bild: Imago / watson
Internetblockade: US-Aktivisten schmuggeln Starlink-Geräte in den Iran
Während der Krieg im Iran mit einer nahezu vollständigen Internetblockade einhergeht (watson berichtete), mobilisieren sich Aktivisten auf der ganzen Welt, insbesondere in den USA, um den Iranern die Verbindung über das Starlink-Netzwerk weiterhin zu ermöglichen.
Obwohl das Satellitensystem des Milliardärs Elon Musk im Iran offiziell nicht verfügbar ist, hat es dort in den letzten Jahren dank eines Netzwerks internationaler Akteure an Bedeutung gewonnen, wie mehrere in den USA ansässige Personen berichten, die an diesen Bemühungen beteiligt sind.
Übersetzung
Dieser Text wurde von unseren Kolleginnen und Kollegen aus der Romandie geschrieben, wir haben ihn für euch übersetzt.
Hunderte Geräte geliefert
Diese Digital-Aktivisten arbeiten seit 2022 – nach den Massenprotesten im Anschluss an den Tod von Mahsa Amini – daran, Starlink-Antennen in den Iran zu schmuggeln. Sie helfen den Iranern, die solche Lieferungen empfangen, bei der sicheren Nutzung, insbesondere da die iranischen Behörden den Einsatz dieser Endgeräte seit 2025 offiziell unter Strafe stellen, eine Haftstrafe nicht ausgeschlossen.
Emilia James von der US-amerikanischen Organisation NetFreedom Pioneers gibt Auskunft, weist aber gleichzeitig darauf hin, dass sie aus Sicherheitsgründen keine Details nennen kann:
Ahmad Ahmadian, Geschäftsführer von Holistic Resilience, berichtet, dass seine gemeinnützige Organisation «Starlink-Geräte in europäischen Ländern oder anderswo» gekauft habe, bevor sie diese über «Nachbarländer» in den Iran schmuggelte.
Geheime Netzwerke für mehr Sicherheit
Während die Vereinigung so «bis zu 200» Antennen an zivile Akteure geliefert habe, habe sie auch den Verkauf von «mehr als 5000» Starlink-Geräten ermöglicht, indem sie normale Bürger mit inoffiziellen Wiederverkäufern in Kontakt gebracht habe, erklärt er weiter.
Ein weniger riskantes Vorgehen, da der Besitz eines von einer amerikanischen Stelle versandten Starlink-Geräts im Falle einer Verhaftung zu härteren Strafen führen könnte, wie er betont. Holistic Resilience setzt daher auf Schmuggelnetzwerke und bietet neben Benutzerhandbüchern auch Beratung zur digitalen Sicherheit aus der Ferne an.
Da die Iraner ihre Starlink-Abos nur über Umwege anmelden und bezahlen können, funktionieren die Zahlungsmethoden Visa und Mastercard im Inland nicht.
Obwohl sie nicht genau wissen können, wie viele Antennen tatsächlich ins Land gelangen und aktiviert werden konnten, schätzt Ahmadian, «dass es im Iran definitiv mehr als 50'000 Starlink-Antennen gibt».
Emilia James von NetFreedom Pioneers schätzt die Anzahl der Geräte in dem Land mit 92 Millionen Einwohnern auf «Zehntausende». Starlink reagierte nicht umgehend auf Anfragen nach einer Stellungnahme.
Unerschwingliche Preise und starke Repression
Obwohl diese Terminals tatsächlich von mehreren Personen genutzt werden können, indem sie beispielsweise einer ganzen Familie oder einem ganzen Gebäude eine Internetverbindung ermöglichen, bleibe die Zugänglichkeit eingeschränkt, weil es «zu teuer» sei, räumt Emilia James ein.
Um auf dem Schwarzmarkt eine Starlink-Antenne zu erwerben, mussten Iraner bis Ende 2025 etwa 800 bis 1000 US-Dollar (630 bis 800 Schweizer Franken) bezahlen, berichtet Ahmad Ahmadian – ein bereits unerschwinglicher Betrag.
Hinzu kamen die Abo-Gebühren, die nach den brutal niedergeschlagenen Massendemonstrationen im Januar immerhin für alle Neukunden kostenlos waren. Seit diesem Vorfall und dem Kriegsbeginn Ende Februar sind die Kosten für die Antennen sprunghaft angestiegen und können laut Ahmadian bis zu 4000 US-Dollar (3150 Schweizer Franken) pro Stück betragen. Er fügt hinzu:
Dies wird zwangsläufig noch durch die erhöhten Risiken für Verkäufer und potenzielle Käufer verschärft.
Seit Kriegsbeginn und der Verhängung dieser neuen Internetblockade würden die iranischen Behörden verstärkt gegen die Nutzung von Starlink vorgehen und Berichten zufolge zumindest lokal versuchen, Antennen auf Dächern oder Balkonen zu identifizieren, was zusätzliche Besorgnis auslöse, wie James berichtet.
Mitte März verhafteten die iranischen Behörden einen Mann, der vermeintlich als Leiter eines Netzwerks identifiziert wurde, das Internetzugang über Starlink verkaufte.
