer Heimat gedenken?
Nakba findet jedes Jahr statt und jedes Jahr gibt es grosse Demonstrationen und Kundgebungen. Klar kommen dieses Jahr mehrere Ereignisse zusammen, aber alles in allem glaube ich nicht, dass es dieses Mal zu einer langanhaltenderen Eskalation, zu einem Flächenbrand von ganz anderem Ausmass kommen wird.

In der vergangenen Woche spitzte sich der Konflikt zwischen Israel und dem Iran zu. Wie erlebten die Menschen in Israel diese Tage?
Mittlerweile hat sich die Stimmung unter den Israelis wieder etwas beruhigt, aber während der letzten Wochen war die Stimmung doch etwas angespannter. Jede neue Mitteilung über Operationen auf iranische Stützpunkte in Syrien oder auch die 20 Raketen, die mutmasslich von iranischen Stützpunkten nach Israel abgefeuert wurden, heizten die Spekulationen über einen möglichen Krieg an.

Noch im Dezember lag Netanjahu in der Gunst der Wähler ganz tief: Ein Korruptionsskandal erschütterte das Vertrauen der Bevölkerung in den Premierminister massiv. Wie sieht das jetzt aus, ein halbes Jahr später?
Vor einigen Monaten war der Rothschild-Boulevard in Tel Aviv regelmässig mit Tausenden Menschen geflutet, die Netanjahus Rücktritt forderten. Jetzt zeigt sich dort höchstens noch versprengtes Grüppchen. Von den Korruptionsvorwürfen redet derzeit kaum jemand. Im Gegenteil. Das Vertrauen in Netanjahu steigt aktuell rasant. In zwei unabhängigen Umfragen würde die Likud-Partei momentan einen Sitzgewinn einfahren. Das liegt vor allem an der klaren Sprache, mit der Netanjahu und der Likud momentan auf die Bedrohung reagieren. «Wagt es, uns anzufassen, dann setzt es was.» Das wollen viele Leute hier hören. Eine Regierung, die Härte demonstriert in Krisenzeiten.

Wird die Verlegung der Botschaft langfristig das politische Gefüge in der Region verändern?
Alleine die Ankündigung hat schon einen Stein ins Rollen gebracht. Andere Staaten haben angekündigt, dem Beispiel der USA zu folgen. Es wird Auswirkungen haben, aber welche, ist zu diesem Zeitpunkt nicht klar. Vielleicht muss man sich mit Ausschreitungen vor den jeweiligen Botschaften in Europa gefasst machen. Aber genau lässt sich das zum aktuellen Zeitpunkte nicht sagen.

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    Alle Leser-Kommentare
  • rud 15.05.2018 22:56
    Highlight Highlight http://www.israelheute.com/Nachrichten/Artikel/tabid/179/nid/33528/Default.aspx
  • Snowy 15.05.2018 11:20
    Highlight Highlight Das Interview zeigt in zynischer Weise die Wahrheit in Israel: Die Menschen sind ab der Gewalt abgestumpft; vielen ist sie schlicht egal, solange sie nicht in der eigenen Stadt bemerkbar macht

    Selbst weltoffene, gebildete und eher Mittel-Links denkende Menschen in Tel Aviv haben resigniert: Man weiss, dass es keinen Frieden mit den Arabern und eine Zweistaatenlösung geben kann. Also unterstützten nun selbst solche Leute rechstnationale Parteien und die Siedlerbewegung um Fakten für ein Grossisrael zu schaffen

    Ich habe keinerlei Hoffnungen mehr für die Palästinenser in den besetzten Gebieten.
  • Vanessa_2107 15.05.2018 09:19
    Highlight Highlight 58 Tote Palästinenser, darunter Kinder, mehr als 2000 Verletzte, kein toter oder verletzter Israeli, das sagt eigentlich alles, oder? Kann man ja auch israelische Verhältnismässigkeit nennen...(persönliche Bemerkung: ich habe absolut nichts gegen Juden, wäre es umgekehrt, würde ich das selbe sagen)
    • Yveze 15.05.2018 11:48
      Highlight Highlight israeli ist nicht gleich Jude, oder besser, nicht jeder Jude ist auch ein Israeli....
  • Max Dick 15.05.2018 05:33
    Highlight Highlight Beschämend wie viele hier in der CH und in Europa Auf Israel herumhacken, weil dieses sich das Recht herausnimmt, seine Staatsgrenzen gegen feindliche Krieger, die kommen wollen um zu morden, schützt. Das gleiche Europa, dass aber selbst bei kleinsten Terrorattacken den Ausnahmezustand verhängt und wegen ein paar Migranten und Flüchtlingen fast auseinander fällt. Shame on you Europe und nehmt euch ein Beispiel an den tapferen Israeli!
    • Dmnk 15.05.2018 09:45
      Highlight Highlight Sehr tapfer mit seinem hochgezüchteten Militär auf einem verarmten Volk in dem grade jeder 2. lesen kann rumzutrampeln. Wahre Helden diese Israeli...
    • Fabio74 15.05.2018 10:10
      Highlight Highlight Tapfer heisst jedes Völkerrecht ignorieren, jede UNO-Resolution und selber Atomwaffen besitzen sich aber weigern der IAEA die Türen zu öffnen.
      Istael ist Besatzungsmacht. Det Bau von Siedlungen und der Abbruch von Palästinenser- Siedlungen ist illegal.
    • Shredda 15.05.2018 10:50
      Highlight Highlight lieber MAX DICK
      Leider Sind die Juden die gekommen um die Palästinenser zu vertreiben ...

      Doch es gab ein Problem: Das Gebiet war bewohnt. Seit Jahrhunderten lebten dort Palästinenser, die das Land nicht hergeben wollten. Genau wie Christen und Juden haben auch die muslimischen Araber hier heilige Stätten ihrer Religion, des Islam.

      also vor 80 jahren ca .. aber kann ja nicht jeder wissen ;-)
    Weitere Antworten anzeigen
  • Tobias K. 14.05.2018 23:42
    Highlight Highlight Ah ja alles voll easy. Keine Probleme heute in Jerusalem. Nur mal über 50 Tote. Aber sonst ist alles dufte... Finde Frau Welti verharmlost hier ziemlich die aktuellen Ereignisse. Aber hey alles easy.
  • Hierundjetzt 14.05.2018 20:41
    Highlight Highlight Ist doch alles wunderbar: ein Staatspräsident sitzt im Gefängnis wegen Korruption, der Ministerpräsident ist ebenfalls der Korruption angeklagt, aktuell wurden 52 Mitbürger erschossen (Nope, die Palästinenser haben keinen Staat)

    Jerusalem ist gemäss Völkerrecht keine Hauptstadt irgendeines Landes (immer noch nicht), dass wird erst ausgehandelt.

    Aber hey, is mir egal.

    Ich wünsche mir, dass Israel auch sein 200 oder 500 jähriges feiern kann. Keine Frage. Aber aktuell... mit dieser katastrophen Politik, sehe ich schwarz. Das hat doch keine Zukunft 😑 500 jahre Krieg führen? Come on!
    • pacoSVQ 14.05.2018 22:19
      Highlight Highlight In Jerusalem herrscht leider schon seit über tausend Jahren Krieg. Wenn die Stadt für 3 der grössten Religionen ein Heiligtum ist oder beinhaltet ist das leider vorprogrammiert. Hoffe immer noch auf ein friedliches nebeneinander, ohne agressive Siedlungspolitik Israels
  • N. Y. P. D. 14.05.2018 19:37
    Highlight Highlight Klar kommen dieses Jahr mehrere Ereignisse zusammen, aber alles in allem glaube ich nicht, dass es dieses Mal zu einer langanhaltenderen Eskalation kommen wird.
    (Joëlle Weil)

    Das ganze Interview ist mir zu wenig reflektiert. Zu verharmlosend. Eine zu einseitige Sicht.
    • Moudi 15.05.2018 16:59
      Highlight Highlight Halt nur EINE Sichtweise! Wie so oft.. Leider

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