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epa08099306 (FILE) - A handout photo made available by the Iranian Supreme Leader's office shows Iranian Revolutionary Guards Corps (IRGC) Lieutenant General and Commander of the Quds Force Qasem Soleimani praying during a religious ceremony in Tehran, Iran, 27 March 2015 (reissued 03 January 2020). Soleimani and Iraqi militia commander Abu Mahdi al-Muhandis were killed on 03 January 2020 following a US airstrike at Baghdad's international airport. The attack comes amid escalating tensions between Tehran and Washington.  EPA/IRANIAN SUPREME LEADER'S OFFICE HANDOUT  HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Von den USA liquidiert: Der iranische General Soleimani, Nummer 2 des Mullah-Staats. Bild: EPA

Interview

Nahost-Experte Gysling: «Als hätten die Iraner den US-Verteidigungs-Minister getötet»

Donald Trump höchstpersönlich hat den iranischen Top-General Soleimani ermorden lassen. Und damit die Nummer 2 des Mullah-Staates getötet. Ist dies eine Kriegserklärung der Amerikaner? Kommt es jetzt zum grossen Flächenbrand? Der langjährige Nahost-Experte Erich Gysling schätzt die aktuelle Lage ein.



Herr Gysling, Trump hat per Drohnenangriff den iranischen Top-Kommandeur Soleimani liquidieren lassen. Wie sehr trifft die Attacke die Iraner?
Nach Ayatollah Ali Khamenei war Soleimani die zweitwichtigste Persönlichkeit im Iran, noch wichtiger als Staatspräsident Hassan Rouhani. Ziehen wir einen Vergleich: Die Liquidierung ist etwa so bedeutsam, als hätten die Iraner den US-Verteidigungsminister umgebracht!

Soleimani war der Vorzeige-General und die Nummer 2 des Mullah-Staates. Warum?
Soleimani hat als Kommandeur der Kuds-Brigaden zuletzt etwa den Krieg der Iraner gegen den IS im Irak angeführt. Er galt als Mastermind der iranischen Aussenpolitik und tauchte im Nahen Osten immer dann auf, wenn es für den Iran um besonders viel ging. Seine Kuds-Brigaden spielen im Syrien-Konflikt eine wichtige Rolle und halfen, Diktator Baschar al-Assad an der Macht zu halten.

Portrait of Erich Gysling, publicist, correspondent and Middle-East expert, pictured on June, 28, 2011, in Affoltern am Albis, canton of Zurich, Switzerland. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Publizist und Nahost-Experte Erich Gysling (83). Bild: KEYSTONE

«Ich sehe den Angriff als Kriegsakt der USA gegen den Iran an.»

Erich Gysling

Was hat US-Präsident Trump zu dieser folgenreichen Attacke getrieben?
Der jüngste Drohnenangriff sieht nach einer weiteren Impulshandlung von Trump aus. So hat er die Attacke zwar mit Aussenminister Mike Pompeo, nicht aber mit dem Kongress abgesprochen. Gut möglich, dass Trump im TV die Bilder von der Erstürmung der US-Botschaft in Bagdad gesehen und dann den Angriff auf Soleimani befohlen hat. Die Attacke ist ein weiteres Beispiel von Trumps chaotischer Aussenpolitik.

Die Iraner haben bereits Rache angekündigt. Was sind mögliche Ziele?
Es wird eine massive Antwort der Iraner geben. So sind etwa Attacken gegen US-Truppen oder Ölfelder im Irak denkbar. Ebenso Angriffe auf US-Kriegs- und Tankschiffe im persischen Golf. Dagegen glaube ich nicht, dass Israel ins Kreuzfeuer kommt. Die Iraner wollen die USA direkt treffen.

Wie gravierend stufen Sie die aktuelle Eskalation im historischen Vergleich ein?
In der Vergangenheit sind mehrfach iranische Militärs durch westliche Geheimdienste ermordet worden. Soleimani ist aber ein anderes Kaliber. Ich sehe dies als Kriegsakt der USA gegen den Iran an.

Droht nun ein Flächenbrand in der ganzen Region?
Die Lage ist äusserst besorgniserregend. Niemand weiss, was jetzt kommt.

Die Schweiz vertritt seit 1980 die Interessen der USA im Iran. Können Schweizer Diplomaten im aktuellen Konflikt vermitteln?
Die Schweiz hat bloss eine Briefträgerfunktion. Ich denke nicht, dass das Aussendepartement eine Vermittlerrolle einnehmen kann.

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